Vuda point, Fiji, 7.9.2019                                                                              S 17°40,8‘    E 177°23,2‘

 

 

 

 

 

 

 

Vulkanausbruch, Schlechtwettereinbruch, Rippenbruch – das war Tonga!

 

Na ja, das ist vielleicht ein wenig drastisch. Die Tonganer können schließlich nichts dafür und ich möchte auch  die  Tourismuswerbung von Tonga nicht  sabotieren. Die hat‘s ohnehin schon schwer genug in einem Land mit 100 000 Einwohnern, verteilt auf 170 Inseln, fernab aller üblichen Reisewege.

 

So schön unser Aufenthalt in diesem  alten Königreich begann, wurde er im Laufe der Tage dann doch etwas zäh und  bereitete uns  schießlich auf hoher See mit meinem Flug durch die Kombüse  ein recht unangenehmes Finale.

 

 

Eine Lektion in Sachen Südseemode

 

Wirklich Glück gebracht  hat uns  der Umweg zur Vava’u Gruppe  also nicht – aber das kann man halt vorher nicht wissen. Der Anfang, wie schon im letzten Blog beschrieben, war ja vielversprechend. Einfahrt durch die wunderbare Fjordlandschaft, Geburtstagsessen beim Italiener, Wiedersehen mit Hille und Torsten, Sonnenschein und gute Laune. 

 

Der erste Tag war ein Sonntag –  wie überall in der Südsee ist da aus modischen und musikalischen Gründen ein Kirchenbesuch angesagt. Es war wie bei einem  Defilée von  Christian Lacroix: Brokat, Pailetten, Spitzen, Goldfäden  und Perlenstickerei. So viel Aufwand sieht man bei uns nicht einmal bei einer Opernpremiere. Wirkt aber absolut nicht geschmacklos – die Damen haben nämlich auch die entsprechende würdige Haltung dazu. Mann trägt einen schlichten schwarzen Rock und ein dunkles Hemd. Was in Tonga für beide Geschlechter zwingend dazu gehört sind Bastmatten, die über all die Herrlichkeit gebunden werden. Macht nicht gerade schlank. Das wäre hier aber ohnehin nicht das Schönheitsideal.

 

Die Segler sitzen während der Messe aufgereiht schüchtern in der letzten Reihe, trotz aller Bemühungen deplatziert gekleidet, alle Damen ziehen und zerren an ihren Röcken und versuchen irgendwie, ihre Knie unsichtbar zu machen. Ich dachte, eine ¾ Hose wäre ein Kompromiss, aber  Hose in der Kirche ist noch peinlicher als ein zu kurzer Rock. Jedenfalls muss  meine  Garderobe dringend ergänzt werden. Um einen  Rock oder ein Kleid mit Ärmeln und bis zur Mitte der Wade reichend. Schon in Samoa habe ich mich immer geniert und irritierte Blicke der Taxifahrer geerntet, aber die modische Auswahl in Apia war leider sehr eingeschränkt. Anders hier in Fiji! Ein Paradies für alle, die gerne durch Bekleidungsgeschäfte streifen. Hier ist shoppen angesagt, denn die Preise sind moderat, auch für Markenware. Für  mich wird das aber erst bei unserer Rückkehr 2020 aktuell. Und davor muss ich noch am Schiff ausmisten, sonst brauchen wir ein Beiboot für meine Garderobe.

 

 

Segeltourismus ist nicht immer romantisch

 

Ja, was hat Tonga abseits der  Mode  noch geboten:  Die Vava’u Inselgruppe (weiter südlich waren wir ja nicht) ist eine labyrinthartig verschlungene Inselwelt  mit wunderbaren Ankerplätzen und klarem Wasser. Die kurzen Distanzen  und geschützten Buchten sind auch der Grund, warum Sunsail hier den ersten Charterstützpunkt in der Südsee aufgebaut hat.  Allerdings wäre es gut gewesen, wenn man auch entsprechendes Wetter zur Verfügung hätte  stellen können. Wir hatten während der beiden Wochen gerade vier Sonnentage.  Jemand, der ein paar Tausender für den Flug aus Europa hinlegt, um zwei Wochen im Paradies zu segeln, ist dann wohl sehr frustriert.

 

Frustrierend, zumindest ein bisschen,  war Vava’u  für uns  auch.  Nach  den wunderbaren Erfahrungen auf unserer ersten Tonga-Insel,  Niuatoputapu, hatte es Neiafu, der Hauptort der Vava’u Gruppe, auch wirklich schwer.

 

Neiafu mit seinem großen Bojenfeld und der relativ guten Infrastruktur ist ein Zentrum für  Segler aus aller Welt. Der Markt zeigt die ganze Buntheit der Südseefrüchte, die Lokale bieten amerikanische Burger und authentische italienische Küche. Fast jeder, der auf der sogenannten „Barfußroute“ unterwegs ist, kommt hier durch. Es ist viel los und man kann in der geschützten Bucht auch einmal ein paar Regentage überstehen. Aber von der überschäumenden Fröhlichkeit  und dem akkuraten Straßenbild Niuatoputapus ist in Neiafu nichts mehr zu bemerken. Plastikflaschen und  Taschentücher  am Straßenrand,  die Kellner sind zwar  (fast) professionell, aber in den Geschäften blickt man hauptsächlich in strenge und ernste Chinesengesichter.

 

Dass Neiafu natürlich nicht wie Niuatoputapo ist, hätten wir uns denken können – je größer der Ort, je mehr Segler und Touristen, desto unpersönlicher ist die Atmosphäre.. Von den Behörden können wir aber auch hier nur Gutes berichten, wie in allen Südseestaaten bisher sind die Beamten  hilfreich und freundlich. 

 

Eine kleine Wanderung durch die Dörfer auf den höchsten Berg der Insel verschaffte uns einen kurzen Einblick in den Alltag der Tonganer. Nichts mehr von wegen Brokat und Perlen, der Sonntagsstaat bleibt unter der Woche im Schrank und die „normalen“ Lebensbedingungen  präsentieren sich recht bescheiden zwischen Schweinen, Hunden, Autowracks und matschigen Vorgärten.

 

 

 

 

Zuviel Bimstein, zu wenige Wale

 

Nach ein paar wunderbaren (sogar sonnigen) „Urlaubstagen“ in der Lagune von Hunga stand die Planung der Überfahrt nach Fiji an. Und  die verlief wieder einmal nicht ohne Nervenkitzel. Ausgerechnet in der Woche davor setzte es sich  ein Unterwasservulkan  in den Kopf, ausbrechen zu müssen und die Segler aus dem Konzept zu bringen! Der Vulkan produzierte massenhaft hellbraune, schwimmende Bimssteinbrocken, die die Wasseroberfläche bedeckten. Der arme Skipper, der als erster reinfuhr, hatte natürlich keine Ahnung, was los war und blieb in dem Zeug fast stecken. Zum Glück für uns Nachfolgende machte er die Sache rasch publik und wir konnten dem driftenden Feld ausweichen. Ein paar Brocken schwammen trotzdem noch auf unserer Route  herum.  

 

Lieber als Bimsstein hätten  wir  Wale gesehen.  Andere Segler beschreiben auf ihren Homepages, dass sich die Wale bei ihnen nur so anstellen zum Fotografieren. Oder dass sie zumindest rundherum laut und deutlich blasen. Es gibt sogar Leute, die mit den Walen geschwommen sind. Aber wir haben nur zweimal aus großer Entfernung eine Schwanzflosse wedeln sehen und das war’s.  Und Tonga wäre ja der weltweit wichtigste Hotspot  für „whale watching“ – jedoch  nicht für Yin Yang. Die ist walresistent.

 

 

 

 Der Flug durch die Küche

 

Aber wir waren sehr flott unterwegs. 82 Stunden sind für die Strecke von Neiafu in den Westen Fijis eine recht sportliche Zeit. So richtig genießen konnten wir diese Leistung allerdings nicht, denn die Freude daran  hat uns eine ganz dreiste Welle versaut: Während meiner ersten Nachtwache  hatte ich Lust auf ein Glas Wasser und als ich so ganz zuversichtlich und voller Vorfreude aufs kühle Nass an der Abwasch stand, traf eine gewaltige Welle das Boot von der Seite, was mich nach einem Flug von 2-3m gegen den Kartentisch schleuderte. Dieser wiederum hat sich alle Mühe gegeben, sich so fest wie möglich in meine Rippen zu bohren, was meinerseits ein schrilles Schreien auslöste, sodass der arme Skipper wie eine Rakete aus dem Bett schoss. Und sofort alle wichtigen Fragen stellte – kannst Du atmen, kannst Du alles bewegen – kannst Du aufstehen – ja, das ging trotz Ächzens und Stöhnens alles („nein, ich will nicht ins Bett, ich habe mir nicht weh getan“) und  schwupp war ich wieder draußen im Cockpit  auf Wache. Zwei Stunden später ging allerdings nichts mehr. Sobald das Adrenalin, das  offenbar in so einer Situation einschießt, verpufft ist, fühlt man sich wie ein Ballon, dem die Luft ausgeht. Und das blieb die weiteren drei Tage bis zu unserer Ankunft in Fiji so. Noch dazu war an Schlaf nicht zu denken, denn  im Liegen geht jede Schiffsbewegung direkt in die Rippen über. Am besten war es noch, im Cockpit zu sitzen und abwechselnd die Instrumente zu beobachten und zu lesen, das lenkte wenigstens  ab. Auch von der Seekrankheit, die  sich zu allem Übel auch noch bemerkbar machte. Mein armer Mann  war gleichermaßen geschlaucht, er tat wegen der ganzen Aufregung ebenfalls kein Auge zu und musste alles alleine machen, sogar die Küche in Gang halten. Wobei wir ohnehin beide keinerlei Appetit hatten und fast nichts gegessen haben.  Das alles bei bis zu 40 Knoten Wind (jedenfalls am letzten Tag) – also, auf so einen Törn kann ich künftig verzichten!

 

Ein Empfang, der ans Herz geht

 

Aber – und es gibt ja viele passende Sprichworte dazu – „auf Regen folgt Sonnenschein“ und  zwar dieses Mal in Form des Personals der Vuda-Marina. Als wir im Dunkeln um 22 Uhr versuchten, die Warteboje zu finden (einfahren darf man nicht, wenn es finster ist) und ein paar Kreise drehten, wurden wir in der Marina gesehen und ein Boot kam rausgefahren, um uns an die Boje zu geleiten. Das fanden wir erst einmal schon sehr nett (da könnten sich viele Mittelmeermarinas eine Scheibe abschneiden), aber was am nächsten Morgen folgte, war der Gipfel: Um 9 Uhr wurden wir gebeten, an den Quarantänesteg zu kommen, wo dann eine ganze Mannschaft beim  Anlegen half, die Yin Yang mit einem Blumenkranz schmückte und uns zu Gitarrenklängen ein Willkommenslied sang.

 

 

Relativ bald waren dann auch die Behörden zur Stelle und wir konnten die gelbe Fahne runternehmen, sprich offiziell an Land gehen. Beim Andocken an unseren endgültigen Liegeplatz kam sogar der Dockmaster an Bord, da ich ja unbrauchbar war.  Plötzlich hörten wir auch noch bekannte Stimmen laut  unsere Namen rufen:  Georg (passsenderweise Arzt, plastischer Chirurg) und Marisol , die sich in Ecuador so nett um uns gekümmert hatten, machten das Empfangskomitee komplett.

 

Von Tränen und anderen Flüssigkeiten

 

Der Gang zum Arzt blieb mir trotzdem nicht erspart. An die Verrenkungen, die ich fürs Röntgen machen  musste, will ich gar nicht mehr denken und auch nicht an das Auf- und Absteigen auf die Liege für den Ultraschall. Das hat so wehgetan, dass mir die Tränen gekommen sind und  ich mir ein paar Schreie nicht verkneifen konnte. Peinlich betreten und mit hochrotem Kopf bin ich dann wieder im Wartezimmer erschienen.

 

Der Ultraschall zeigte nur Gutes – alles ist im Bauch dort, wo es hin gehört. Die X-Rays wurden mir per e-mail zugesandt und ich habe sie gleich weiter an unseren Freund und Radiologen Hajo geschickt, der  sich nun am Segelboot in Griechenland Gedanken über meine inneren Werte macht. Er meint, dass Rippen gebrochen seien, was aber  bei einem normalen Röntgen kaum mit Sicherheit festzustellen sei. Ist aber auch egal, man kann ohnehin nichts zur Heilung beitragen. Was ihm nicht gefällt, ist eine Flüssigkeitsansammlung  im Brustkorb, die zu einer Lungenentzündung führen kann, wenn man nicht aufpasst. Aber ich passe auf – Georg und Poldi achten auf regelmäßige Temperaturkontrolle und Medikamenteneinnahme und Anfang nächster Woche gehe ich zum Kontrollröntgen,  das dann hoffentlich keine Flüssigkeit mehr zeigt.

 

Der Abschied ist in Vorbereitung

 

Insgesamt geht es mir wieder recht gut, vom Gefühl, Bäume ausreißen zu können, bin ich aber noch weit weg. Am schlimmsten ist jedoch, dass ich von meinem betreuenden Ärzteteam – dem segelnden Radiologen Hajo und dem  besorgten aber immer optimistischen  Schönheitschirurgen Georg – absolutes Putzverbot erhalten habe. Und die Reinigungsarbeiten als Vorbereitung für die  sieben Monate im  „Cyclon Pit“ sind umfangreich, denn hier ist wieder die Gefahr von Schimmel und Ungeziefer sehr groß. Die Marina bietet Reinigungspersonal zum Mieten  an, das ist schon einmal positiv, aber ich werde wohl – auf ohnehin engem Raum – immer daneben stehen müssen, denn die Besonderheiten beim Putzen in diversen Winkeln und Ecken sind auf Booten recht kompliziert und der Schmutz ist oft nur mit vielen Verrenkungen erreichbar.

 

Um das Putzen bestmöglich vorzubereiten,  werde ich erst einmal mit dem Ausmisten beginnen. Unglaublich, was sich alles so ansammelt   und wie viele Fehlkäufe – nicht nur bei Klamotten, sondern auch bei Kochtöpfen und dergleichen –man im höheren Alter immer noch tätigt.

 

Poldi hat sich um gefühlte 1000 technische Reparaturen und Servicearbeiten zu kümmern, die Segel zu stauen, die Leinen auszufädeln, die Bilge zu reinigen etc etc  und aufgrund meiner Unfähigkeit muss er auch noch die Außenreinigungarbeiten erledigen. Das macht meinen ‚Krankenstand‘ auch nicht gerade entspannend, denn  neben ihm  fühle ich mich wie ein Hypochonder, weil man ja von außen nichts sieht, nicht einmal blaue Flecken!

 

Also werden wir die nächsten beiden Wochen (unser Flug nach Auckland ist für den 27. gebucht) so produktiv wie möglich verbringen, zum Glück ist die Marina wunderschön und  hat ein tolles Restaurant. (Wir sollten allerdings besser unsere Tiefkühltruhe leer essen).

 

Der erste Eindruck von Fiji ist jedenfalls gut: Tolle Infrastruktur, nette Leute und im Moment ist auch das Wetter recht angenehm. Tiefere Einblicke in Land und Gesellschaft werden wir wohl aufs nächste Jahr verschieben müssen.

 

 


 

Neiafu, Tonga,.20.8.2019                                                                                                                                         Position:      18 39.444 S   173 58.971 W

 

 

 

„Was, in Tonga wollt Ihr nur eine einzige Insel besuchen? Das geht nicht“ hörten wir von allen Seiten, als wir planten, von der nördlichsten Tonga-Insel Niuatoputapu direkt nach Fiji zu segeln. Kurz haben wir überlegt und den Wind gecheckt  - ja, Fiji läuft uns tatsächlich nicht davon. Also wurde  vor ein paar Tagen einer kleiner Umweg eingebaut und  die Vava’u Inselgruppe angesteuert. Fiji folgt dann  Anfang September.

 

Erst einmal  bin ich Euch aber noch den zweiten Teil  unserer Samoa-Eindrücke schuldig.

 

 

Exotik und Kolonialgeschichte

 

Samoa hat gehalten, was es versprochen hat. Die Leute sind äußerst freundlich und interessiert, die Kultur ist einzigartig  und die Eissalons (neuseeländische Ware) verführerisch. Trotzdem ist uns eine große Enttäuschung nicht erspart geblieben: die morgendliche Wachablöse fiel ab dem Tag ins Wasser, als wir uns endlich zu diesem Fotoevent in früher Morgenstunde aufrafften. Wie in allen Reiseführern nachzulesen, marschiert da das schmissige  Polizeiorchester  in voller Lava-Lava-Montur unter  Klängen von Südsee-Blasmusik zum Regierungsgebäude. Da haben wir sicher was versäumt! Aufgrund unserer enttäuschten Gesichter wurde ein höherer Beamter geholt, der sich entschuldigte und um Verständnis warb, er brauche derzeit alle Mann für die schier unerträglich gewordene  morgendliche Rushhour im Straßenverkehr. Sonst käme vielleicht noch jemand zu spät zur Arbeit oder in die Schule. Das wollten wir natürlich auch nicht verantworten. Aber ehrlich gesagt,   im Vergleich zu den Verkehrsstaus in Apia erscheint Grammatneusiedl ohnehin wie New York.

 

Lokalkolorit anderer Art konnten wir bei der „heißesten Show der Stadt“ – so die Plakate – miterleben. Nein, nicht Striptease, da sei in Samoa Gott vor -  es geht um Tänzer, die  mit brennenden Feuerringen unglaubliche Akrobatikkunststücke vollbringen. (Fotografieren leider wegen der raschen Bewegungen fast unmöglich). Zum Durchatmen gab’s dazwischen Südseetänze, bei denen klar wird, dass man sich auch mit einer gewissen Leibesfülle äußerst graziös bewegen kann.

 

Feuertanz ist übrigens eine internationale Sportart, mit Weltmeisterschaften und allem Drum und Dran. Und die Samoaner sind da ganz an der Spitze. Sie treten auf der ganzen Welt auf, sogar der 12jährige Sohn unseres Taxifahrers hatte bereits Engagements in Hawaii und Florida. Geheimnis des Erfolgs wie überall so auch in Samoa: Begabung, Ehrgeiz und tägliches Training.

 

 

Sightseeing in Apia

 

Heiß und schweißtreibend  war auch meine Besteigung des Mount Vaea, wo Louis Stevenson begraben liegt. Der schottische Verfasser der „Schatzinsel“ verbrachte aufgrund seiner Tuberkulose die letzten Lebensjahre in Samoa. Er war zwar damals schon berühmt und reich, die prächtige Villa, die  heute das Top-Sightseeing-Ziel in Apia ist,  war zu seiner Zeit aber wesentlich kleiner. Sie wurde nach dem  Tod des Autors als Regierungssitz  für die deutschen und später die neuseeländischen Gouverneure ausgebaut.

 

Ein wenig Kolonialgeschichte ist auch im Museum von Samoa zu sehen, allerdings nur anhand alter schwarz-weiß Fotos, die zwar sehr interessant sind, aber offenbar von einem Riesen aufgehängt wurden, denn ich hatte drei Tage lang ein steifes Genick vom verzweifelten Versuch, die Beschreibungen zu lesen.

 

Neben dem herrlichen Dom und dem deutschen Polizeigebäude  gibt es darüber hinaus  keine architektonischen Sehenswürdigkeiten mehr in Apia, die  Holzbauten  der Deutschen  haben weder den Stürmen noch den Erdbeben, aber auch den Holzwürmern nicht statt gehalten. Die Atmosphäre der Stadt lebt von ihrem Wohlfühl-Effekt, sie ist sicher und sauber, (fast) alles funktioniert und man hört nur freundliche Worte.

 

 

Leben zwischen Kirche und Chief

 

Das heutige Leben der Samoaner wird vor allem von zwei Faktoren bestimmt: Dem Christentum und den „Chiefs“. Fast jedes zweite Gebäude ist eine Kirche, von den Methodisten über die Katholiken bis zur evangelischen „Church of Samoa“ ist alles vertreten. Die Leute leben das Christentum auch wirklich im Alltag, die Kinder müssen sogar im Restaurant vor dem Essen beten. Kinder und Jugendliche machen überhaupt einen sehr braven und folgsamen Eindruck, ein großer Teil der Schulen gehört nämlich auch den Kirchen. Die englischen Missionare des  19.Jahrhunderts haben da ganze Arbeit geleistet.

 

Außerhalb der Stadt  bestimmen  neben der Religion noch die „matais“, das Alltagsleben. Das sind die Chiefs, die einer strengen Hierarchie unterlegen, beginnend bei den von den Mitgliedern selbst gewählten Oberhäuptern der Familienclans. Die besten unter ihnen werden Dorfchiefs, dann Bezirkschiefs und so geht es weiter bis zum Parlamentsabgeordneten. Wichtig für diese Karriere ist nicht nur, dass man tadellose Untertanen vorzeigen kann, sondern auch, dass man zumindest von den Knien bis zur Brust tätowiert ist. Wer da wohl den Lava Lava lüpft, um das zu kontrollieren?

 

Man sollte sich aber nicht darüber lustig machen, denn das System scheint zu funktionieren. Die Menschen machen keinen  geduckten oder unterwürfigen Eindruck, sondern treten selbstbewusst und sicher auf. Beeindruckend, denn groß und stark sind  sie ohnehin.

 

Familie ist alles

 

Allerdings darf in den Dörfern (die Stadt ist etwas liberaler) kaum eine  persönliche Entscheidung ohne den nächst höheren „matai“ getroffen werden, er hat auch bei Alltäglichem immer das letzte Wort. Lebt man aus irgendeinem Grund nicht gemeinsam mit allen Verwandten unter dem Schutz des Chiefs im großen Familienhaushalt, wird man schnell zum   verarmten Außenseiter. Ein Besuch bei der Schwägerin unseres Taxifahrers  hat uns gezeigt, was es heißt, allein in einer alten Hütte am Berg zu wohnen.

 

Optisch wirkt sich diese restriktive Gesellschaftsordnung  zumindest für den Touristen recht bunt aus. Eine Inselrundfahrt führt durch Dörfer, in denen sich pastellfarbene Kirchen und bunte „fales“ abwechseln. „Fales“ sind die traditionellen Häuser. Nur Boden und Dach, dazwischen einige Säulen, totale Transparenz. Bei den Wohnhäusern dienen sie heute eher als zusätzliche Terrasse, aber jeder Chief hat auch ein „Dienst-fale“ für Besprechungen und Versammlungen. Viele Chiefs, viele fales und je  höher gestellt der Chief, desto größer und edler das fale.

 

Als Samoaner lebt man also recht eng zwischen Autoritäten sowie geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen. Die sehnsüchtigen Blicke vieler Jüngeren in  Richtung Neuseeland sind daher nicht zu übersehen. Die Kiwis verlosen jährlich 40 Aufenthaltsbewilligungen. Es gehört also viel Geduld und Entschlossenheit dazu, wenn man sein Leben auf „westliche“ Beine stellen will. Und sich dort dann zu integrieren, ist sicher auch nicht einfach. Aber Arbeitsplätze mit regelmäßigem Einkommen sind in Samoa  rar, der Tourismus wächst als einziger Geschäftszweig. Es gibt  einige schöne Hotels und der Staat bemüht sich sehr um eine ausreichende Infrastruktur. Der wichtigste Trumpf aber ist die Liebenswürdigkeit der Menschen. „Thank you for visiting Samoa“ sagt einem fast jeder, mit dem man zu tun hat. Und man spürt, dass es auch wirklich von Herzen kommt.

 

 

Die einsame Insel mit dem komplizierten Namen

 

Die gleiche Freundlichkeit empfängt uns nach einem 26-Stunden-Törn in Niuatoputapu, einem abgelegenes Inselchen, das  bereits zu Tonga gehört. Man kann dort einklarieren und  wir wurden auch gleich von einem der wenigen Autos zum „Amtsgebäude“  mitgenommen. Alleine hätten wir es nie gefunden, drei kleine, unbeschilderte Häuschen weit abseits der Hauptstraße für Bank, Polizei und  Zoll. Die amtierende Dame vertritt Zoll und Immigration und fuhr mit uns zum kleinen Pier, wo noch eine junge Frau als Vertretung für Gesundheitsbehörde  und Quarantäne zu uns stieß.  Per Dinghi ging’s zum Boot und man schritt zur Amtshandlung. Mit den Ladies unterhielten wir uns bestens, schließlich waren wir heuer erst das 15. Boot in der Lagune, da ist jeder Segler noch eine interessante Abwechslung.  Dass Österreich nichts mit Australien zu tun hat, ist hier auch bekannt, denn  eine der beiden Damen war bereits in Österreich! Und zwar am Rückweg vom katholischen Weltjugendtreffen in Polen. Alles klar: Die Religion spielt in Tonga die gleiche Rolle wie in Samoa. Hier bimmeln sogar nachts die Kirchenglocken und reißen uns aus dem Schlaf.

 

Auch die Herzlichkeit setzt sich in Tonga fort. Erster Akt: Die Zollbeamtin musste uns mitteilen, dass auf der Insel leider die Internet-Simkarten ausgegangen sind und man nicht wisse, wann das nächste Schiff mit Nachschub käme. Als sie unsere Enttäuschung sieht leiht sie uns sofort eine ihrer privaten Simkarten und chauffiert uns zur Post zum Aufladen. Doch o weh, sie passt zwar ins I Pad, funktioniert dort aber nicht. Für’s I phone ist sie zu groß. Zweiter Akt: Sofort erklärt sich eine  anwesende Kundin bereit, ihre  passende Zweitkarte von daheim zu holen. Da sie 20 Minuten gebraucht hat, nehme ich nicht an, dass sie in der Nähe wohnt. Das Internet hat trotzdem nicht funktioniert, es mag hier offenbar keine Apple-Geräte. Dritter Akt: Die Dame vom Zoll bringt uns zurück zum Boot und bietet uns an, nach Büroschluss ihr Diensthandy vorbei zu bringen und es in der Früh vor der Arbeit wieder abzuholen, damit wir in der Nacht surfen können! Aber so Internetsüchtig sind wir dann doch wieder nicht. Der Vorschlag hat uns aber trotzdem sehr gerührt.

 

Diese positiven Gefühle haben vor allem deshalb gut getan, da die Yin Yang am Ankunftstag wieder einmal gebockt hatte. Als wir vor der Einfahrt in die Lagune das Vorsegel bergen wollten, bewegte sich am Vorstag nichts. Man hörte zwar den Elektromotor summen, aber keine Bewegung, nichts. Poldi  wusste zum Glück auswendig, wie man auf händisches Einrollen umbaut, was aber mit dem schlagenden Segel, den herumpeitschenden Schoten und dem im Wind hopsenden Boot  kein Vergnügen war. Eine eindeutige  Diagnose konnte er dann am Ankerplatz dann rasch  stellen – abgerissene Schrauben,  eingebaut von der Amel-Werkstatt in Martinique. Statt Inselrundgang also erst einmal  ein Tag  Arbeit, viel Fluchen und zweimal auf den Mast. Aber, wie sollte es beim Yin Yang Skipper auch anders sein, es hat geklappt.

 

Eine Inselrundfahrt gab es trotzdem noch – der Polizeichef hat fünf Kinder und bessert sich sein Beamtengehalt auf, indem er den Seglern mit seinem  4WD die Insel zeigt. Niuatoputapu liegt mehr als 300 km von der nächsten Insel mit Infrastruktur entfernt, 700 Tonganer leben hier und der Staat leistet sich für sie sogar eine High School, damit die Kinder bis 18 daheim leben können und nicht, wie  meist auf kleinen Inseln, ins Internat müssen. Wer aber seine Zukunft nicht in der Landwirtschaft sieht, muss  zur weiteren Ausbildung  in die Hauptstadt oder – wie könnte es auch  anders sein – nach Neuseeland.

 

Idylle und Tsunami

 

Das Bauernleben ist  hier auch nicht viel einträglicher als anderswo, aber, zumindest für den Besucher, äußerst idyllisch. Glückliche Schweinefamilien quieken überall und spielen am Strand. Bei Ebbe wird auch schon  einmal zwischen den Korallen nach Krabben geschnüffelt, schweinisches Meeresfrüchtebuffet sozusagen. Kühe und Ziegen grasen und mampfen, herablassend beäugt von vielen schönen Pferden. Reitpferde? Ja, aber nicht für das Wochenendhobby – man reitet hier noch zur Arbeit auf die Plantagen und zu den Feldern!

 

Alles ist gepflegt, die Rasenflächen getrimmt und die Blumenbeete gejätet. Die Häuser sehen alle gleich aus. Aus traurigem Anlass, denn 2009 sind alle drei Dörfer von einem Tsunami fast völlig zerstört worden. Es gab neun Tote, darunter auch Vater und Schwester des Polizeichefs. Mit den von Weltbank und Caritas finanzierten Fertigteilhäusern wurden   etwas höher gelegene neue Siedlungen gebaut. So verblasst der Horror ganz langsam, obwohl der Tsunami  immer noch in vielen Gesprächen präsent ist. Auch an schwere Stürme muss man sich hier gewöhnen, fast jedes Jahr zwischen Dezember und März. Man sieht, es gibt halt doch keine Paradiese!

 

Trotzdem ist den Leuten das Lachen nicht vergangen. Aus manchen Häusern dringt schallendes Gelächter und  ich dachte schon ein paarmal, das käme aus dem Fernseher – aber nein, die Leute sind wirklich gut aufgelegt und haben Spaß. In Samoa war man insgesamt etwas ernster und nachdenklicher.

 

 

Seglerzentrum Neiafu

 

Nach fünf Tagen Idylle und Natur  trieb uns die Neugierde weiter zu den Vava’u Inseln. 28 Stunden haben wir von unserem einsamen Inselchen dorthin gebraucht – erst mit gutem Wind, in den letzten 8 Stunden leider unter Motor. Wir wollten  aber unbedingt noch am Samstag nachmittag  ankommen, denn  Hille und Torsten – siehe Berichte aus Papeete und Samoa – sind auch hier vor Anker und hatten bereits einen Tisch beim besten Italiener der Stadt reserviert – und der war wirklich großartig. Dass wir gleichzeitig dort meinen Geburtstag feiern konnten, passte wunderbar.

 

Neiafu ist mit 3700 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Tongas und ein einzigartiger, fjordartiger Naturhafen mit vielen nahen  Ankerplätzen  rundherum.  Aus diesem Grund ist der Ort natürlich ein Hotspot für die Segler aus aller Welt mit Geschäften (klingt etwas hochtrabend, es handelt sich eher um die typischen finsteren Chinesenläden), Restaurants, Cafes und ausreichend  Simkarten.  Glückliche Ferkel laufen zwar auch ein paar  herum, aber von der Beschaulichkeit   unseres letzten Ankerplatzes müssen wir uns hier verabschieden. Und das Wetter lässt uns auch im Stich, grau in grau. Aber  angeblich folgt ja nach jedem  Regen wieder Sonnenschein.

 


 

Apia, Samoa, 4.8.2019                                                             Position:         13 49.6627 S   171 45.5660 W

 

Yin Yang auf dem Weg nach Hause

 

20 000 km – viel weiter weg von daheim könnten wir nicht sein. Am Weg hierher nach Samoa haben wir jenen Längengrad passiert, der auf der anderen Seite der Erdkugel durch Langenlebarn führt. Gleichzeitig  haben wir  auch die halbe Welt  hinter uns gebracht, es geht sozusagen heimwärts. Zumindest in diese Richtung.  Derzeit sind noch die zentralpazifischen Staaten unsere Basis. 

 

Wir sind Euch jetzt übrigens 12 Stunden voraus! Das Datum ist diesmal kein Irrtum, da wir  über die Datumsgrenze gesegelt sind. Ihr werdet es jetzt schwer haben, uns einzuholen!

 

 

Kein Käse und kein Drucker

 

Der Abschied von Französisch Polynesien ist etwas traurig über die Bühne gegangen, denn  erstens war uns bewusst, dass wir auf unserer Reise nie wieder französischen Käse bekommen würden und zweitens hat gerade am letzten Tag, als wir unsere Einklarierungspapiere für Cook  drucken, scannen und mailen hätten sollen,  unser Drucker  den Geist aufgegeben. Keinerlei Checks am Gerät und an den Kabeln und auch kein fluchen hat  geholfen. Schließlich haben wir einfach ein Formular für die Großschifffahrt ausgefüllt, das ließ sich direkt im Internet erledigen und sollte im Notfall unseren guten Willen zeigen.

 

Die Ausfahrt aus der Lagune von Maupiti war bei herrlichem Wetter weniger spektakulär als die Einfahrt  und bildete den Beginn einer viertägigen Reise nach Suwarrow mit regelmäßigem Wind, Sonnenschein und wunderbar  hellen Mondnächten. Da fühlt man sich auch bei der Nachtwache richtig wohl!

 

 

Bei den Robinsons von Cook

 

Suwarrow gehört  zu den nördlichen Cook-Inseln und ist ein unbewohntes Atoll. Berühmt ist es aber trotzdem, denn  von 1952 bis 1977 wohnte Tom Neale hier als eine  Art Einsiedler oder wie man heute sagen würde, Aussteiger. Er hat darüber ein Buch geschrieben und Suwarrow damit zu einer Popularität verholfen, die natürlich auch an den Yachties nicht vorbei gehen konnte.  Schon in  den Segelbüchern aus den „vor-GPS“-Zeiten wurde das Atoll ausführlich beschrieben und jetzt, wo man mit elektronischer Hilfe  die Einfahrt gut im Griff hat,  gehört der Stopp am Weg nach Samoa oder Tonga einfach dazu. Die Verwaltung der Cooks hat reagiert, das Atoll zum Nationalpark erklärt und zwei Ranger dort stationiert, damit eine gewisse Ordnung herrscht und man sicherstellen kann, dass die Yachten ihren Müll wieder mitnehmen und weder Speerfischen noch Langusten Sammeln gehen. Die Ranger, John und Harry, werden für die Saison  jeweils im Juni hingebracht und im Oktober wieder abgeholt, dazwischen gibt es weder Versorgung noch Transporte, auch im Krankheitsfall nicht. Einmal gab es sogar einen Todesfall – ein Mann  ist zusammengebrochen und es konnte ihm nicht mehr geholfen werden. Sein Grab findet man direkt hinter der Hütte der Ranger. Deren Unterkunft ist kaum besser als zu Neales Zeiten. Den beiden gefällt’s aber, man verdient  nicht schlecht, lernt Leute aus verschiedensten Ländern kennen und wenn man seltene Vögel, Haie, Mantas, Millionen Kokoskrabben und dichte Palmenwälder auch auf Dauer mag, ist es ein feiner Job. Die Einklarierungsformalitäten werden von den Rangern ebenfalls erledigt – auch wenn die Berge  ausgefüllter Zetteln erst im Herbst in der Hauptstadt landen. Nach dem  Formular, das wir einscannen hätten sollen, wurden wir übrigens nicht gefragt. Es gäbe ja  ohnehin  kein Internet auf Suwarrow.

 

Außer uns waren noch 12 andere Boote da,  vor allem viele mit Kindern an Bord. Für die ist das Atoll ein Paradies – die Ranger zeigen ihnen, wie man Kokosnüsse öffnet und erklären ihnen alles, was für ein Robinsonleben nötig ist. John und Harry sind von ihrem Vorgänger Neale übrigens nicht so begeistert. Dafür, dass man Frau und Kinder für immer verlässt, haben die Cook-Islander kein Verständnis und außerdem  muss der Mann irgendwas am Kerbholz  gehabt haben, wenn er einfach so verschwindet…….“Ist Ihre Meinung“

 

Wir sind nicht einfach so verschwunden, sondern haben uns nach 6 Tagen brav unsere Ausklarierungspapiere geholt.  Auf die Dauer wird es dann doch ein wenig fad dort, denn Suwarrow ist auch nicht anders als andere Atolle, aber eben berühmt.

 

 

Typisches Wetter im zentralen Pazifik

 

Gut ausgeruht nach einigen Tagen Nichtstuns (bzw fast nichts, denn es gibt immer etwas zu putzen und zu reparieren) konnten wir uns auf den Weg nach Samoa machen.  Die vier Tage waren keine Tour zum Chillen – das Wetter war, typisch für den Zentralpazifik, sehr wechselhaft. Ebenso der Wind. Kaum sind die Segel gesetzt, kommt er von der anderen Seite und ärgert den Kapitän. Grund sind die vielen  „Squalls“, in denen sich die Windstärke ganz plötzlich stark erhöht und  es zu gießen beginnt. Manchmal dauert das nur ein paar Minuten und dann ist das Wetter wieder so wie vorher. Was in diesem Fall aber  auch nichts Gutes hieß, denn die Wellen waren hoch und unangenehm und die Sonne ließ sich kaum blicken. Pechschwarze Nächte mit Blitzen rundherum (zum Glück nicht über uns)  ließen uns  in den Nachtwachen zu spannenden Krimis greifen, um Düsteres durch noch Düsteres zu vertreiben.

 

Überraschungen in der Marina Apia

 

Vier Tage Überfahrt   sind aber auch bei suboptimale Bedingungen auszuhalten und  die Freude war umso größer,  als die ersten Berge Samoas  am Horizont auftauchten. Noch besser war, dass wir im Gegensatz zu vielem, was wir im Internet gelesen hatten, direkt in die Marina fahren durften – Andere wurden offenbar zum Ankern angehalten, bis alle Behörden draußen in der Bucht  an Bord gewesen waren. Bei uns kamen die Beamten in der Marina aufs Schiff und waren  freundlich und fix.  Man sollte eben die negativen Erlebnisse anderer nicht so ernst nehmen, denn meistens  schreibt man ja vor allem dann etwas ins Internet, wenn man Unangenehmes erlebt hat.

 

Die Marina ist winzig – derzeit sind wir acht Boote – umso riesiger war die Überraschung, unsere Liegeplatznachbarn aus Papeete, Torsten und Hille (Poldis „Handverletzungs-Kontrollorin“) hier zu treffen. Groß  war die Freude und zahlreich waren die Biere, die wir zum Erfahrungsaustausch gebraucht haben. Wir wurden gleich in alle samoanischen Geheimnisse eingeweiht ( welcher Geldautomat nimmt unsere Bankomatkarten,  welches Internet ist das günstige, welcher Supermarkt am besten bestückt) und  „erbten“ auch gleich ihren Taxifahrer Tai und ihre Telefonkarte, da sie leider  zwei  Tage nach unserer Ankunft Richtung Tonga aufbrachen.  Ihr Wetter haben wir zum Glück nicht geerbt, denn sie hatten zwei Wochen hier bei strömendem Regen verbracht. Aber die zwei waren unermüdlich und gingen fast jeden Tag Golf spielen!  Erst am Tag unserer Ankunft kam die Sonne raus und das muss jetzt auch so bleiben!

 

Auf deutschen Spuren

 

Zu Samoa : Wir sind in der Republik Samoa, nicht in American Samoa (Haupstadt Pago Pago), das liegt gleich daneben, dort wohnen auch Samoaner, aber  die gehören zu den USA und sind auch amerikanische Staatsbürger. „Unser“  Samoa ist wesentlich größer (200 000 Einwohner) und war eine deutsche Kolonie, allerdings nur  19 Jahre lang, dann übernahmen die Neuseeländer und 1962 wurde Samoa als erste Südseekolonie selbständig. Wirtschaftlich  ist das Land trotzdem von Neuseeland sehr abhängig und es leben dort  fast so viele Samoaner wie hier auf den Inseln.

 

Apia heißt die Hauptstadt und an der Ordnung und Sauberkeit ist die kurze deutsche Vergangenheit noch immer zu erkennen. Leider nicht mehr an der Architektur. Wie auch in Papeete haben  diverse Zyklone und Erdbeben alles Alte vernichtet, zwei schöne Gebäude gibt es noch, die sollen (angeblich) renoviert werden. Hoffentlich! Der Zuckerbäckerstil der Kolonialzeit ist wirklich hübsch, obwohl man natürlich auch verstehen kann, dass die heutigen Regierungen  mit der Architektur dieser Zeit nicht mehr so viel zu tun haben wollen. Wunderschön ist allerdings die Kirche ‚zur unbefleckten Empfängnis‘  von 1857, die  beim Erdbeben von 2009 bis auf die Grundmauern zusammenbrach.  Innerhalb von fünf Jahren wurde sie komplett nach- und wieder aufgebaut. Es ist zwar nicht so ganz unser gewohnter Kirchen-Stil, aber innen ist alles schlicht, weit, groß und hell, einfach beeindruckend. Der Neubau/Nachbau wurde nur mit Spendengeldern finanziert. Das zeigt, welche Rolle die Religion hier spielt. Sogar das Café neben der Kirche heißt „zur unbefleckten Empfängnis“.

 

Das Land, wo Männer Röcke tragen

 

Sehr weit sind wir in die Kultur hier noch nicht eingedrungen, auch vom Land haben wir noch nichts gesehen. Das ist für die kommende Woche geplant. Zur Einführung  waren wir gestern in einer 3-stündigen Vorführung, die das Tourismusbüro viermal in der Woche gratis  im sogenannten „cultural village“ organisiert. In einem kleinen Park bekommt man gezeigt, wie und womit hier geschnitzt wird, wie früher aus Baumrinde Stoffe hergestellt wurden,  wie in Samoa tätowiert wird und wie man ein original Erdofen-Essen zubereitet. Das Gegarte durften wir dann gemeinsam verzehren. Während des Essens wurde  auch noch zu Südseeklängen für uns getanzt.  Klingt alles touristisch,  aber für Neulinge ist es ein guter Einstieg, denn zwischen den Stationen wird viel über Gebräuche und Geschichte erzählt.  Und wieder einmal habe ich dort gelernt, wie man Pareos am besten bindet.  Die heißen hier lavalava und werden in einfarbigen Varianten auch von den Männern getragen, und zwar im Alltag.  Wenn man das erste Mal zu einem Taxifahrer im Rock und mit Halskette einsteigt, ist man ein wenig irritiert, aber man gewöhnt sich rasch daran, denn die Verkäufer im Internetshop sehen auch nicht anders aus. Einen neuen Drucker haben wir übrigens auch gekauft. Bei einem Mann mit lavalava und Halskette. Moderne Technik schließt Tradition nicht aus!

 

Im nächsten Homepage-Update gibt es  weitere Erlebnisse aus dem Land der Röcke, dessen Einwohner übrigens sehr freundlich (an der Supermarktkasse wird man gefragt „ how  is your day?“), interessiert  und  gepflegt sind. Sie sind schön angezogen trotz enormen Übergewichts, gut frisiert und tragen Blüten im Haar. So wie es sich eben gehört in der Südsee!

 

 

Übrigens: Die Zahlen ganz oben rechts neben dem Datum sind die Koordinaten, wo wir uns gerade befinden. Wenn man sie in Google earth hineinkopiert kann man die Marina Apia genau identifizieren.

 


 

Maupiti, Französisch Polynesien, 15. 7. 2019

 

 

 

 

 

Grau in Grau sollten wir Französisch Polynesien doch nicht in Erinnerung behalten, deshalb besann sich Petrus und gönnte uns nun doch noch eine Reihe von sonnigen, türkisblauen Tagen, die uns mit den „Inseln unter dem Wind“ versöhnen sollten. Zu dieser Gruppe gehören Huahine, Raiatea, Tahaa, Bora Bora und Maupiti.

 

 

 

Zwei Super Maramus gegen den Super Maramu

 

Raiatea war unsere Zuflucht während der Maramu-Schlechtwettertage. Der Maramu ist ein im Sommer hier häufig auftretender, kalter Südwind. Dass er aber so hartnäckig ist wie diesmal und zudem auch noch so viel Regen mitbringt, ist  selten. Ein Super-Maramu sozusagen, der uns da erwischt hat.

 

Um etwas Unterhaltung in unsere „Abwartezeit“ an der Boje in Raiatea zu bringen, haben sich die Berliner Heinz, Barbara und Jan zu uns gesellt. Sie haben so wie wir eine Amel Super Maramu; zwei Super-Maramus also, die den Super-Maramu gemeinsam abwetterten. Tapfer umkreisten wir im Mietwagen die Insel und beschlossen, die Regenschauer einfach zu ignorieren. Belohnt wurden wir dafür mit einigen schönes Ausblicken, dem größten Marae-Kultplatz des Landes  (richtig geraten – er sieht auch nicht anders aus als die bisherigen) und einer exquisiten Konditorei in Uturoa. Der Ort besitzt überhaupt einwandfreies Shopping-Potential, sodass wir uns  schließlich auch in der unglücklichen  Maramu-Zeit ganz gut beschäftigen konnten.

 

 

Das legendäre Bora Bora

 

Die Schlechtwetterfront verabschiedete sich schließlich mit einem eindrucksvollen Regenbogen und blies sozusagen zum Aufbruch nach Tahaa, der nächsten Insel, die nur ein paar Kilometer weiter in derselben Lagune wie Raiatea liegt und für ihre Schnorchelplätze berühmt ist. Uns konnten sie nicht überzeugen, der berühmte Korallengarten war so seicht, dass man sich trotz heftigem Bauch-Einziehens aufkratzte. Auch die Sicht hatte sich vom  Maramu noch nicht erholt.

 

 Tahaa hätte sicher auch schöne Plätze für uns bereit gehalten, aber die Neugierde auf Bora Bora war einfach zu groß, sodass wir schon nach zwei Tagen die 40 Meilen Richtung Westen hinter uns brachten. Wir hatten nämlich viel Schlechtes über das berühmte Südseeparadies gehört – teuer, überfüllt und touristisch sei dort alles, wir wollten das einfach einmal in Wirklichkeit sehen. Und hatten Glück – es war anders. Offenbar muss wirklich jeder seine eigenen Erfahrungen machen; Erlebnisse sind individuell und lassen sich schlecht verallgemeinern. Teuer ist es in diesem Land sowieso, das wissen wir inzwischen nur zu gut und wer von überfüllt und touristisch spricht, hat die Karibik- und Mittelmeerstrände vergessen. Die großen Hotelketten haben zwar alle ihre Luxus-Bungalow-Dörfer auf dem Atoll, aber alles dezent, denn über Palmenhöhe darf nicht gebaut werden. Discos, Strandcafés und Bars sucht man vergeblich. Nein, halt – es gibt ja das berühmte „Bloody Mary’s“, wo bereits alle Berühmtheiten aus  Politik und Filmwelt zu Gast waren und deren Namen auf einer „Ehrentafel“ am Eingang eingraviert sind. Auch wir waren dort. Unsere Namen bleiben der Zukunft  allerdings statt auf der Teakholztafel nur auf dem Kreditkartenabschnitt erhalten. Aber es war trotzdem ein wunderbarer Abend: Gesellschaft perfekt, Essen perfekt. Gemeinsam mit den Berliner Amel-Kollegen genossen wir Ripperl und Papageienfisch mit Vanillesoße (sehr gut, schmeckt NICHT wie Pudding) und als Dessert Creme brulée. Da hab ich‘s in meiner Yin Yang-Küche wieder schwer, das Niveau einigermaßen zu erhalten.

 

Aber trotz aller kulinarischen Genüsse – das Besondere an Bora Bora ist die Landschaft. Die Lagune ist von Bergen umgeben und erinnert (zumindest mich) an einen Salzkammergut-See. Nur die Farben sind intensiver. Die satten Grüntöne der Wälder, die Türkisschattierungen des Wassers und das strahlende Weiß der (allerdings schmalen) Strände sind wohl auch der Grund für die legendäre Bekanntheit Bora Boras. Das Meer ist so klar, dass man bei sechs Metern Tiefe jedes Sandkorn einzeln sieht.

 

 

Ausklarieren aus Französisch Polynesien

 

Wieder einmal forderte uns der Blick auf den Wetterbericht zur Weiterfahrt auf, denn unser nächstes Ziel war Maupiti und dieses Atoll hat einen Pass, der nur unter ganz bestimmten Bedingungen befahrbar ist – zwischen 6 und 7 Uhr morgens, möglichst bei Ebbe und nicht bei Seegang und/oder Wind aus Süden oder Westen.

 

Dieses Wetterfenster glaubten wir für letzten Sonntag gefunden zu haben. Also schnell am Freitag zum Ausklarieren auf die Gendarmerie, denn in Maupiti kann man das nicht erledigen. Formulare, Formulare; der freundliche Beamte mailte alles nach Papeete und bestellte uns für Samstag früh zum Abholen der Ausreiseerlaubnis. Doch, wie das Leben so spielt, das Computersystem in der Hauptstadt hatte eine Panne und der Polizist stand mit leeren Händen da. Ihm war es sichtlich peinlich, denn am Tag vor dem französischen Nationalfeiertag dachten wir eher an eine Art verlängertes Wochenende der Behörde als an ein EDV-Gebrechen. Wir stellten uns auf einen weiteren Aufenthalt ein, ist ja schließlich nicht der schlechteste Platz der Welt, um zu warten.

 

Durch schäumende Brecher ins absolute Türkis

 

Doch, man glaubt es kaum, am Samstag Nachmittag rief  der Beamte mit der freudigen Mitteilung  an, die Papiere seien da, man habe in Tahiti extra eine Sonderschicht eingeschoben. Also zurück zum ursprünglichen Plan – um 02.00 Uhr aus den Federn damit wir um 06.00 Uhr am Pass vor Maupiti sein können. Ein heftiger Schauer um Mitternacht hätte uns schon fast wieder davon abgebracht, aber wenn uns Papeete schon so unterstützt, dann müssen wir wohl…… Also ausreichend Kaffee gemacht und auf geht’s. Der Wind passte großartig, der Regen verabschiedete sich und um 06.00 Uhr waren wir am Pass.  Doch was sehen wir?  Wind aus Südsüdost, Seegang aus Süden, vor uns nur Brausen, Grollen und schäumende Brecher. Brrrr, wir fahren erst einmal ein Weilchen im Kreis und überlegen.   Der Wettergott hat Einsehen mit uns, denn plötzlich   beginnt sich der Wind auf Ost zu drehen und der Seegang lässt nach. Großes Aufatmen. Wir müssen nicht auf Maupiti verzichten, auch wenn es schwankt und blubbert, wir können rein in die Lagune!

 

Hier ankern wir jetzt. Eine Art Minimundus-Bora Bora. Am Fuß des steilen Berges klebt ein 1000-Seelen-Dorf ; draußen ein paar Motus mit kleinen Pensionen und natürlich wieder dieses Wasser, das  alle Schattierungen von Türkis spielt!  Ich habe mir heute ein Fahrrad geliehen und bin die 10 km rund um die Insel gefahren. Alles sehr gepflegt und sauber, schöne Gärten, eine ruhige Atmosphäre und JEDER  grüßt einen auf der Straße. Im Norden ein herrlicher langer Sandstrand, auf dem immerhin zwei Touristen spazieren gingen.

 

Komisch war nur, dass mir der Radverleiher eingeschärft hatte, ich müsse das Rad am einzigen vorhandenen Bergabschnitt sowohl hinauf- als auch hinunter schieben, sonst würde die Kette rausspringen und/oder ich mich überschlagen. Gut, andere Länder, andere Fahrradsitten. Man kommt sich halt ein wenig komisch vor, wenn man bergab schiebt. Aber aufgrund der hiesigen Verkehrsverhältnisse hat mich ohnehin niemand gesehen. Überhaupt ist hier nicht viel los – zwei unsagbar kleine Greißler, ein Gasthaus, eine Post, Schule und zwei Kirchen. Vor dem Gemeindeamt ein Plätzchen mit vielen Bänken, wo sich alles abspielt und sogar Poldis Internet für den Laptop funktioniert. Das wollen wir gleich nützen und die Homepage updaten.

 

Gleichzeitig verabschieden wir uns bis Samoa. Wir wollen zwar als nächstes nach Suwarrow, aber das ist ein kleines, weit abgelegenes  Atoll der Cook Inseln, auf dem es sicher kein Internet gibt.

 

Jedenfalls haben wir uns gefreut, dass unser Abschied von Französisch Polynesien schließlich doch noch in allen Farben der Südsee schillert!

 

 


 

Summary French Polynesia March to July 2019-07-03

 

 

 

The Marquesas, the easternmost archipelago of French Polynesia is the classic target for sailors after the long passage from Panama or Ecuador. It is as well the starting point for  traveling  the islands of the Pacific. Same for us. 

 

We landed at the island of Hiva Oa. After the first few busy days (see last summary) Austrian friends of us arrived with their Catamaran and together we enjoyed the special atmosphere of the islands: friendly people who love music and sports, high, steep mountains, black beaches (which are not suitable for swimming), every  kind of fruit and a long and mystical history with interesting remains of cult sites and “tikis”, these are many  centuries-old figures of their gods. The 9000 inhabitants live quite isolated. Papeete, the capital, is 1000 miles away and flights are very expensive. That’s the reason why traditions still are very important in the society of the Marquesas. Dance and music is not a tourist show, it’s daily life and the art of rowing their long, narrow canoes seems to be something they are born with. Men are tall and strong with shoulders like giants, very impressive, the girls are tall too but a bit too massive at times! They combine in a great way the French style of life with their customs.

 

Next stop – after a two-day’s-trip:  The Tuamotus. The complete opposite of the Marquesas!  Blue Lagoons, surrounded by flat islands (“motus”) with palms and white sandy beaches, ideal for swimming and snorkeling. 

 

We thought we had deserved some vacation and spent a few Robinson-type weeks there. Side by side with the other Austrian couple we anchored on remote places, spoiling each other with great dinners that we enjoyed in our cockpits under perfect starry skies. What a treat! And even the weather was in our favour, which hasn’t been the case since.

 

Our batteries put an end to this lazy life. After six years of age they got weak and weaker which forced us to return to civilization and sail to Tahiti. When we prepared the boat for the three days’ crossing,  our tender fell on my poor husband’s right hand. At first it hurt a lot but nothing seemed to be broken and it looked quite normal. On the way though it got bigger and bigger and turned from red into blue. Wow where we glad to see the city! It sure was high time for hand and electricity when we finally plugged in at Papeete City Marina. A visit at the clinic confirmed that nothing was broken but there was a serious inflammation close to a septisamenia. With high doses of penicillin it got okay  after two weeks and we knew again how important it is to be careful if one is so far away from a good hospital.

 

Papeete is one of the most important commercial centers in the Pacific and there are a lot of (mostly Chinese) chandlers that sell batteries. But if you need eight pieces of a special type it’s not an easy task. The one’s we wanted were still on their way in a container from Korea and were supposed to arrive a few weeks later. It Must be a complicated life to have a business so far away from everything. The French who live here also confirm that it takes  quite a while until you get used to it and learn to wait, wait, wait…..

 

We learned it too and took advantage of our stay to repair and replace several things and to get to know the island of Tahiti. There is not really much to visit for sightseeing, it’s a landscape  with woods and high mountains with hardly any beaches and not many  tourists besides the sailors. It’s an island where people live their everyday life for themselves. Papeete is a lively city, a clean and safe place – like all French Polynesia – but all the old colonial buildings have been destroyed by former earthquakes, storms and fires. So it’s a featureless architecture, but the atmosphere is relaxed, nice cafés and bars and a lot of music everywhere.

 

Since I like  hiking everywhere I am I booked two  tours – never again in the tropics! Since it rains a lot the ground is totally muddy and on steeper parts you slide more than you walk. There are no marked hiking paths like we are used to. The guides do more or less their own routes. And there are no bridges. We had to cross that dumb river about 40 times – sometimes in water high up to the hips. That’s adventure!

 

Before we left Tahiti there was a little Austrian reunion in the marina. Three Austrian boats arrived, two of them old friends and one we had only known from the internet. We had a great time and a lot of beer together and even cooked Austrian food.

 

With eight new batteries and full of inquisitiveness for the coming destinations we finally left the capital in the middle of June to get to know the western islands up to Bora Bora. The first one, Huahine,  is only  a one-night’s trip away ( a 10 hour’s distance is not good for a day trip because one might arrive in the dark, it’s getting dark here around 6 p.m.).

 

The weather forecast looked ok but as we all know it’s not always reliable. Well, as soon as we left the lagoon it started pouring. While motoring through the pass the V-belt broke and when we set the sails outside in the open sea the wind speeded up to 30-40 knots. The waves shook us in all directions and I got seasick immediately though I usually don’t. Leo stayed as cool as ever and managed to calm the movements of the boat and even changed the belt as soon as the engine was cool. After a couple of hours I was back to normal too and we had a rough but safe and almost normal crossing. Our goal was  Fare on Huahine. We had been looking forward to the famous steaks at the yacht club there – but no way. There were so many boats, the anchorage was full and all the buoys were taken. So we moved on, motoring in the buoyed channel of the lagoon towards another anchorage-hotspot which was supposed to be especially beautiful. But we never got there. Already in sight of the place the oil pressure indicator started flashing.

 

Yes, the oil was gone, in the bilge instead of the engine. Well, we had to go back to town because we knew there was a quay, not for sailors though but in case of emergency… ..Luckily the wind was moderate. We sailed back in the narrow channel and my gifted skipper docked the boat under sails as if it would be a normal procedure.

 

The men working on the pier were friendly and took the lines but they all were sure that nobody could fix an engine on Huahine.  Leo had to do it himself which is the best solution anyway because he knows his own Perkins better than anyone else. And gladly we have any kind of tools. He found out that the oil leak had to do with the V-belt. The belt, bought and installed in Panama, was a bit too tight and slowly moved the alternator to close to the oil pipe of the turbo charger until it broke. This went so slow that in spite of all those engine checks it was not visible.

 

We ordered new V-belts (by plane from Tahiti!) and spent the day we had to wait for them on a very interesting island tour with a French guide. It had been raining since we arrived so we didn’t care anymore  that museums, cult sites and viewpoints  disappeared in fog and clouds but  the incredible thing was that the guide started on a  (“little” she promised) hiking tour with us. Luckily she didn’t find her way anymore pretty soon and we could turn around. Over and over full of mud - yes I promise this was the LAST time. Next hike will be at home!

 

The forecast still showed rain but for the week to come also a lot of wind  high waves. We looked in our books and downloads to find a place where we could hide during these uncomfortable days and finally decided to go to the next island, Raiatea, which has two marinas. 

 

Three hours before we had planned to leave (right after the plane with the belts should have arrived) some French marines showed up on the quay and told us  very politely that a big French warship was coming, needing our space on the pier. In this very moment it already turned around the corner and we almost had a heart attack –so big and  how could we suddenly disappear? But the marines were really nice, the warship sent a small motorboat to their colleagues on land and they moved us to another place with the marine tender  pushing and the  soldiers pulling our lines. That was quite an adventure!

 

As soon as the belts were there we left for Raiatea (two hours) and that’s where we are now. Both marinas are full but we came early enough to get a secure buoy outside of one of the marinas, a short ride to the dinghy dock with easy landing. We were right on time : As soon as we fixed the lines on our buoy there were boats from all directions approaching to look for a safe place to spend the windy days.

 

This kind of wind is called “Maramu” and it is common in June  but usually it’s not combined with so much rain. It should be dry now, just cooled down by the Maramu. The people here like the weather because they have sweated enough during  the hot and wet season.

 

We are really ready though for some quiet and sunny days swimming and snorkeling between corals in turquoise water and plan to stay around the islands for a couple more weeks before we leave French Polynesia. It’s a beautiful, well kept and safe country with very friendly people, no matter if Polynesian or French. (Or Chinese, because at least 10 % are Chinese)  But we didn’t expect the weather to be so unstable. And we never thought that it would be so crowded with sailors. Of course we knew that we wouldn’t be  the only one’s down here but finding an anchorage or a buoy here is worse than looking for a parking sport in downtown Vienna! And the prices are awfully high. 20 USD for 2 gigabites of internet, 30 USD per night for a buoy, at least 20 USD for a bottle of wine in the supermarket and if you look at real estate prices in the paper you  wonder how people get along.

 

Fiji will be the final destination for this season. We go there either via Tonga or Samoa, depending upon wind conditions. In Fiji we will leave Yin Yang and go home around September/October during cyclone season until April. The boat will stay in a so called “cyclone pit” at Vuda Point marina. They dig the keels of the boats  in the ground so that they cannot fall over in  case of a storm. Sounds funny but has proved to be very efficient.

 

Cross your fingers that we get some nice weather during  the summer months! At home it is hot and dry and in the South Pacific cool and rainy – how grotesque. But we are safe and healthy that’s the most important thing!

 

I hope this summary is helpful for you when you look at the pictures we added to our articles in German language.

 

 

Raiatea, Französisch Polyniesien, 30.6. 2019

 

Sturmfahrt ins Paradies

 

Batterien pünktlich geliefert, eingekauft, Hand geheilt, Freunde getroffen – nach fünf Wochen Marina wurde es Zeit für Segelurlaub abseits der Stadt. Schwimmen, Schnorcheln, im Sonnenschein bei gutem Wind von Insel zu Insel bummeln. Dachten wir. Aber häufig kommt es ja anders als man denkt. Denn dass  wir  von der Südsee aus einmal sehnsüchtig den Wetterbericht von Österreich lesen würden, hätten wir uns nie vorgestellt. Doch des einen Leid  des anderen Freud. Die „Tahiti Dépeche“ titelte vorgestern: „ Endlich ist die kühle Jahreszeit da. Die Geschäfte in Papeete verkaufen so viel warme Kleidung wie noch nie!“ Gut, es sei ihnen vergönnt. Aber außer kühl sollte es im Sommer hier auch sonnig und trocken sein. Davon merken wir im Moment nicht viel.

 

 

 

Abschied  von Tahiti

 

Unsere letzte Woche in Tahiti stand ganz im Zeichen österreichischer Segler. Die Delegation konnte sich sehen lassen: Als erste trafen  Brigitte und Ferry aus Eichgraben nach neun harten Segeltagen von Gambier aus kommend in der Marina ein. (www.alrisha.at). Kein Zufall – wie bereits auf ihrer Homepage angekündigt,  hatten die beiden Batterien bestellt, die mit demselben Container wie unsere am 5. Juni in Papeete eintreffen sollten. Wie sich manchmal die Schicksale gleichen! Entsprechend solidarisch haben wir sie empfangen. Liegeplatz neben uns, der berühmte Sightseeing-Rundgang zum Baumarkt, zu den einschlägigen Hardware-Chinesen und natürlich zu unserem Lieblingslokal, den „drei Brauern“. Dafür wurden wir von Ferry bekocht wie die Könige – einmal  griechischer Abend mit zarten Lammkoteletts, einmal Heimatabend mit Schweinsbraten &Co.

 

Als nächstes gab es ein Wiedersehen mit den Steirern Heidi und Gerald, die wir auf den Kapverden kennen gelernt  aber leider seit der Karibik nicht mehr getroffen haben. Nach vielen Mails und Whats-Apps haben sich unsere Wege hier endlich wieder einmal gekreuzt. Und als wir gerade zu sechst gemütlich beim Pfingstsamstag-Kaffee (an dieser Stelle  kann ich es endlich los werden:  Wir haben seit Neuestem eine Nespresso-Maschine!)  in unserem Cockpit saßen, fuhr gerade unser fast-Nachbar Martin aus Tulln  in die Marina, um die Gruppe „westlicher Wienerwald“ zu verstärken.

 

 Trotz dieser heimatlichen Idylle verließen wir als erste  die Marina, froh, dass wir nun im Gegensatz zu den später Eingetroffenen keine technischen Probleme mehr abzuhaken hatten. Das dachten wir jedenfalls damals – aber davon später!

 

Wir verbrachten noch zwei gemütliche Tratschtage mit Heidi und Gerald vor der Marina Taina westlich der Stadt, wo hunderte Boote ankern, um hier diverse Reparatur- und Servicearbeiten zu erledigen. Papeete ist für tausende Meilen Entfernung der einzige Platz, an dem man auf entsprechendes Warenangebot  (Geduld gefragt) und Know how (hhhmmmm… auch Geduld gefragt) bauen kann.

 

 

Auf zu den Inseln!

 

Moorea, die Nachbarinsel, war unser erstes Ziel, nur ein paar Stunden entfernt, zum Wiedereingewöhnen  ins Leben auf See. Es sollte da einen herrlichen  Ankerplatz zwischen den Korallen geben, ideal zum Schwimmen. An Land locken eine alte Kirche und ein tolles Restaurant. Dieser Traum war aber bald ausgeträumt – alles voll, unmöglich, sich irgendwo auch nur halbwegs sicher  mit dem Anker dazwischen klemmen zu können. Also weiter in die Bucht daneben. Plötzlich waren wir ganz alleine. Zwar mit tiefem grünen statt mit seichtem türkisen Wasser, aber die steil aufragenden Berge und die entsprechende abendliche Vollmond-Kulisse entschädigten uns für das Lagunenidyll. Tags darauf marschierte ich auf den berühmten Aussichtspunkt „Belvedere“, von dem ich mir herrliche Fotos erwartet hatte. Blauer Himmel, Nordhang, am späten Vormittag die Sonne im Rücken… Ha, falsch geplant – hier in der Südhälfte ist ja alles umgekehrt. Also Sonne von vorne und alles diesig. Aber immerhin, fürs Wandern war dieser Tag noch ein Glücksgriff, denn die Sonne sollten wir seither nicht mehr sehr oft zu Gesicht bekommen, wir mussten uns an schwarze Regenwolken gewöhnen. Während ich wandern war hat Poldi unseren Außenbordmotor repariert.

 

 

Mag uns Huahine nicht?

 

Trotzdem ging’s  weiter nach Huahine, der ersten der „Inseln unter dem Wind“. Der Wind passte laut Gribfiles recht gut. Und falls es regnen sollte, sind wir ja schließlich nicht aus Zucker. Zwölf Stunden, eine Nachtfahrt (damit es bei der Ankunft hell ist), das ist ja auch kein langer Törn. Also positives Denken. Damit lässt sich aber die Realität leider nicht immer beeinflussen. Kaum waren wir durchs Riff, begann es zu schütten, der  Wind frischte auf 35 Knoten auf mit Böen bis 48 kts und die Wellen schüttelten uns in alle Richtungen. Mir wurde sofort schlecht – das erste Mal seit zwei Jahren – Poldi aber, gegen jeden Unbill der Seefahrt resistent, reagierte cool – auch auf das Signal des gerissenen Keilriemens als wir gerade durch den Pass fuhren. Er  schaltete den Motor ab, baumte die Genua aus und  korrigierte den Kurs ein wenig, so kam mehr Ruhe ins Schiff. Sobald der Motor abgekühlt war, tauschte er den Keilriemen und musste dann auch noch den Wassergenerator herausheben, der wieder einmal mit etwas kollidiert ist und nun den Dienst verweigerte.

 

Gegen Mitternacht war auch ich wieder in der Lage, Wache zu gehen und den Skipper ins Bett zu schicken.  Wo er natürlich auch kein Auge zutat und  mich am frühen Morgen ablöste. Auf der Saloncouch dösend  hörte ich bald „Land in Sicht“ und vor meinem geistigen Auge tauchte das Bojenfeld vor Fare auf und trotz noch leicht vorhandener Seekrankheit auch die berühmten Steaks, die es dort im Yachtklub geben soll. Doch das Bojenfeld, seufz, war voll, auch der Ankerplatz in der Mitte der Bucht. Wir verabschiedeten uns vom Gedanken an die Steaks  und schlugen den Weg ein in das gut betonnte Fahrwasser Richtung Süden, dort unten am Inselende solle es ein tolles Plätzchen vor einem Hotel geben, das alle kulinarischen und optischen Seglerwünsche erfülle. Inzwischen begann es aber wieder zu schütten, man sah die Hand vor den Augen nicht mehr und wir bogen in die nächste Bucht ein. Eine Oase des Friedens, kein anderes Boot, kein Dorf, Wald bis zum Ufer, der Anker hielt sofort. Zwei Tage genossen wir die Ruhe, ließen den Regen regnen, lasen und schliefen. Poldi beschäftigte sich mit dem widerspenstigen Wassergenerator und ich kochte ausgiebig. Dann ein Sonnenstrahl – uns stach der Hafer, wir wollten zu diesem Hotel. Es war Freitag und sonntags gibt es dort  ein tolles Buffet . Also wieder raus ins Fahrwasser (innerhalb des Riffs  immer unter Motor), weit ist es ja nicht und nach einer halben Stunde sahen wir auch schon den Ankerplatz am Horizont.

 

Sonntagsbuffet gestrichen

 

 Plötzlich ein schriller Ton – der Alptraum schlechthin – die Öldruck-Kontrolllampe leuchtet auf. Schnell den Anker am Rand der Fahrrinne ins Wasser und Check – ja, das ganze Öl war ausgelaufen, befand sich in der Bilge statt im Motor. Eines war klar: Wir mussten zurück in den Ort, nach Fare. Dort gibt es einen Kai, der zwar nicht für Yachten gedacht ist,  wo man uns aber  in unserer misslichen Lage vielleicht anlegen lässt. Aber wie hinkommen? Geht wohl nur unter Segel. Im schmalen Fahrwasser der Lagune. Wie früher in Ottenstein, zick-zack-zick-zack, Wende, Wende, Wende. Und dann unter Segel anlegen. Hmm… eine Herausforderung. Aber die Yin Yang hat schließlich einen tollen Skipper und der Wind war uns wohl gesonnen – wir schafften es und legten bei leichter Brise am Kai an, als ob es das Natürlichste auf der Welt wäre. Kaum richtig festgemacht, erfuhren wir, dass genau an dieser Stelle ein paar Stunden später ein großes Versorgungsschiff anlegen würde. Weiter vorne wäre mehr Platz. Inzwischen hatten sich schon einige Männer versammelt, die uns dann tatsächlich mit Leinen und Muskelkraft (während Poldi mit dem Bugstrahlruder lenkte) auf den besseren Liegeplatz zogen. Alle Zuschauer und Beteiligten, einschließlich zweier neugieriger Polizisten, bedauerten uns zwar, waren sich aber einig, dass wir in Huahine sicher keinen Mechaniker finden würden, der uns helfen könnte. Also selbst ist wieder einmal der Mann und Poldi begab sich auf Fehlersuche. Die Lage war rasch klar. Der gerissene Keilriemen, in Panama gekauft und montiert, war ein ganz kleines bisschen zu knapp gewesen und drückte die Lichtmaschine zu nah an die Ölleitung des Turboladers, bis sie nach vielen Motorstunden schließlich nachgab und brach.

 

Inselrundfahrt

 

Da technische Gebrechen immer an einem Freitag passieren und man am Wochenende weder Ersatzteile noch Mechanikerkontakte bekommt, buchten wir für Samstag kurzerhand eine Inselrundfahrt, um uns auf andere Gedanken zu bringen. Dass das Wetter nicht besonders war und die Sicht von den „Viewpoints“ daher bescheiden, hatten wir einkalkuliert. Der Besuch einer Vanillefarm, eines Marae (Kultplatz, der xxxte in Polynesien, leider schauen sie alle gleich aus), eines wunderschönen Museums und die interessanten Erklärungen der französischen Führerin machten den Ausfug aber zu einem angenehmen Erlebnis. Besonders witzig fanden wir die „heiligen Aale“, die wechselweise im Fluss und im Meer leben, blaue Augen haben und viel größer und dicker sind als unsere Aale. Seit Menschengedenken sind sie heilig – warum, weiß niemand mehr. Sie werden an  einer bestimmten Stelle im Fluss gefüttert und gehätschelt und lassen sich von den Kindern aus dem Wasser heben und streicheln. Ein Fixpunkt fürs Sightseeing, denn die gebirgige,  waldreiche und verschlafene Insel hat sonst nicht sehr viel zu bieten, was wohl auch ihren Reiz ausmacht. Einen einzigen Punkt hätte man sich bei der Rundfahrt allerdings sparen können – die Wanderung auf einen Aussichtsberg. Unter normalen Umständen wahrscheinlich sehr nett, ich wandere ja immer gerne, aber nach einer längeren Regenphase eine einzige Rutschpartie. Die Führerin, in Flip-Flops, fand zum Glück relativ rasch  den Weg selbst nicht mehr und wir konnten umdrehen, von oben bis unten mit Matschspritzern und Mückenstichen übersät. Vom Wandern in tropischen Gefilden bin ich jedenfalls geheilt. Das mache ich höchstens noch nach langen Trockenperioden.

 

Im Zentrum von Fare

 

Unser Liegeplatz  an der Pier von Fare (2500 Einwohner) hatte ein besonderes Flair, wir waren sozusagen im Zentrum des Geschehens. Am Kai werden die Waren für die und von den Versorgungsschiffen gestapelt, der Supermarkt, der kleine Obstmarkt, die Bank und die Tankstelle befinden sich hier. Abends kommen die für Polynesien so typischen „Roulottes“, die fahrenden Ess-Stände. Wie praktisch. Vor allem, da man bei dem vorherrschenden Regenwetter  kurze Wege zu schätzen weiß. Das Bild, wie ich mich bei starkem Wind und quer daherfliegendem Regen im Dunkeln (hier wird es gegen 18 Uhr finster) die paar hundert Meter zum Pizzawagen quäle, werde ich ewig als Südseebild in Erinnerung behalten. Etwas atypisch halt. Aber die Pizza war ausgezeichnet.  

 

Auch viele Einwohner beschaffen sich am Kai ihr  Abendessen. Es wird gefischt. Geduldig warten die männlichen und auch weiblichen Fischer, bis ein paar kleine Fische anbeißen. Nicht nur aufgrund der Beharrlichkeit, die die „Sportfischer“ ja weltweit auszeichnet, sondern aufgrund der Notwendigkeit, sich mit Essen zu versorgen. So erklärte uns ein Einheimischer die Situation: Huahine lebt fast nur von Landwirtschaft (Vanille- und Koprapreise im Abwind) und Fischfang (die Chinesen und Japaner fischen auch hier schön langsam alles leer). Die Arbeitslosenquote ist daher hoch. Also harrt man auch in der Nacht bei strömendem Regen bei Angel und Kübel aus, um sich nicht ausschließlich von den  staatlich gestützten Lebensmitteln, also Schinken, Weißbrot und Nutella, ernähren zu müssen. Für uns ein komisches Gefühl: Die Fischer standen direkt neben der Yin Yang, sozusagen nur durch die Bootswand von unserem Bett getrennt. Auch die Spaziergänger, sowohl bummelnde Teenager als auch andere Segler und  vereinzelte Touristen machten bei unserem Cockpit halt. Ich hatte mir schon überlegt, einen  Ausschank zu eröffnen, während Poldi stundenlang im Motorraum zugange war. Mit Erfolg allerdings:  Er konnte die Ölleitung reparieren, auch wenn eine neue „Olive“ für die Rohrverpressung  in Fare nicht zu bekommen war. Ein schließlich doch noch gefundener, neuseeländischer Mechaniker reinigte die Lichtmaschine und beschaffte uns neue, passende Keilriemen. Per Flugzeug aus Tahiti! Der Preis war in Ordnung und seine kompetenten Tipps konnten den Ruf der Kiwis, der durch den Rigger in Panama so gelitten hatte, wieder rehabilitieren.

 

 

 

Das Kriegsschiff und die Yin Yang

 

Schaut nach „Ende gut-alles-gut“ aus. Stimmt auch fast. In  letzter Sekunde jedoch noch ein Schock: Die eingeflogenen Keilriemen sollten zu Mittag ankommen, aber um 10 Uhr standen plötzlich einige Soldaten und –innen der französischen Marine vor unserem Cockpit und zeigten freundlich in die Lagune, wo ein riesiges Kriegsschiff im Anmarsch war, das auf unseren Liegeplatz musste. Oh Schreck. Wir versuchten es erst mit dem Argument der Manövrierunfähigkeit- was zu diesem Zeitpunkt eh nicht mehr ganz stimmte – und nahmen dann den Vorschlag an, die Marine würde uns an einen anderen Platz ziehen. Gesagt, getan. Es wurde heftig mit dem Kapitän des Kriegsschiffes gefunkt, der schließlich  ein tolles Schlauchboot herunterließ. Damit bugsierte uns eine Soldatin an einen anderen Platz, während die Herren in bewährter Weise an den Leinen zogen. Ich weiß, ich hätte das fotografieren sollen, aber es war mir einfach peinlich, wie eine Touristin Erinnerungsfotos zu schießen, während die Marine sich abmüht, uns aus der Verlegenheit zu helfen.

 

 

Rückzugsort Raiatea

 

Motorschaden, auf Tuchfühlung mit einer der größten Militärmächte der Welt – das reichte fürs Erste als Abenteuer, die nächste Insel war angesagt. Eigentlich wollten wir direkt nach Tahaa zu den berühmten Korallengärten und das dazwischen liegende Raiatea auslassen, aber – nichts Neues -der Wetterbericht machte uns  einen Strich durch die Rechnung. Wieder einmal sind bis über 30 Knoten  für diese Woche angesagt, dazu immer wieder Regenschauer. Bei 30 Knoten liegen wir gerne an einer guten Boje oder ankern in einer geschützten Bucht. Mit dem Ankern ist das bei diesen Inseln aber so eine Sache. Es gibt Ankerplätze mit normaler Tiefe, die liegen meistens an den schönen, türkisen  Schnorchelplätzen zwischen den Korallen. Herrlich, aber bei 30 Knoten nicht zu gebrauchen. Man könnte eigentlich in fast jeder Bucht ankern, aber das Wasser ist bis zum Ufer hin bis zu 30 Meter tief, da müsste man sehr viel Kette stecken und viel Platz um sich haben. Wenn sich dann andere Boote dazu gesellen, gibt es mit Sicherheit Ankersalat. Das wünscht man sich bei viel Wind nicht, also studierten wir alle Bojenfelder der Umgebung und entschlossen uns, es in Raiatea vor der Marina Apoiiti zu versuchen. Einen Platz in der Marina zu bekommen, ist unmöglich, denn hier ist der größte Charterstützpunkt Französisch Polynesiens. Aber wir konnten gerade noch eine Boje (33€ pro Nacht, man gewöhnt sich an alles) ergattern, bevor der Ansturm der anderen „Schutzsuchenden“ begann. So liegen wir hier recht angenehm und warten, dass das Tief bald vorbei zieht. Eine gute Gelegenheit, Aufgeschobenes zu erledigen. Die Homepage muss aktualisiert werden, denn wir können das Internet der Marina um schlappe 35 € für 12 Stunden nutzen. Putztechnisch habe ich auch Einiges nachzuholen und der Skipper hat ohnehin ständig Optimierungsprojekte in Arbeit. Wenn wir das alles brav erledigt haben, werden wir uns an Land umsehen. Aber Eines ist sicher: Wandern werden wird nicht gehen..

 

Und bitte: Beansprucht in den kommenden Wochen die Sonne nicht alleine für Euch in Österreich, wir hätten auch gerne ein bisschen was davon!

 


 

Papeete, Tahiti, Französisch Polynesien,3.6.2019

 

 

Wie beschäftigt man sich, wenn man auf Tahiti drei Wochen nichts zu tun hat? Faul am Strand liegen,  von einer Terrasse am Meeresufer aus den Sonnenuntergang bewundern? Neben Südseeschönheiten an der Bar exotische Cocktails schlürfen? Weit gefehlt!  Denn: Strände gibt es kaum, nur ein paar  ganz kleine Streifen mit schwarzem Gestein, Terrassen am Meeresufer fehlen, denn der Polynesier isst lieber mitten in der Stadt, die Cocktails sind gut, aber sehr teuer und die Südseeschönheiten  beiderlei Geschlechts sind etwas zu üppig. Aber klagen können wir trotzdem nicht, die Wartezeit vergeht wie im Flug.

 

Sightseeing für Segler und das arme Pfötchen

 

Begonnen haben wir mit der typischen Segler-Sightseeing-Tour: Sämtliche Batterieläden, Nautikgeschäfte, Eisenwarenhandlungen und Aluschweissereien wurden  abgeklappert. Da lacht das Herz von Sin Tung Hing! Dem gehört nämlich hier fast alles. Beim Zoll wurde der Schein zum duty free Tanken abgeholt und natürlich mussten wir das Muttertagsangebot des Baumarktes „Hyper Brico“ ausnützen: 20 Prozent auf alles am Muttertag – das ist doch wirklich eine Promotion im Sinne der Emanzipation!   Eine Poliermaschine und eine neue Platte für den Cockpittisch fanden ihren Weg in unseren Einkaufswagen. Was natürlich zur Folge hatte, dass der Skipper, der von allen Seiten beschwört wurde, seine Hand zu schonen, die vergilbten „Windschutzscheiben“ wieder klar polierte  und den alten Campingtisch des Vorbesitzers  in ein Schmuckstück verwandelte. Die Hand hat ihm dabei nicht weh getan, so die subjektive Beurteilung des unfolgsamen Patienten. Unser Liegeplatz ist ohnehin ideal für Verletzte: eine deutsche Apothekerin auf der einen und eine französische Ärztin auf der anderen Seite lassen sich täglich das Pfötchen zeigen. Meist runzeln sie dann die Stirn. Leider sind sie heute beide abgereist, nicht ohne Tipps und Tricks zu hinterlassen, aber jedenfalls gibt es keine Kontrolle mehr und die Vorbereitungen für die neuen Batterien können in die Endphase treten. Da diese nun nicht mehr im Motorraum sondern unter der „Lotsenkoje“ daheim sein werden, müssen viele Kabel neu – und umverlegt werden, zum Glück keine Arbeit, die mit viel Gewicht verbunden ist. Die Hand sagt nicht viel dazu, aber ich würde meinen, sie ist insgesamt erst bei 75% Heilung angelangt, obwohl ihr Besitzer versichert, sie täte beim Arbeiten nicht weh. Hin und wieder verschwindet allerdings eine Schmerztablette aus dem Päckchen. Aber die könnte natürlich auch für die Schulter sein…..

 

 

 

 

 

 

 

Auf der Suche nach den Highlights

 

Über all die Werklerei hätten wir aufs „richtige“ Sightseeing fast vergessen, wenn nicht Hans und Eva, nachdem ihre „Tangaroa“ in den Tuamotus aufs Trockendock gelegt wurde, auf Ihrem Heimflug Station in Papeete gemacht hätten. Sie hatten drei Tage Zeit und einen Mietwagen. Der erste Tag wurde mit Seglersightseeing verbracht – siehe oben – am zweiten war Inselrundfahrt angesagt, schön brav mit Reiseführer, Punkt für Punkt rund um die Insel, (quer geht nichts, es ist viel zu gebirgig). Leuchtturm am Cap Venus, dort hat James Cook seinerzeit den Venusdurchgang beobachtet, dann eine Art Geysir durch den die Meeresbrandung schwappen soll (tat sie nicht), Besuch der kleinen Marina in einer Bucht zur Halbinsel Tahiti Iti, Mittagessen, eine schöne Teich- und Gartenanlage, Grotten (von denen Poldi behauptet, sogar die Graslhöhle in Maria Dreieichen habe ihn mehr beindruckt) und schon waren wir rundherum.

 

Und am dritten Tag? Torsten und Hille von der „Infinity“ werden befragt, die sind immerhin schon alte Hasen in Polynesien. Hmmm… Wasserfälle……Na ja, das ist für Österreicher nicht gerade etwas Neues. Einige alte Kultplätze, da sieht man aber nur ein paar Steine….. nein, in dieser Hinsicht sind die Marquesas ohnehin nicht zu toppen…. Also schließlich ein Besuch im Tourismusbüro. Aber dort auch nichts Neues. Das Gaughin Museum ist seit Jahren geschlossen, beim großen Polynesien-Museum, das uns sehr interessiert hätte (echt) ist die Haupt-sammlung derzeit wegen Umbaus gesperrt. Also entschieden wir uns fürs Perlenmuseum, das ist zwar ein Thema, das uns alle vier normalerweise nicht begeistert, aber in dieser kulturellen Notlage fanden wir es eigentlich recht aufschlussreich. Der anschließende Besuch beim guten Italiener nebenan darf sicher auch noch unter Kultur gezählt werden und hat den Tag schön abgeschlossen.

 

Die Stadt Papeete selbst gibt für Sightseeingfans  nicht viel her. Im ersten(!) Weltkrieg schwer getroffen, dreimal abgebrannt und einmal von einem Zyklon zerstört, ist von der – auf alten Bildern zu sehenden – Kolonialarchitektur nichts mehr übrig geblieben. Die Regierungsgebäude sind in altem Stil recht nett wieder aufgebaut. Da aber der letzte große Brand erst 1970   stattfand, stammen die meisten Geschäftshäuser aus den 70igern und sind inzwischen  vom tropischen Klima schon  recht mitgenommen. Die Stadt selbst hat nur 25 000 Einwohner, denn die meisten Leute wohnen auf den Hügeln in den Vororten, deren Apartmentblocks mit Fernblick und Pool recht einladend aussehen. Wirklich schön ist der Park, der dem Meer entlang angelegt wurde und an dessen Ende die Marina liegt. Tahiti ist trotz seiner eindrucksvollen, wilden und waldreichen Gebirgslandschaft also keine Touristeninsel, hier arbeiten die Leute und leben ihren normalen Alltag. Am Strand liegen haben wir hier noch Niemanden gesehen. Hin und wieder kommt ein Kreuzfahrtschiff vorbei aber sonst bestehen die  Touristen nur aus Seglern und aus Verwandtschaftsbesuchen der viel beneideten Franzosen, die  für ein paar Jahre einen Arbeitsplatz hier ergattern konnten um sich einmal so richtig aufzuwärmen.

 

 

Wandern auf polynesisch

 

Hohe Berge, tiefer Wald, da muss man doch auch wandern können? Das dachte ich mir auch, stellte aber bald fest, dass nur zwei halbwegs markierte Wege existieren, die aber für mich ohne Auto nicht erreichbar sind. Es gibt aber zwei Agenturen, die am Wochenende Wanderungen anbieten und dort konnte ich jeweils einen Platz ergattern, noch dazu mit Mitfahrgelegenheit zum Sammelpunkt. Die erste Tour führte laut Beschreibung in ein „liebliches Tal“ mit kurzen Bergaufstrecken und einem Bächlein mit Wasserfällen. Gerade recht. Als der Bergführer aber schon im Auto über meine schönen alpenerprobten Bergschuhe den Kopf schüttelte und mir Plastiksandalen überreichte, schwante mir schon Einiges. Das Tal war zwar wirklich lieblich, das Gelände aber nur steiler Matsch, alle Steine bemoost. Das ‚Bächlein‘, nach einigen Regenfällen recht munter, haben wir gezählte 40 mal überquert. Manchmal bis zum Bauch im Wasser! Ich war echt froh, dass meine teuren Schuhe trocken und sicher im Auto bleiben konnten. Im Bach erwiesen sich die Sandalen als recht praktisch, am rutschigen Fels war allerdings volle Konzentration gefragt, vor allem bergab. Man wurde dann noch dazu ermuntert, einen Wasserfall hinunter zu rutschen, aber darauf habe ich großzügig verzichtet, denn eine verletzte Hand an Bord ist genug!

 

Die zweite Wanderung führte auf die Halbinsel Tahiti Iti, in eine wunderschöne, verlassene Landschaft, wo wir mangels Straße mit einem Boot zum Ende eines Klippen-Küstenabschnitts gebracht wurden, durch den wir gewandert, besser: geklettert und gewatet sind. Aber es war bei Weitem nicht so nass wie beim ersten Mal, das Wasser in den zu durchquerenden Buchten ging meist nur bis zum Knöchel. Allerdings kam mehrmals gleichzeitig der Wasserfall von oben. Die Klippen waren wunderschön, die Brandung wild und so laut, dass man sich kaum unterhalten konnte. War aber eh nicht angemessen, denn wieder musste sich jeder total konzentrieren, um die richtigen Tritte zu finden. Diesmal durfte ich mit Turnschuhen gehen und ich muss sagen, auf dem rauhen Lavagestein haben sie wirklich gut gehalten, in den nassen Buchten hielten sie erst einmal auch dem Meerwasser  stand. Bei der Mittagsjause lösten sich allerdings schon die Sohlen von den Spitzen und am Abend waren sie bis zur Hälfte weg. Ich musste die Schuhe nicht einmal putzen, weil sie gleich im Mistkübel landeten. Gut, dass ich die zehn Jahre alten Hofer-Treter genommen  habe.

 

 Solche Wandergruppen bestehen  einerseits aus Franzosen, die in Tahiti leben und  ihren europäischen Besuchern  die Insel zeigen wollen und andererseits aus Tahiti-Chinesen, die immer in  Gruppen unterwegs sind  und ständig kichern. Außerdem sprechen sie untereinander französisch, was für Unsereinen ein wenig skurril wirkt. Jedenfalls würde in Europa niemand mit einer Gruppe solche Touren machen, der Klippenweg wäre eigentlich ein Klettersteig 1+ und alle wären bei uns gesichert. Und auf so glitschig-steiles Terrain wie im lieblichen Tal ginge in den Alpen ohnehin niemand. Allerdings muss man anerkennen, dass die Bergführer sehr seriös und auf Sicherheit bedacht waren, beide Male kam auf je 5 Personen ein Guide und die Guides selbst waren untereinander mit Funkgeräten in Kontakt.

 

Spaß hat es mir trotzdem gemacht, es war einmal was Anderes und eine sportliche Herausforderung. Und wenn man diese total steil aufragenden Berge und die dunkelgrünen feuchten Wälder anschaut, ist es eigentlich klar, dass Wandern dort nur rutschig, matschig und nass sein kann.

 

 

 Tatsachen aus Tahiti

 

Bei den Polynesiern selbst dürfte wandern nicht zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen gehören, jedenfalls war bei beiden Touren keine(r) dabei. Pauline, eine junge Französin, die mich von Papeete aus zur zweiten Tour mitnahm, verschaffte mir einigen Einblick in das Freizeit- und Gesundheitsbewusstsein der Polynesier. Sie ist aus Straßburg und konnte nach ihrer Ausbildung zur Hebamme ein zwei-Jahres-Praktikum in dem Krankenhaus ergattern, in dem  auch  Poldis Hand versorgt wurde. Ich war über ihre Erzählungen entsetzt – alle ihre polynesischen Kolleginnen auf der Station sind Diabetikerinnen! Sport kommt ganz hinten in der Beliebtheitsskala, Fastfood ganz vorne. Und – das hab ich auch schon von anderen gehört -  die Regierung stützt aufgrund des hohen Preisniveaus einige Lebensmittel, und zwar die, die von den ärmeren Leuten am häufigsten gekauft werden: Weißbrot, Schweinefleisch, Tiefkühlpommes und zB. auch Nutella. Mag ja gut gemeint sein, aber zu  Südseeschönheiten entwickeln sich die Mädchen auf diese Art sicher nicht. Zumal es auf der Insel sechs Mac Donalds gibt, alle in Reichweite von Schulen.

 

 

Es gäbe noch viel zu erzählen über Tahiti, zum Beispiel über die intensiv gelebte Religion (viele amerikanischen Sekten; die Mormonen sind nach den Protestanten die größte Kirche) oder über die – hier wirklich eher seltenen – Schlawiner wie ein Batteriehändler, der uns zu einem tollen Preis seine Batterien direkt aus dem Auto heraus verkaufen wollte. Wohlweislich ohne ausgewiesenes Herstellungsdatum, angeblich neu und voll geladen. Als Poldi sein Messgerät in Stellung brachte und das Gesicht verzog, war die Heckklappe gleich wieder zu und der Händler entfloh mit der Aussage, wenn wir die Ware nicht gut fänden und ihm nicht vertrauen würden, dann gäbe es eben keine so tollen Batterien für uns. Und weg war er. Wir kehrten reumütig zum (hoffentlich)verlässlichen aber etwas teureren Fachhandel zurück. Mal sehen, wie die Lieferung klappt.

 

Chillen in der Stadt

 

Die Marina ist ruhig und ziemlich neu, das Wasser ist so rein, dass man sogar ein künstliches Riff anlegen konnte, in dem sich die Fische tummeln. Insgesamt ist die Atmosphäre in der Stadt sehr angenehm, trotz der trostlosen Architektur. Alles ist  sauber und sicher, es sind nur ein paar Schritte zum berühmten zweistöckigen Markt, rund um uns gibt es viele Cafés mit Wifi  und Livemusik, leider halt nicht auf Terrassen am Meeresufer, wie man sich das in der Südsee vorstellen würde. Unser Lieblingslokal sind „die drei Brauer“ aus der Normandie, eine Gasthausbrauerei mit vier Sorten köstlichen Bieres zu hohen Preisen, die man aber als erfahrener Gast zu vermeiden lernt, indem man die  täglichen Angebote, Happy hours, 50%-Tage und natürlich die Muttertagspromotion (leider nicht „Freibier für alle Frauen“, sondern nur ein Gläschen Sekt) ausnützt.

 

Gestern Abend war die Uferstraße für den Verkehr gesperrt, drei Bühnen für Gratiskonzerte wurden aufgebaut und man konnte gemütlich flanieren. Die Musik war allerdings nicht so ganz nach unserem Geschmack, zwischen Pop und Tecno. Wenigstens eine einzige Bühne hätte man für unsere Generation reservieren können! 

 

Die  Lagunen warten

 

In einem Monat beginnen die Folklorevorstellungen des großen Heiva-Festivals, aber diese Zeit werden wir dann hoffentlich schon auf den Inseln verbringen. Moorea, Taa, Huahine, Bora Bora und Maupiti mit ihren berühmten Lagunen stehen auf dem Programm.

 

Nachdem uns unsere Ärzte- und Apothekernachbarn verlassen haben, erwarten wir in unserer letzten Woche hier noch einige österreichische Boote, die gerade von den Tuamotus und den Gambiers hierher unterwegs sind. Im Hinblick auf dieses intensive Gesellschaftsleben müssen wir in den nächsten beiden Tagen zusehen, das Schiff für die Tage nach Pfingsten sauber und abfahrbereit zu bekommen, um uns dann ungestört dem Erfahrungsaustausch – sprich Tratschen – widmen zu können.

 

Schließlich müssen wir dann noch einen Großeinkauf tätigen (Carrefour) und die Batterien pünktlich bekommen. Und dann geht’s wieder raus aufs Wasser!

 


 

Papeete, Tahiti, Französisch Polynesien, 15.5.2019

 

 

 

Flexibilität gefordert!

 

Die Zivilisation hat uns wieder! Nach einem Monat Palmen, Sand, Fische und Faulheit wurden Flossen und Taucherbrillen weggeräumt und der Weg nach Papeete, der Haupstadt Französisch Polynesiens, eingeschlagen. Wir liegen derzeit in der Marina im Zentrum der Stadt und werden hier wohl eine Weile bleiben, da wir neue Batterien bestellt haben. Die brauchen aber noch ein paar Wochen, bis sie hier am Ende der Welt eintreffen werden. Außerdem wurde dem Skipper aus medizinischen Gründen strikte Schonung verschrieben, aber davon später..

 

Urlaubsfeeling pur

 

Die zweite Aprilhälfte brachte eine Fortsetzung der romantischen Tuamotus-Szenerie unseres letzten Beitrags -  Entspannung pur! Das hat gut getan. Anker an Anker mit der Tangaroa,  gemütliches und einsames Lagunenleben, schwimmen, lesen, schnorcheln und als Höhepunkt des Tages die gemeinsame Menüplanung und deren Realisierung. Die Tiefkühltruhen beider Boote müssen demnächst abgetaut werden, also wurde weiterhin geschlemmt, was das Zeug hält. So viel Schwimmen kann man gar nicht, um die Kalorien aller Enten- und Schweinebraten, Kartoffelgratins und Camenberts wieder abzubauen! Das versuchen wir jetzt in Papeete, eine harte Sache inmitten der französischen Konditoreien und Cocktailbars.

 

 

 

 

 

Fototapetenwechsel

 

Von einer Lagune zu anderen zu fahren ist in den Tuamotus  eigentlich nur ein Wechsel der Koordinaten. Man ankert überall vor einer Fototapete, nur deren Name ändert sich. Von Rotoava nach Pakokota, von dort nach Toau, weiter zur Anse Amyot führte unser Weg von einer Ansichtskarte zur anderen. Beginnen wir im Anschluss an den letzten Blog mit Pakokota. Das einzige Haus des Ortes ist eine Art Seglerstützpunkt, wo ein Ehepaar gratis Bojen zur Verfügung stellt und gutes Internet zu moderaten Preisen anbietet. Wir konnten unseren Homepagebeitrag ins Netz stellen und ausreichend mailen und surfen.  Neben schwimmen und essen  natürlich! Auch für Fortbildung wurde gesorgt – Eva und ich ließen uns endlich einmal erklären, wie man einen Pareo schnell und praktisch bindet. Es sieht  recht einfach aus und wenn ich ruhig stehe, hält er auch, aber kaum mache ich eine Bewegung, die über das Trinken aus einer Kaffeetasse hinausgeht, stehe ich im Freien.

 

 

Fischkindergarten

 

Weiter in die Lagune Toau. Auf diesem Ankerplatz gab es weder Haus noch Internet,  aber massenweise reife Kokosnüsse am Strand! Unsere Männer versuchten sich als Tarzane und gingen mit der Machete ans Werk, aber außer einer kaputten Schneide hatte die Aktion keinen Effekt. Also weiterhin Kokosflocken aus dem Packerl! Schwimmen in Taou war sensationell, keine Welle, wenig Strömung und ich konnte mich richtig austoben. Beim Schnorcheln stellten wir fest, dass es sich bei diesem gemütlichen Plätzchen offenbar um einen Fisch-Kindergarten handelt. Scharen winzig kleiner Fische aller Sorten und Farben. Einen einzigen ‚Erwachsenen‘ habe ich in all den Tagen dort gesehen, das war wahrscheinlich die Tante, die aufpasst, dass sich die Kleinen nicht zu weit hinaus wagen. Fische haben ja an sich nichts Putziges an sich, aber eine Schar so bunter Papageienfische in Miniatur (1 cm) hat schon was Süßes.

 

 

Schlechtwettersegeln im Paradies

 

Als Abschluss unserer Tuamotus-Tour wollten wir der Tangaroa noch unbedingt die Anse Amyot zeigen, diese Bucht ist „Kult“ und wir haben sie von unserer letzten Reise noch in bester Erinnerung. Valentine und Gaston besitzen das Motu,  kümmern sich dort um die Segler und haben durch die vielen Erwähnungen in Seglerbüchern und –blogs fast schon Weltruhm erlangt. Der besondere „hype“ sind ihre legendären wöchentlichen Abendessen. Das wollten wir uns natürlich auch diesmal nicht entgehen lassen.

 

Eva, unsere „Slackwater“-Spezialistin, hatte Montag, den 29. April, 12.00 Uhr als optimale Ausfahrtszeit aus der Lagune errechnet. Für die nur wenige Stunden dauernde Fahrt hatte sie sogar  Wetterdaten über Satellit herunter geladen, sie zeigten  nichts besonders Aufregendes. Es kam wie es kommen musste, wenn man den Meteorologen glaubt. Nach wochenlangem Schönwetter begann es genau in dem Moment zu schütten, als wir durch  den Pass rausfuhren und auch der Wind ließ nicht lange auf sich warten. Gut durchgeschüttelt setzten wir draußen die Segel, baumten die Genua aus und mit immer weiter zunehmendem Wind waren wir auch recht schnell, wenngleich ein wenig nass, in der Anse Amyot. Beim Anlegen an der Boje hatten wir bereits 30 Knoten und waren heilfroh, dass uns Gaston per Paddelboot (!) zu Hilfe kam. Die Yin Yang  lag an der Boje total ruhig, auch der Himmel war rasch wieder strahlend blau, aber  Wellen, Strömung und Wind waren so kräftig, dass wir während der ersten  beiden Tage nicht einmal das Dinghi verwenden konnten.

 

Zeit für Poldi, unsere Energieversorgung genau unter die Lupe zu nehmen, denn die Werte der Versorgerbatterien schienen bereits seit einigen Tagen reichlich konfus. Rasch gingen die konfusen in besorgniserregende Werte über. Zwei besonders schlechte Batterien wurden abgeschlossen, was  einen  Verbesserungsschub brachte, allerdings nur mit kurzfristiger Wirkung. Glück im Unglück, dass wir den Aufenthalt in Papeete bereits geplant hatten.

 

 

Arme Schweine und lustige Vögel

 

Vorher wollten wir aber unbedingt noch die  Anse Amyot unter normalen Bedingungen erleben – Mantas und Haie sehen und das Essen genießen – was sich  in den letzten beiden Tagen gerade noch ausging. Das Essen war wie vor 13 Jahren ausgezeichnet, noch dazu hatte Valentine an diesem Tag Geburtstag, also wurde gemeinsam mit der Familie gefeiert (eingeladen waren wir leider nicht, der Preis war 40 $ pro Person, 2006 waren es noch 25$). Es gab Langusten, Fisch und Spanferkel. Von letzterem hab ich nur einen ganz kleinen Bissen runter gekriegt, denn Punkt 10.15 Uhr am Vormittag war ein herzzerreißendes Quieken zu hören, da wurde das arme Ding (das wir am Tag davor noch bewundert hatten) in einen Sack gesteckt um später – mit eben derselben Geräuschkulisse – erstochen zu werden.

Zum Nachtisch (Kokostorte) erschien ein ganz besonderer Gast:  Ein Fregattvogel, den Valentine und Gaston aufgezogen haben, nachdem er vor einigen Jahren aus dem Nest gefallen war. Seither  kommt er täglich, um sich Streicheleinheiten und Mittagessen zu holen. Bevorzugt natürlich Fische. Gierig schluckte er den ersten, dann den zweiten, dann durfte ihm Poldi den dritten geben – reine Gier statt Hunger, denn der Magen war voll und die Schwanzflosse hat noch lange aus dem Schnabel heraus geschaut. Plötzlich stellte er die Federn auf und begann unglaublich zu zittern. Auf unsere erschrockenen Mienen hin erklärte uns Gaston, das sei häufig so, denn die Fische werden im Kühlschrank aufbewahrt und wenn er zu gierig ist und zu viele frisst, kriecht ihm die Kälte aus dem Magen in alle Glieder. Das kommt davon, wenn man nie genug bekommen kann! Um sich wieder zu beruhigen und zu verdauen blieb er bei uns sitzen und ließ sich gnädig von den Gästen hofieren und angreifen – bei einigen reagierte er dabei mit Fauchen, bei anderen mit Kopf-Hinhalten zum Streicheln. Auch bei Vögeln entscheidet also der erste Eindruck!

 

 

 

Ein lautes „Au“

 

Aber irgendwann muss  Schluss sein mit Fauna und Flora und dem In-den Tag-hinein-Leben. Eva und Hans  verabschiedeten sich  nach Apataki, um das Schiff aus dem Wasser nehmen zu lassen und nach Österreich  zu fliegen und wir mussten uns um neue Batterien kümmern. Das Schiff wurde für die 2-Tages-Reise nach Tahiti segelfertig gemacht, das Dinghi  an Deck gehievt und festgezurrt – wie immer. Dachten wir. Plötzlich höre ich einen lauten „Au“-Schrei vom Heck. Poldi wollte das Boot noch ein Stück weiter nach hinten ziehen, dabei fiel  es mit der harten Platte, auf der der Außenborder befestigt wird, auf seine rechte Hand, die unpassender weise  gerade auf einem Block der Besantravellerschiene lag. „Nichts gebrochen, ich kann alle Finger bewegen!“ ist die erste Diagnose des Opfers. (Es geht nichts über eine positive Einstellung!) Zwei ganz kleine Wunden am Ringfingergelenk, sonst gibt es außer Schmerzen und blassem Gesicht erst einmal nichts Sichtbares. Also Desinfizieren, Coolpack drauf und ein Bier zur Beruhigung.

 

 

 

In den letzten Zügen

 

Die Strecke nach Tahiti war unspektakulär, am Anfang guter Wind, dann abwechselnd Flaute und kurze Regenschauer mit frischem Wind. Die Hand sieht ebenfalls noch unspektakulär aus, sie ist allerdings ein bisschen dicker als die andere  und ich verschreibe abwechselnd Arnika-Globuli,  Voltarensalbe und Coolpack. Am Abend darf der Patient früh ins Bett  und  ich vertiefe mich im Cockpit in ein Isabel-Allende-Buch. Es besteht ohnehin keine Gefahr einzuschlafen, denn die Batterien sind dermaßen schlecht beisammen, dass man jede Stunde den Generator für  20 Minuten laufen lassen muss. Ständig läutet der HandyTimer – entweder zum Generator Ein- oder Ausschalten oder für die regelmäßige Blickkontrolle und Logbucheintragung. Dasselbe in der zweiten Nacht, aber mit dem Unterschied, dass die Hand inzwischen einer roten Schweinepfote gleicht und der Generator pro Stunde schon 30 Minuten laufen muss.

 

Wir sind ein wenig unsicher wegen der Marina in Tahiti, man kann nämlich nicht reservieren und soll laut Internet einfach an irgendeinem Liegeplatz festmachen und sich dann im Büro melden. Etwas ungewöhnlich, vor allem fürchten wir, dass uns die „Konkurrenz“ vom WARC wieder im Weg steht und alles belegt hat. Aber man hat nicht immer Pech! Um 7 Uhr früh laufen wir ein, viele freie Plätze, kein Windhauch, Poldi fährt ein elegantes Anlegemanöver (leider sieht das um diese Zeit kaum jemand!) und schon machen wir an  einem tollen, ruhigen und zentralen Liegeplatz fest. Den lassen wir uns jetzt auch nicht mehr wegnehmen!

 

 

 

Gerade noch geschafft

 

Unsere erste Handlung: Strom anschließen! Die Batterien liegen in den letzten Zügen, uff, es ist  sich gerade noch ausgegangen. Dasselbe mit der Hand- inzwischen sieht sie nicht mehr nur aus wie eine Schweinepfote, sondern wie eine Kreuzung aus Schweinepfote und aufgeblähter Pflaume. Das nennt man Timing! Also auf in die Polyklinik, wo alles wie am Schnürchen läuft. Das Röntgen bestätigt, dass nichts gebrochen ist, aber der nette französische Arzt diagnostiziert eine schwere Infektion der Sehnenscheiden und verschreibt ein Antibiotikum und Schonung. Warum die Sehnenscheiden? Warum die Infektion? Wir wissen es nicht. Offenbar ist durch die zwei kleinen Wunden, die wir ohnehin brav desinfiziert haben, Schmutz reingekommen, der das ohnehin schon gequetschte Gewebe dann gänzlich k.o. geschlagen hat.

 

Nach drei Tagen merkt man jetzt schon eine  Verbesserung, die Schmerzen werden weniger. Eine deutsche Apothekerin an unserem Steg wirft jeden Tag einen Kontrollblick auf die Hand und bestätigt den Heilungsfortschritt. Froh sind wir  trotzdem, dass wir beim Arzt waren. Wir hätten das verschriebene Antibiotikum zwar an Bord gehabt, aber wir wären nie auf die Idee gekommen, dass es sich um eine Infektion handeln könnte, da die Wunden ja  überhaupt nicht schlimm ausgesehen haben.

 

Trotz Schonung machten wir uns vorgestern auf zu einem Rundgang zu allen Batterieanbietern. Auf diese Art lernt man die Stadt kennen und auch das Wirtschaftsgefüge: 80% des Handels sind in chinesischer Hand!  Hier steht auf den Geschäften nicht wie erwartet „Dupont“ oder „ Lefebre“ sondern „ Sin Tung Hing““ oder „Tang Wang“. Nur bei den Friseuren zum Glück noch nicht, da gibt es noch  „Franck Provost“ und „Jacques Dessange“. Und da geh ich diese Woche hin! Weitere Papeete-Erlebnisse gibt es dann beim nächsten Mal.

 

Der nächste Winter kommt bestimmt

 

Ach ja, das Wichtigste zum Schluss und wieder zurück zu den medizinischen Themen: Poldis rechte Schulter zeigt nun die gleichen Symptome wie letztes Jahr die linke – kurzum, wir werden den Winter nicht in Neuseeland sondern in Österreich verbringen. Das Schiff wird in Fiji auf uns warten, wo wir in der Vuda-Marina einen „Cyclone  Pit“ reserviert haben. Da wird der Kiel während der Taifun-Saison (November bis April)  eingegraben und offenbar hat es bis jetzt mit dieser Methode noch keine Sturmschäden gegeben.  Sobald wir Flüge gebucht haben, werden wir  Euch das Ankunftsdatum wissen lassen.

 

Einstweilen genießen wir noch die französische Lebensart. Mit etwas niedereren Preisen und Tagestemperaturen wäre  sie uns allerdings noch viel lieber, aber man kann nicht alles haben!                            

 

 

 


 

Fakarava, Französisch Polynesien, 14.4.2019

 

 

 

Südsee: Das Ziel der Träume

 

 

 

In der Südsee angekommen! Aber wo?  Die „Südsee“ erstreckt sich über 165 Millionen Quadratkilometer und ist somit größer als alle Landmassen der Erde zusammen. Wir haben es gerade bis ans östliche Ende geschafft, nach Französisch Polynesien. Zwischen uns und Neuseeland liegen noch 4500 km(Luftlinie) , ungefähr acht verschiedene Staaten und unzählige Inseln, manche flach  mit Korallensand und Palmenstränden, andere mit hohen Bergen und unwegsamen Wäldern. Französisch Polynesien ist jedenfalls ein guter Einstieg – eine Art exotisches Europa. Wie wir schon in Martinique gesehen haben, hält Frankreich seine Überseeterritorien wirklich gut in Schuss.

 

 

 Der Ankunftsschock

 

Die Inselgruppe der Marquesas ist für den Großteil der Segler die erste Anlaufstelle nach der Pazifiküberquerung. Sechs bewohnte Inseln mit aufregender und geheimnisvoller Geschichte; von Stammeskriegen und Kannibalismus ist da die Rede. Zwei davon  haben halbwegs große Ankerbuchten und bieten die Möglichkeit zum Einklarieren. Da wir bei unserer Reise 2006 in Nuku Hiva waren, haben wir uns diesmal für Hiva Oa entschieden. Diese Idee hatten zum selben Zeitpunkt auch ungefähr 40 andere Segler. Damit man mit denen nicht zusammen stößt, muss man außer dem normalen Buganker noch einen Heckanker ausbringen, eine Plackerei, die nicht verhindern kann, dass diverse Ketten übereinander liegen und hektisch gestikulierende Skipper sich gegenseitig in allen Sprachen Unfreundliches zurufen. Besonders  „beliebt“ sind diejenigen mit den rot-blau-weißen „ARC“-Flaggen. Die ARC ist ein Unternehmen für Segeln in der Gruppe, betreutes Segeln sozusagen, dort kann man auch eine Rund-um-die Welt-Tour buchen. Man sieht sich zwar unterwegs nicht,  trifft aber an gewissen Orten wieder zusammen. Zum Beispiel in Hiva Oa, wo dann so wenig Platz ist, dass sich alle Segler gegenseitig ins Kaffeehäferl schauen können.  

 

Nach der  „unendlichen Weite“ des Pazifiks und mehr als drei Wochen Ruhe und Abgeschiedenheit war  diese Ankunft fast ein Schock. Es ist wie bei den wichtigen Prüfungen in der Jugendzeit: Man arbeitet wochenlang darauf hin und wenn es dann so weit ist, bleibt das erwartete Glücksgefühl aus. Kein Wunder, denn zum Tanken mussten wir mit dem Beiboot achtmal zur Tankstelle fahren um 250 Liter Diesel in Kanistern zum Schiff zu bringen, weil diese - eine normale Autotankstelle – an ihrer Rückseite zwar einen Anlegekai hat, aber  keine Zapfsäule. Den Kai dürfte man  aber ohnehin nicht benützen Er ist dem Versorgungsschiff vorbehalten. Das kommt allerdings nur einmal im Monat vorbei.

 

 

Die Kannibalen sind träge geworden

 

 Fast würde man neben diesen Ärgernissen die Schönheit der Landschaft und die Freundlichkeit der Bewohner übersehen. Die Leute sind wirklich sehr nett. Nein, wir haben keine Kannibalen mehr getroffen  und  wenn man zu Fuß die paar Kilometer von der Bucht in den Ort geht, bleibt fast jedes Auto stehen um die Segler – ohnehin nach der langen Reise noch wackelig auf den Beinen – mitzunehmen. Das Einklarieren auf der Polizei dauert fünf Minuten, Handschlag, kurzes Formular, keine Kosten, beste Wünsche und das war’s. Alle grüßen und winken schon von Weitem und auch mit der Lebensgeschichte ist man schnell zur Hand. So kann sich ein Besuch im Tourismusbüro oder im Museum ganz schön hinziehen, bis man die Herkunft, Kinderzahl und Eigenheiten der diversen Sippschaften Hiva Oas kapiert und dann noch rasch einen Überblick über die Lokalpolitik bekommen hat. Darin ist die Friseurin – ein Besuch beim Friseur lohnt sich kommunikationstechnisch überall – Spezialistin. Sie ist aus Frankreich und lebt schon seit 25 Jahren auf den Marquesas aber mit der Trägheit und Teilnahmslosigkeit von Bürgermeister und Gemeinderat kann sie sich immer noch nicht abfinden. Mit ihren Versuchen, als Gemeinderätin etwas zu verändern, hat sie sich sehr unbeliebt gemacht. Wütend gestikuliert sie mit der Schere und schneidet beherzt in mein ohnehin schon kurzes Haar, als ob sie damit die Behörden aus ihrem Dämmerschlaf erwecken könnte. Offenbar dürfte es aber schon stimmen, dass die Lokalpolitik Eigeninitiativen eher unterdrückt als fördert, denn das Geld aus Frankreich kommt ohnehin und die 9000 Bewohner der Marquesas leben auch ohne neue Ideen und Bootstankstellen ganz gemütlich. Und an der Sauberkeit und Gepflegtheit dieser Überseegebiete lässt sich wirklich nichts bemängeln.

 

 

Archäologie und Bananen

 

So haben wir uns schließlich doch noch eingelebt im Inselreich der Enana, dem „Land der Männer“ wie es früher hieß, als die Frauen hier noch nicht im Gemeinderat saßen. Als nach ein paar Tagen Hans und Eva  mit der Tangaroa eintreffen, sind wir schon alte Hasen und können uns endlich der Geschichte und Kultur der Insel widmen. Zu viert durchqueren wir mit Führer Pifa und seinem 4x4 Pickup die Insel zur Ausgrabungsstätte Puamau. Pifa beeindruckt uns durch sein perfektes Englisch und seine umfassende Bildung, gleichzeitig ist er ein Marquesianer wie aus dem Bilderbuch, groß und stark, ein Wettkampfruderer, er musiziert und ist Mitglied einer traditionellen Tanzgruppe. Außerdem gehört er zu den wenigen, die studiert haben und trotzdem wieder in ihre Heimat zurück gekommen sind. Er ist Teil der O’Connor Familie, die bereits vor 60 Jahren gemeinsam mit amerikanischen Archäologen an diversen Ausgrabungen beteiligt war. Da die Marquesas vor einigen hundert Jahren noch sehr dicht besiedelt waren, gibt es  viele Ruinen und Kultplätze mit ihren Tiki-Figuren und  Opferstätten, meist von dichtem Wald überwuchert. Die Archäologen haben Vieles entdeckt, Vieles beschrieben und noch viel mehr an die diversen Museen der Welt verkauft. Aber immerhin wurden durch ihre Initiativen einige Plätze renoviert und machen nun den Seglern klar, dass  es durchaus interessant ist,  einmal  die Putz- und Reparaturarbeiten am Ankerplatz beiseite zu legen und sich mit der aufregenden Vergangenheit der  Gastgeber zu beschäftigen. Pifa hat uns sowohl Vergangenheit als auch Gegenwart nahe gebracht – er ist mit der ganzen Insel verwandt, überall wurde geplaudert und erzählt, beim Onkel konnten wir Bananen und Pampelmusen kaufen, bei der kreativen Kusine Pareos und so waren alle zufrieden. Schließlich besuchten wir noch das Grab des Malers Gauguin, der auf Hiva Oa gelebt hat und als Draufgabe hat uns Pifa noch aus seiner privaten Tiefkühltruhe ein Riesentrum einer selbst erlegten  Wild/Hausschwein-Kreuzung geschenkt.

 

Schade, dass die Ankerplätze der Marquesas so voll und/oder unsicher, wackelig und klein sind – auf den Inseln gäbe es noch viele Geheimnisse zu entdecken, Geschichten zu erfahren und  Berge zu besteigen.  Im Grunde wäre ein Urlaub auf den Inseln aber nur ohne Schiff wirklich entspannend und so machten wir uns schweren Herzens (ein paar Tränen und –seufz-  in meinem Alter werde ich wohl keine Chance haben, jemals wieder hier her zu kommen) auf den mehrtägigen Weg zu den Tuamotus.

 

 

Lagunen-Paradiese

 

Optisch sind  die Tuamotus das absolute Kontrastprogramm zu den Marquesas. Flach, Sand, Palmen, blau-türkis-grünes Wasser.  Es handelt sich um Atolle, die Lagunen umgeben, in die man durch einen „Pass“ hineinfährt. Manche Atolle haben keinen Pass – die bleiben vom Segeltourismus verschont – manche haben einen sehr trickreichen Pass, die bekommen eher selten Besuch und manche haben einen ausreichend breiten und tiefen Pass. Allen gemeinsam ist aber, dass man ohne Vorbereitung lieber nicht durchfahren sollte. „Slackwater“ ist das Zauberwort – der Zeitraum, in dem die von Ebbe und Flut beeinflussten Strömungen am schwächsten sind. Vier Tage Überfahrt gaben uns Zeit genug, im ständigen Funkaustausch mit der Tangaroa unseren jeweils neuesten Wissensstand zu diesem Thema auszutauschen. Eva versank in Excell-Tabellen, wir hatten vier Bücher ausgebreitet, Hochwasser, Niedrigwasser, Mondaufgang, Monduntergang, alles etwas unklar erklärt. Aber Poldi hat noch seine 2006-Aufzeichnungen von Kauehi, ein angenehmer Pass, dort fahren wir hin. Problemlos sind wir drin – hinter uns die Tangaroa,  vor uns alle Schattierungen von blau, ach, wie geht einem doch das Herz auf angesichts von Sandstrand, Palmen,  29 Grad - Wasser, dieses Klischee wirkt immer und überall. Wir kannten das Dorf ja schon und waren entsprechend gespannt  - leider gab es nicht nur erfreuliche Veränderungen. Die Bevölkerung ist von 300 auf 200 geschrumpft, denn die Familien mit Kindern legen verständlicherweise immer mehr Wert auf die Ausbildung der Kids und ziehen nach Tahiti sobald die Volksschule vorbei ist. Und diejenigen, die in der Perlzucht tätig sind, müssen aufgrund der gestiegenen Meerestemperaturen Einbußen hinnehmen. Die Perlfarm, die wir 2006 besucht haben, gibt es nicht mehr. Auch die Besitzer der beiden Supermärkte (sprich Greisler) haben gewechselt. Die Bewohner der Tuamotus  sind nicht so heimatverbunden wie die der Marquesas, man wechselt je nach persönlicher Wirtschafts- und Liebschaftslage rasch einmal die Insel. Sauber, ruhig und gepflegt ist Kauehi aber nach wie vor, auch mit nur 200 Bewohnern. Die grüßen und winken alle wie auf den Marquesas und während der Messe am Sonntag wird sogar geküsst – man ist ja schließlich in Frankreich.

 

 

Wo ist die Palme?

 

Kauehi war in den letzten 13 Jahren ohnehin immer in unserem Blickfeld, denn Poldi  hat ein Foto von uns beiden auf einem Palmenstamm in  Kauehi sitzend als Bildschirmschoner. An so manchem düsteren Tullner Wintertag hatte er sich geschworen, wieder in das türkis-blaue Paradies zurück zu kehren. Natürlich waren wir  tagelang auf der Suche nach diesem Palmenstamm, der sich so dekorativ am Ufer geschlängelt hat – aber leider haben wir ihn nicht gefunden. Also musste  eine Ersatzpalme her – aber wir selbst haben uns seither  ja schließlich auch verändert -  einige Kilo mehr und der Blick ist auch schon müder geworden! A propos  Kilos:  Nachdem wir auf der langen Überfahrt relativ brav und beherrscht waren, hat mit dem Eintreffen der Tangaroa das Zeitalter der Völlerei begonnen. Eva kocht mit Begeisterung. Eigentlich wollten wir abwechselnd kochen aber Eva ist immer schneller und voller Ideen. Unser beider Tiefkühltruhen sind noch relativ voll und so gibt es Meeresfrüchterisotto, Paprikahenderl und natürlich auf zweimal den riesigen Schweinsbraten von den Marquesas. Stets begleitet von Vorspeise und Käse zum Abschluss. Bis vor Kurzem gab’s dann auch noch flambierte Bananen aus den Beständen von Pifas Onkel.

 

 

Digitales Fasten

 

Im Gegensatz zur üppigen Kulinarik ist  in Französisch Polynesien  „digitales Fasten“ angesagt. Im ganzen Land gibt es keine Simkarten für Daten, es gibt nur Festnetzanschlüsse. Da wir uns aber kein Haus kaufen wollen, sind wir auf Hotspots angewiesen und die sind dünn gesät. Musste man in Hiva Oa den Berg hinauf zu einem alten Container der Seenotrettung marschieren, wenn man ins Internet wollte, war es in Kauehi der Feuerwehrmann, der uns an seinem Dienstanschluss  mit naschen ließ. Jedes Mal, wenn wir beim Spazierengehen an der Feuerwehr vorbei gingen, flatterten die E-mails ins Handy, zum Abschicken der Antworten machten wir es uns auf seiner Terrasse bequem. Aber mehr als e-mailen war nicht möglich.

 

 

Die buntesten Fische der Welt

 

Nach einigen Tagen in der Zivilisation hatten wir Lust auf noch mehr Ruhe und wechselten auf einen ganz einsamen Ankerplatz. Er war uns als schöner Schnorchelspot empfohlen worden, aber das war eindeutig untertrieben, denn es war dort einfach phantastisch. Große Korallen, scharenweise Haie (keine Angst, es waren harmlose Schwarzspitzenhaie!), träge Napoleonfische und eine Vielfalt an bunten Riff-Fischen tummelten sich in einem so hellen Licht, dass die Farben nur so flimmerten. Das Wasser war glatt, auch zum Schwimmen ein Traum. Wir genossen unsere Abendessen in herrlicher Ruhe zwischen rosa Sonnenuntergängen und leuchtendem Sternenhimmel und gratulierten uns zu diesem traumhaften Plätzchen.

 

 

Dem Internet hinterher

 

 Eigentlich hätten wir dort länger bleiben sollen, aber das digitale Fasten sollte nicht allzu lange dauern, schließlich will die Homepage befüllt werden und Eva und Hans mussten ihre Heimflüge buchen. Fakarava,  das nächste Atoll, versprach aufgrund seiner touristischen Bedeutung (280 Betten, Tauchhotspot) wesentlich bessere Internet-Bedingungen. Wir warteten also ab, bis die „Slackwater“-Daten der beiden Pässe in günstigem Verhältnis zueinander standen und machten uns auf die eintägige Reise.  Und hier liegen wir mit ungefähr 20 Yachten vor dem hübschen Dorf Rotoava. Alle hoffen auf Internet aber die wenigen Hotspots sind jetzt in der Hauptsaison total überfordert. Daran konnte auch der gestrige Besuch des Präsidenten der Republik nichts ändern, der unter Ukuelenklängen ein neues Amtsgebäude eröffnete und recht locker wirkte. Man konnte sich sogar unter die anwesenden Honoratioren  mischen und fotografieren. Trotz allem ziehen wir heute eine Station weiter zu einem kleinen Ankerplatz vor einem Restaurant, das sehr seglerfreundlich sein und gutes Internet bieten soll.

 

                                                                              YinYang unter Vollzeug


 

Summary December 2018-March 2019

 

Panama was the place our boat got to know in 2018. Coming from Cartagena, Columbia in march  we  sailed  to the lovely Sun Blas archipelago  and spent about  a month there, anchored in paradise, clear, warm water, palm trees,  silence  and the very special culture of the indigenous  Kuna Indians. A paradise with black spots: Lots of trash on the uninhabited islands, on the outer shores, driven all over the sea from the Caribbean islands. And the villages of the Kunas are full of empty plastic bottles – it doesn’t even need a closer look to realize that the environmental  problems are growing from day to day.

 

In May we left Yin Yang at Shelter Bay Marina near Colon and went home until December. Leo had a shoulder surgery (supraspinatus) and I enjoyed the hottest summer ever in Austria.

 

The boat was very well looked after, it was in the dry storage, with a huge dehumidifier inside and a reliable yard stuff who sent us every month reassuring  pictures from inside and outside the boat .

 

But still it was a lot of work when we got back in December to get Yin Yang ready for sailing again. But since staying in Shelter Bay Marina is a lot of fun cleaning and maintenance  was almost a pleasure. Socialising is the main word there. Sailors from all over the world (mainly US though) met at uncountable sundowners, barbecues, potlucks and pool aerobics.

 

In January we went for 10 days back to the San Blas again to say goodbye to the Atlantic and spent some time there with other Austrian sailors – the Austrians seem to love Panama, there are always quite a few of them around.

 

January 20 was the day of the days – our Panama Canal passage. A very remarkable date – not only did it cost us almost 3000 USD, a stupid Englishman also caused a damage on our stern. Sailing boats are tied  together in the locks per two or three boats. We had to join a wooden vintage boat and a small British catamaran who opened one of his lines in the last lock. Within half a second the three of us turned and we hit the wall of the lock. The damage is not threatening because the (deep)scratch is outside the waterline, but we were pretty shocked, also because the British didn’t even give us his insurance data but disappeared.

 

The Pacific, by meaning “the peaceful” comforted us though with the best sailing conditions ever.  The trip to Ecuador was the finest  sailing  week  we have experienced so far. No waves, smooth water, enough wind. Even at 9 kts speed you could hardly feel that the boat was moving.

 

We chose Ecuador as a starting point for the Pacific crossing because this farer southern route promised more stable trade winds than going from Panama straight to French Polynesia. This direct route makes you pass a lot of calms until you reach the latitude of the trade winds. Plus we wanted to see  Ecuador. There is only one  marina  in the country and   we thought we could leave the boat there and do a sightseeing tour through the mainland. But this marina was a real deception – there was so much surge that two lines broke within the first three days. It was clear that Yin Yang could not be left without crew in such conditions Therefore I did the inland trip alone and left poor Leo by himself watching the boat. I have to admit though that I had mentioned that I wanted to hike in the Andes which made the decision to stay on the boat a lot easier for him because he doesn’t like hiking.

 

We had been dreaming of  a 2-3 week’s trip through Ecuador and see the famous volcanoes. But in such conditions I shortened my single handed trip to only one week.

 

Traveling turned out to be very easy. There are a lot of nice buses going everywhere and frequently. The roads are very good but it takes 5-6 hours to manage a 200-mile-distance. The landscape is very mountainous (up to 15000 ft) and there are  no bridges that stretch over the valleys like in the Alps. So the bus would go down 100 bends up the mountain, 100 bends down into the valley, 100 bends up the mountain and so on.

 

Since the weather forecast for the North( the volcanoes and Quito) was rather bad I decided to go to Cuenca, a well restored colonial city and UN-world heritage place in the South.  I did the historic city tour, strolled around (a pleasure for me because the Ecuadorians are so short, for the first time in my life I felt tall) and visited the museum and a few of the nice coffee houses – they are almost like in Vienna. Then I booked a tour to an almost 1000 year-old Inca-place with interesting ruins and spent a day hiking in a national park where it rained all day long! But I had a splendid guide who gave me a lot of information and also advised me go further south because of the weather during the next days. Therefore I went to Vilcabamba, a hiking hotspot in the lower Andes and spent there a few wonderful sunny hiking days . The area is supposed to be very healthy and it is said that all the inhabitants get older than 100. I couldn’t wait to prove it on myself though and went back on a 12-hour-trip to free my skipper from his loneliness.  Too bad he didn’t get to see more of Ecuador because the coast really isn’t too romantic, too many highrise-hotels and untidy towns without character.

 

But there is no place in the world where you can’t meet nice people. We met a Swiss-Ecuadorian couple, living in a beautiful house near the marina. They are sailors too so there was a lot to talk about.

 

We finally left for the Pacific crossing on February 23rd, a little earlier than we had planned. With the advantage that we had about the same timing as Austrian friends of ours who took the more northern route from Panama on their Catamaran. We were a few hundred miles apart but informed each other on a daily base by sat phone messages about position, weather, fishing success and general mood.

 

The passage started with 3 wonderful sunny days with more wind than we had hoped for, followed by 4 rainy days without much wind, one afternoon even down to zero. How depressing! You sit there in the drizzle, the boat was rolling in all directions but didn’t move one inch forward. And all the wet clothes  when we worked outside! We finally decided that it would be better not to put on clothes ( besides the life jackets that we always wear outside the cockpit)  to go outside but to take them off! The body dries faster than the textiles.

 

Well, since we didn’t like the idea of going to the Marquesas by engine we downloaded the gribfiles  on sat phone and looked where the nice weather would be hidden. And it was not too far away! Just one night going south and the wind was back. The sun too and we could dry all our wet gear and also our souls!

 

Since then we always had blue seas and skies and the solar panels could show what they are made for. We were a bit too far south though  for our destination and had to turn north a few degrees which was perfect for wind and speed but with the wind directly from behind the boat’s movements get a bit uncomfortable, rolling left and right, not even regularly, no, every once in a while there is a wave that plays its own play and makes everything drop that isn’t safely tied.  Cooking becomes a challenge, missing a third hand every second.

 

But we stuck to our daily routine and were soon  rewarded with quieter conditions. Our routine consists of living a normal life – fixing  a good meal every day (we have a freezer), keeping everything clean and tidy, make the watermaker work from time to time, doing our paper chores ( logbook every 3 hours, diary), checking the rig for chafes and other damages, taking our showers and read books. How nice being without internet for a while because one reads more books than at home. (With the e-readers today it’s easy to have a huge library on board).

 

And there is a daily sundowner to enjoy of course, every day chasing the “green flash” (which we only have seen once). After half of the distance the sundowner timing got a bit complicated. We started out at 6 pm, that’s when the sun sets in central and South America. After a while we were surprised that even after the second glass of Merlot the sun didn’t give up – o yes, time shift, we were moving west! We finally had three different times and clocks on board: The international UTC, the Ecuadorian time on which our logbook was based and the Marquesian time on my watch. Towards the end of the trip we would get up at sunrise around 10 am, have lunch at 4 pm and sundowner from 10-11 pm in our original time. Surprising that we still slept well – as long as the “crazy” waves would let us.

 

 Our night routine turned out to be the following: Cruising in areas where other boats can be expected (near land, in heavy fishing areas or on ship routes) we do night watches in the cockpit. One of us sits there either the first or the second half of the night and checks the plotter with its AIS and radar signals regularly and looks around from time to time  if there is a light from a boat that might not have AIS. We mostly sit and read but turn the timer on to ring every half an hour in case our book is so boring that we fall asleep.

 

Offshore far out in the empty ocean we sleep in our beds, switching turns in getting up and checking the situation, 5 times a night. During the 24  days (apart from traffic on the coast in Ecuador)  we only saw 2 fishing boats without AIS and one big one with AIS to whom Leo even talked on the radio. No cruise ships, no sailors.

 

Fishing is another topic. Leo has been quite successful so far but the first three weeks in the Pacific weren’t as efficient as usually. Are all the fish already caught by Japanese fishing companies? No, I guess the problem is that the rods don’t make a noise like they used to when a fish bites. And it is pure incidence if you look at the gear exactly in the moment when the rod bends. In his despair Leo invented a method with a mousetrap fixed on a line leading to the line that is supposed to make a noise when it flaps.  I am sure that we are the only ones in the Pacific catching fish with a mousetrap! And it worked! He finally was lucky and caught a  18 kg ( 36 pounds) wahoo. And a tuna with 9 kg/18 pounds. Including two smaller tunas within the first days I think he can be satisfied. And the freezer is full.

 

 

 

All together   some days on Yin Yang really were like on a cruise ship – good food, good drinks, sunshine, reading, talking; sometimes we thought it could go on like this until New Zealand. But from time to time  the “crazy” waves made us quickly  look forward  to landfall.

 

 But still the Pacific is a lot nicer than the Atlantic, the crossing is much  farer ( 3600 miles compared to 1900) but the waves are lower and everything is smoother and a little slower. On the Atlantic we had a couple with us which was nice as far as night watches were concerned (one of us had been on duty all the time) but we finally decided that only the two of us  makes it less stressful.  Less food to prepare and a lot more room.  Two toilets for two people and a guest cabin only for the  laundry!

 

The last few days were quite low on wind, we slowed down but  finally arrived at Hiva Oa after 24 days which is quite a good time. The first days here were more stressful than the whole passage. Te anchorage is so small and so full of boats (high season) that one has to use two anchors which makes it rather complicated. There is no normal gas station on the Marquesas and we had to go by dinghy and jerry cans (about 6 times) to fill up. The internet is less than basic, there are no simcards in all Polynesia, only internet cafes and restaurants with wifi. That’s something one is not used to any more. Until we got everything organized (laundry, diesel, immigration, customs shopping,  homepage,hairdresser, ATM etc etc)  we had to go to shore about 20 times by dinghy . Our friends will arrive tomorrow and I hope that we will finally have time to see a bit of the island together. The landscape is wonderful and there are supposed to be interesting  ruins and worship places  in the forests.

 

Like most of the sailors here we plan to visit one or two more islands in the Marquesas, move on to the Tuamotus then and then to Tahiti – there is a very modern marina there and I will be very happy when shopping  and sightseeing will be easier, just stepping out of the boat and being on land.

 

Yes I resolve again to keep my English speaking friends up to date  too – I know that using Google translater for our homepage might turn out rather comical than informative!

 

 

Der große Ocean

 

23.2.2019

 

Unser letzter Tag in Ecuador verläuft ziemlich turbulent. Als wir heute unser  „Zarpe“ (Ausreisegenehmigung) vom Marinabüro abholen und die Rechnung bezahlen wollten, traf uns fast der Schlag: Man hat uns beinahe das Doppelte der Summe verrechnet, die  wir bei unserer Ankunft besprochen haben. Der Grund: Einerseits sind wir statt dem geplanten Monat nur drei Wochen geblieben, was nach ecuadorianischer Logik 21 Einzeltage und damit wesentlich mehr als die Monatspauschale ausmacht. Andererseits hatte sich die Dame bei unserer Ankunft in den Zeilen der Preisliste verirrt und uns (zum Glück auf einem Zettel, den wir noch hatten) einen völlig falschen, nur halb so hohen  Preis aufgeschrieben. Damals hatte sie uns auch die teurere, aber angeblich bessere Seite des Hafens eingeredet – von besser keine Spur und nun sollten wir plötzlich das Doppelte hinlegen? Zwei Stunden Palaver, dann  konnten wir den Preis doch noch etwas drücken, aber zu viel war es allemal, vor allem, wenn man an die durch den Schwell gerissenen und durch Öl verschmutzten Leinen denkt.

 

Einen gewissen Trost spendete uns die Einladung zum Abendessen bei Marisol und Georg. Marisol   hat eine Reparaturwerft  neben der Marina und Georg ist ein pensionierter Schweizer Chirurg, der bereits in jüngeren Jahren in Südamerika gelebt und jetzt seinen Lebensmittelpunkt wieder dort hat. Das erste, das wir von ihm hörten, war, dass er seinen  Segelschein in der Segelschule Mondsee gemacht hat -  so etwas verbindet natürlich sofort!

 

Als bilaterales Abschiedsessen gab es daher Zürcher Geschnetzeltes mit Rösti. Sehr nostalgisch! Für unsere längste bisherige Ozeanpassage konnte es einfach nichts Besseres als Kraftspender geben!

 

24.2.2019

 

Marisol versuchte in der Früh noch, aufgrund ihrer Geschäftsverbindungen zur Marina  die Sache mit der Rechnung irgendwie zu glätten, aber es war wohl zu spät – ‚bezahlt ist bezahlt‘ hieß es vom Management und wir hatten auch keine Lust mehr, noch einmal ein paar Tage in wahrscheinlich aussichtslose Streitereien zu investieren.

 

Wie  beim Panamakanal.Für Poldi  besteht nun leider das Image von Ecuador hauptsächlich aus den Ärgernissen in und mit der Marina. Ich habe ja zum Glück viel Schöneres sehen können als die Apartmentblocks und gesichtslosen Städte der Küstenregion.

 

Also weiter Richtung Westen! Am Vormittag  verließen wir  die heftig schaukelnde Stätte und fuhren in ein glattes, angenehm ruhiges Meer hinaus. Marisol und Georg waren winkend noch lange zu sehen.

 

In ihrem wunderbaren Haus am Strand haben wir so manches Bier hinter den großen Panoramafenstern gehoben und dabei Segelrouten diskutiert – Georgs Segelboot wartet in Französisch-Polynesien darauf, demnächst nach Fidji und/oder Neuseeland weiter gesegelt zu werden, sodass zumindest die Hoffnung besteht, einander wieder zu sehen.

 

Wind hatten wir uns entsprechend der Voraussagen für die ersten Tage kaum erwartet, denn dieser Küstenabschnitt ist sehr windschwach und der Passat,   der „Anschieber“ für Polynesien, beginnt ohnehin erst ein Stück weiter südwestlich.

 

Also gehen wir’s erst einmal unter Motor an. Gegen Abend können wir sogar ein paar Stunden segeln, dann wieder Motor. Es muss ja nicht gleich am ersten Tag gar so sportlich sein!

 

 

 

25.2.2019

 

Aber nicht immer haben die Monatskarten und die Statistik  recht – es gibt Wind und wir machen bei ruhigem Wasser bereits 9 Knoten Speed.

 

So nahe an der Küste sind – vor allem nachts – immer wieder große Fischerboote zu sehen, die kein AIS haben. Warum? Können wir uns nicht vorstellen, denn mehr Sicherheit wäre ja auch in ihrem eigenen Interesse und die Kosten für AIS sind nicht so hoch.

 

Mein schönes Gemüse wird jetzt schon  reif – vor allem die Avocados. In diesen ersten beiden Tagen haben wir so viele Avocados gegessen wie noch nie in unserem Leben. Dabei waren sie ganz hart, als ich sie am Markt gekauft habe – aber 40 Grad lassen offenbar auch die härtesten Avocados zum Schmelzen bringen.

 

Der Wind dreht langsam von der Seite nach achtern, der Ballooner wird gesetzt, dabei verhängt sich eine Leine in der Schot, die durch den Ausbaumbaum läuft. Ich hätte sie abgeschnitten, aber Poldi findet immer eine Lösung, die Gaff wird  an den Bootshaken gebunden und wie mit einem Lasso fängt er die Leine nach vielen Versuchen schließlich ein.

 

Gegen Abend besucht uns eine riesige Seemöwe und umkreist sehnsüchtig den Besanmast. Offenbar  hätte ihr dieser als Nachtlager(und vermutlich auch als Toilette) zugesagt. Wir sind in dieser Beziehung aber nicht sehr gastfreundlich, denn auf der Mastspitze befindet sich der teure Garmin-Windmesser,  den wir nicht von einer Möwe modifizieren lassen möchten. Wir versuchen’s mit klatschen und schreien und nehmen schließlich Tröte und sogar Signalpistole in Betrieb, um vor dem Vogel als gefährlich da zu stehen, aber es dauert eine halbe Stunde, bis er es endlich glaubt und sich – vermutlich auf booking.com – eine neue Übernachtungsmöglichkeit sucht.

 

26.2. 2019

 

In aller Frühe steht der Wassergenerator plötzlich still – die Ursache ist zum Glück rasch zu erkennen, ein Plastikband, so eines, mit dem man große Pakete verschnürt, hat sich um den Propeller gefädelt. Poldi steigt am Heck ganz außen auf die hochgezogene Gangway – brrr – und bekommt das unglaublich stinkende Ding schnell herunter. Wir sind übrigens immer angeleint und tragen die Rettungswesten, wenn wir aus dem Cockpit steigen.

 

Aufpassen muss man trotzdem, dass man nicht stolpert und sich verletzt. Wir wollen ja nicht übersät von blauen Flecken auf den Marquesas ankommen. Denn wer weiß, was das dort zu bedeuten hat. Ich lese gerade ein Buch über  Geschichte und Kultur dieser Inselgruppe; neben den schönen Künsten (Tätowierungen, Steinbildhauerei, Tapas) gab’s da nämlich noch viel Unappetitliches: Kannibalismus und Gewalt, und wer weiß, vielleicht suchen sie sich gerade die Segler mit den blauen Flecken als Menschenopfer aus. Vor einigen Jahren ist übrigens wirklich ein deutscher Segler auf Nuku Hiva ermordert worden, das dürfte allerdings keine kulturell-historischen Hintergründe gehabt haben.

 

Aber weg von den düsteren Gedanken, Eva und Hans schicken eine Meldung über das Satellitentelefon. Die beiden Niederösterreicher mit ihrem Kat „Tangaroa“ sind direkt von Panama aus losgestartet, hatten aber überhaupt keinen Wind, mussten tagelang motoren und haben daher gleich am Anfang ganz schön viel Diesel verbraucht. Ihr naheliegender Gedanke daher: In Galapagos zum Tanken  stoppen. Das ist  eine riskante Sache, denn man ist – das haben wir in Ecuador erfragt – total von der Laune des Hafenkapitäns abhängig, ob man für so einen Zwischenstopp  die gesamte Einklariererei  mit ihren hohen Kosten und der ganzen Bürokratie mit den  Nationalparkgebühren schlucken  muss oder ob auch ein Auge zugedrückt werden kann. In San Cristobal ist der Hafenkapitän offenbar mit dem rechten Fuß aufgestanden und hat das Tanken erlaubt. Die beiden waren aber auch rasch wieder unterwegs und wir tauschen seither jeden Tag Informationen über unsere Position aus.

 

27.2. 2019

 

Als ich um 01.30 aufstehe, um meine „Nachtwache“ (lesen  im Cockpit, der Handytimer läutet alle 25 Minuten, falls man einschlummert) antrete, regnet es. Erst sind wir begeistert, denn ein „Squall“ bringt auch mehr Wind. Leider aber nur für ein paar Minuten, dann ist er weg und wir müssen den Motor starten. Zwei Gewitter ziehen über uns hinweg, Blitz und Donner, aber kein Wind. Im Laufe des Tages gehen die Gewitter in Landregen über, das erinnert mich alles sehr an die Sommerferien im Salzkammergut. Etwas Wind kommt zurück und wir dümpeln mit Genua und Ballooner mit 4 Knoten dahin.

 

Als Trost beißt ein kleiner Thunfisch, der immerhin für zwei Mahlzeiten ausreicht.

 

Am Abend muss wieder der Motor herhalten, wir wollen weiter südlich, um endlich den „richtigen“ Passat zu erwischen. Dann versuchen wir’s wieder mit den Segeln und viel Geduld. Anscheinend hat  die Regen- und Flautenzone, die sich gerne um den Äquator herum ausbreitet, ihre Arme derzeit bis zu uns herunter ausgestreckt.

 

28.2.2019

 

Regen, Regen, Salzburger Schnürlregen. Um 11 muss trotzdem der Ballooner herunter, was fast eine Stunde dauert, weil er sich durch die Nässe kaum bewegen lässt, er klebt an der Genua und in der Nut, erst als Poldi es schafft, mehr Luft zwischen die Segel zu bringen, können wir ihn runter zerren.

 

Mittlerweile ist mir auch klar geworden, dass man sich ausziehen, nicht anziehen muss, wenn man im Regen draußen arbeitet. Abgetrocknet hat man sich schneller als das ganze Gewand getrocknet. Die vordere Nasszelle ist schon voll mit Sachen, die nicht trocknen, von meinen Haaren ganz abgesehen.

 

Aber windmäßig war der Segelwechsel ein Erfolg, bei halbem Wind sind wir flott unterwegs. Eva und Hans haben ebenfalls starken Regen, dazu aber weniger Wind – sie sind ja auch nördlicher unterwegs. So sind wir etwas getröstet und  kochen Osso Bucco, denn das Gemüse muss weg.

 

1.3.2019

 

Der dritte  Tag ohne Sonne! Und es regnet immer noch. Die Solarpaneele können nicht tätig werden und unsere eigene Energie lässt auch zu wünschen übrig. Da hilft nur Eines: Etwas reparieren.

 

Poldi lässt sich auf den Großmast ziehen (aber nur bis zur ersten Saling), denn dort hängt der Deckscheinwerfer runter. Mit gut fixiertem Scheinwerfer lässt es sich gleich wieder besser leben, vor allem, da kurz darauf auch noch ein Thunfisch beißt.

 

Aber das Glück dauert  nicht lange,  dann schläft der Wind ein. Wir warten und hoffen. Aber nichts tut sich, außer, dass das Schiff dasteht und  in alle Richtungen wackelt. Je weniger Vorwärtsbewegung, desto mehr Geschaukle. Wir haben  schon viele Erlebnisberichte über Flauten gelesen; der gute alte Moitessier hat sie stoisch tagelang abgewartet und derweil mit den Seevögeln geplaudert. Dazu fehlt uns aber die spirituelle Gelassenheit. Deprimiert sitzen wir im nassen Grau und haben das Gefühl, nun bis Hiva Oa motoren zu müssen. Da dies aber weder unserer „sportlichen“ Einstellung noch unseren (immerhin) 600 Liter Diesel entspricht, ruft Poldi über Iridium die Grib-files ab, um zu sehen, wo denn das schöne, windige Wetter derzeit zuhause ist. Und siehe da, es ist gar nicht so weit weg, ungefähr 100 Meilen südlich von uns. Eine Nacht lang mit dem Motor ist ja nicht so schlimm. Und es wird noch besser: Nach einer Stunde gibt es schon wieder 10 Knoten Wind, wir können einen angenehmen Halbwindkurs segeln und im Laufe der Nacht läuft es sogar immer besser.

 

Eine Flaute von zwei Stunden ist ja wirklich lächerlich,  aber  das Erlebnis, so bewegungslos mit im Pazifik zu sitzen, hat uns doch ganz schön verunsichert!

 

2.3.2019

 

 

 

Juhu, die Sonne ist wieder da! Die nassen Sachen kommen ins Freie, zum Glück haben wir zwischen Cockpit und Achterdeck  eine Stange, auf der man die nassen Trainingsanzüge flattern lassen kann. Und lüften kann man auch wieder! War auch notwendig, denn sowohl trockene als auch nasse Schmutzwäsche riechen nicht gerade betörend. Wir haben zwar eine Waschmaschine, die man mit dem Generator betreiben könnte, aber ich bin nicht sicher, ob sie die Schiffsbewegungen so gerne mag. Außerdem  fasst sie nur 2-3 kg, bei meinem Wäscheverbrauch komme ich da nicht weit. Also lieber den Wäschereien der Marquesas das Geschäft machen lassen und dem Wäscheberg in der Gästekabine beim Wachsen zusehen.

 

 

 

Zu Mittag stoßen wir mit einem gemischten Bier auf die ersten 1000 Meilen an und freuen uns einen faulen Nachmittag lang über die zurück gekehrte Sonne. Die Segel kann man in Ruhe lassen, der Speed passt.

 

Auch in der Nacht läuft es bestens, ich lese während der Wache zuerst im Marquesas-Buch. Ab 00.00 Uhr darf ich dann zur leichten Lektüre übergehen, ich habe mir in Ecuador noch die zwei letzten Dutzler-Altaussee-Krimis herunter geladen und mir vorgenommen, darin nur während der „Hundewache“ zu lesen, um sie auf 2-3 Wochen aufteilen zu können.

 

 

 

3.3.2019

 

 

 

Sonntag! Ich habe ihn vor einiger Zeit zum Putztag erklärt, vor allem im Hinblick auf die Böden und die Toiletten/Duschen – nicht, dass ich dazwischen nichts täte, aber mir gefällt es, zu wissen, dass die neue Woche mit einem sauberen Schiff beginnt!

 

Ich  komme allerdings in der Früh immer sehr schwer aus dem Bett, ganz anders als zuhause. Dort sitze ich aber auch nicht bis 2 Uhr im Cockpit.

 

Das Putzen bringt mich  wieder in Schwung, anschließend kochen, essen, Küche sauber machen, Mittagsschläfchen und schwupps ist der Tag schon fast vorbei.

 

Gegen Abend  ist Lesezeit, ich habe entdeckt, dass ich auf meinem I-Pad noch eine Wochenendeausgabe von den Salzburger Nachrichten habe, die sich offenbar vor dem Wegfahren in Ecuador  herunter geladen hat. So freut man sich auch einmal über eine zehn Tage alte Zeitung.

 

 

 

4.3.2019

 

 

 

Poldi liest gerade das vor Kurzem erschienene Buch über einen Segler, der vor 50 Jahren bei einer Rund –um-die-Welt-Regatta mit doppelter Logbuchführung eine erfolgreiche Reise vortäuschen und gewinnen wollte. Das Ende wird hier nicht verraten, denn es  gibt jetzt auch einen Film über diesen berühmten Fall. Jedenfalls war Skip deshalb in den letzten drei Tagen recht beschäftigt und ungewohnt ruhig.

 

Aber kaum ist am späten Nachmittag die letzte Seite zugeschlagen,  kehrt der nautische Optimierungsgeist zurück – die Halterung des Wassergenerators muss verbessert werden.  Sie ist in der letzten Woche schon zweimal  eingeknickt. Komische Geräusche macht das gute Stück leider auch, aber er arbeitet brav.

 

Auf der Suche nach einer nicht vorhandenen Originalschraube räumen wir diverse Schraubenkassetten aus der Backskiste und wie es bei mir halt immer wieder passiert, fällt mir eine offene Kassette kopfüber ins Cockpit. Mit dem Zusammensuchen von hunderten Schrauben und einem romantischen Sonnenuntergang geht der Tag produktiv (der Schleppgenerator ist mit Leinen gesichert) und stilgerecht (chilenischer Merlot) zu Ende.

 

 

 

5.3.2019

 

Die erste Nacht, in der keiner draußen im Cockpit  sitzt.  Eigentlich ist mir der Gedanke zuwider,  hinten in meinem gemütlichen Bett nichts davon mit zu kriegen, wie Wind und Wellen aussehen und was der Plotter sagt.  Ich lasse mich aber dann doch überzeugen, denn Poldi hat das Handy in der Koje, es zeigt  den Plotter und somit das Radar und AIS.  Er meint auch, man würde es auf jeden Fall auch im Bett hören wenn sich die Segelbedingungen ändern. Ich gehe also um 21 Uhr ins Bett und lese, mein Wecker klingelt um 0.00 und 6.00 Uhr zum Logbuchschreiben und Kontrollieren. Poldi legt sich  um 10 Uhr nieder und checkt um 3.00 Uhr.

 

Tatsächlich höre ich kurz nach 23.00 Uhr deutlich, dass der Wind weniger wird. Die Segel schlagen und das Boot schaukelt anders bzw. unregelmäßiger. Ich wecke Poldi, aber er hat auch keine Idee, was man tun könnte, am besten abwarten. Was sich gelohnt hat – eine Stunde später ist die normale Geschwindigkeit zurück und wieder mehr Ruhe im Schiff. Ich schlafe bis 6 und nach dem Logbucheintrag noch einmal mehr als eine Stunde blendend.

 

Am Vormittag bin ich auch nicht mehr so zerschlagen wie in den letzten Tagen, schlafen nützt eben doch!

 

Keine Ausrede also – die diversen Bilgen, gewisse Pappenheimer, werden gecheckt. Zum Glück alles trocken, aber ich muss überall rauswischen. Man wundert sich, wo der Dreck unter dem Fussboden immer wieder herkommt.

 

 

 

Eva fragt, ob wir eh als Zielort auch Hiva Oa haben, ihre Position schreibt sie aber nicht. Poldi vermutet, die Tangaroa hat jetzt Wind erwischt und die Regatta gegen uns gestartet!

 

 

 

6.3.2019

 

 

 

Nein, Tangaroa hält die Position nicht geheim – sie  meldet heute, wo sie ist, und zwar ist das nordöstlich von  uns, ein-zwei Tage entfernt.

 

Um unseren  konstanten Halbwindkurs halten zu können, sind wir auf einem Kurs, der schon etwas südlicher als die Marquesas enden würde; wir müssen in den letzten Tagen also wieder Richtung Norden.

 

Aber alles nicht so wichtig, das wichtigste: in der Früh hat ein Thunfisch angebissen – 9,7 kg, 88 cm lang! Er hat sich ganz schön gewehrt und bis wir die Portionen ( 4,5 kg Filet ) vakuumiert und eingefroren hatten, war es fast Mittag. Zum Mittagessen gab die erste Portion, mit kanarischen Salzerdäpfeln und scharfer Paprikasoße,  aber wir haben das Trum nicht weg gebracht, muss morgen aufgewärmt werden. Überhaupt ist unser Appetit nicht so großartig, kein Wunder, man bewegt sich zu wenig.

 

Kurz vor dem Essen stellt Poldi leider fest, dass eine der Schweißnähte, die uns Inoxtec in Martinique für die Halterung des neuen Genuafurlergetriebes gemacht hat, aufgegangen ist. Er stützt provisorisch mit Leisten ab, damit das Gehäuse nicht hinunter rutscht.

 

Die Abende sind inzwischen irgendwie lang geworden: Von den Tropen her waren wir gewohnt, uns um 18.00 Uhr gemütlich zum Sundowner zusammen zu setzen, manchmal mit wunderbaren, manchmal mit kaum sichtbaren Sonnenuntergängen. Natürlich  sollte es auch bei der Überfahrt dabei bleiben. Brav sitzen wir also um 18.00 Uhr beim Glas Wein (oder Bier) – aber wer fehlt, ist der Sonnenuntergang. Tja, wir bewegen uns Richtung  Westen, die Uhr ist aber immer noch auf ecuadorianische Zeit gestellt. Nach dem zweiten Glas ist es immer noch nicht dämmrig. Ein Blick auf die Hintergrundinformationen des Plotters ergibt: Sonnenuntergang  20 Uhr 26 !  

 

Also, die Sundownergewohnheiten mussten umgestellt werden. Der gemütliche Teil des Abends beginnt nun mit einem „Pre-Sundowner“ um 19.30, der Sundowner findet zum tatsächlichen Sonnenuntergang statt, wobei man jeden Abend hofft, einen „green flash“ zu sehen.

 

 

 

7.3.2019

 

 

 

Und natürlich habe ich das große Ereignis verschlafen! Um 6.00 Uhr früh war Bergfest! Das heißt, wir haben laut unserem Routing-Programm genau die Hälfte der Strecke zurück gelegt.

 

Eigentlich hatten wir geplant,  zu diesem Anlass Langusten von den San Blas Inseln zu verspeisen, aber leider ist gestern vom Thunfisch so viel übrig geblieben, dass die Langusten verschoben werden mussten. Da aber für morgen bereits Rindfleisch für ein Gulasch aufgetaut ist und auch das dazu gehörende Weißbrot nicht mehr so lange hält, müssen die Langusten wohl eher bis zur Dreiviertelfeier warten.

 

Das frische Gemüse ist inzwischen fast aufgebraucht. Überraschend schlecht haben die Paprika gehalten, die Avocados überhaupt nicht, die Zwiebel müssen in den nächsten Tagen auch aufgebraucht werden (daher das Gulasch). Erdäpfel, Knoblauch, Zuccini  und Limettten sind immer noch gut beisammen.

 

Zur Feier des Tages werden heute auch die Betten frisch bezogen, der Schmutzwäscheberg wölbt sich in der Gästekabine ohnehin schon zu einem Riesengebirge.

 

Nach fünf Tagen müssen die Segel verändert werden. Wir hatten schon fast vergessen, dass wir auf einem Segelboot sind. Der Wind kommt jetzt aber immer mehr von hinten und wenn wir das weiterhin immer nur durch Kursänderungen ausgleichen, landen wir am Südpol.  Vor-dem Wind-Besegelung ist also angesagt.

 

 

 

8.3.2019

 

Wir müssen noch einmal die Vorsegel wechseln. Diesmal aus einem sehr traurigen Grund   unser Ballooner, unser einziges noch zur Originalausstattung gehörendes Segel, hat einen Riss bekommen. In Martinique hatte ihn der Segelmacher anlässlich einer Reparatur schon sehr herablassend als „ziemlich morsch“  qualifiziert, wir haben ihn aber immer noch mit Erfolg eingesetzt –bis jetzt mitten im Pazifik, hier wurde dem alten Herren der permanente Winddruck  dann doch zu viel. Wo doch ein Leichtwindsegel hier so wichtig ist!

 

 Das hat uns die Laune ordentlich vermiest. Nun muss das Großsegel auf die eine, die Genua auf die andere Seite gespannt werden,  „Schmetterling“-segeln nennt man das.  Mit zwei ausgebaumten Vorsegeln wären wir wesentlich ruhiger und schneller unterwegs als mit dem Schmetterling. Nun  wackelt  das Schiff  zeitweise rechts-links-rechts-links-rechts-links. Entsprechend rutschen auch Besteck, Gläser und alles Zeug in den Laden und Schränken hin und her. Ein Glück, dass der gute alte Henri Amel alles mit Teppichmaterial auslegen ließ. Der berühmte Schiffsbauer war ja angeblich blind, vermutlich war er deshalb umso sensibler gegen Geräusche. Gegen das wellenbedingte Schlagen der Segel beim „Schmetterling“ hilft aber kein Teppich und wir müssen mit Tina Turner und Harry Belafonte dagegen arbeiten.

 

Eva und Hans schicken eine Mitteilung, dass ihnen auch das „Geschaukle“ schön langsam reiche – dabei haben sie ja einen Katamaran und ich habe immer wieder Geschichten gehört, dass man bei den Kats ohne Probleme eine offene Rotweinflasche am Tisch stehen lassen könne.

 

Zwiebel schneiden fürs Gulasch ist die Kür für die Meisterköchin der Instabilität. Aber es geht ohne Blut ab. Blöd ist es trotzdem, dass man nur zwei Hände hat. Auch mit diversen Anti-Rutsch-Unterlagen fliegt alles, was man nicht festhält oder festklemmt. Vor allem das Abwaschen und Küche-sauber-Machen dauert unter solchen Umständen doppelt so lange als zuhause.

 

 

 

9.3.2019

 

Wir hatten in der Nacht Besuch! Der erste nannte sich „Yolanta“ und war ein Fischer eine  Meile querab, diesmal sogar mit AIS. Poldi hat ihn angefunkt; seit zwei Wochen die erste menschliche Stimme für ihn, die nicht die meine ist.

 

Der zweite Besuch war nicht so nett: ein fliegender Fisch hat sich ausgerechnet vor unseren Navigationssitz geworfen, um sein Leben auszuhauchen. Dass diese kleinen stinkenden Viecher fliegen können, liegt daran, dass sie damit vor den Räubern flüchten können, die es auf ihr Leben abgesehen haben. Dieses Exemplar ist auf Nummer sicher gegangen und hat sich mit so einer Wucht ins Schiff geschmissen, dass das ganze Cockpit voller Schuppen war.

 

Poldi hatte die Leiche bereits in aller Frühe entfernt, damit ich nicht schon vor dem Kaffee einen hysterischen Anfall bekomme. Und das Cockpit wollte ich ohnehin schon seit zwei Tagen gründlich putzen. Gesagt, getan. Und an manchen Stellen mit viel Spülmittel;  unglaublich, dass so kleine Dinger solche Geruchsspuren hinterlassen können.

 

Olfaktorisch also alles wieder in Ordnung, nur ein wenig fad wird es schon. Heute sind wir genau zwei Wochen unterwegs, noch ungefähr zehn Tage Endspurt vor uns. Immer lesen geht auch nicht, Rätselhefte haben wir vergessen, mitzunehmen. Hätte auch nicht viel genützt, wenn es uns erst in Panama oder Ecuador eingefallen wäre, so gut hat sich unser Spanisch leider nicht entwickelt. Aber aufs IPad hätte man welche runterladen können – na ja, für den nächsten Pazifik!

 

Ich habe angefangen, mir französische  Segelvokabel rauszuschreiben und zu lernen,  wenn einem das jemand in der Schulzeit gesagt hätte, dass man im Alter so etwas einmal freiwillig macht….

 

Außerdem darf ich seit der Halbzeit nur mehr französische Bücher lesen, schließlich bin ich seit Martinique aus der Übung.

 

 

 

10.3.2019

 

Das Wackeln war heute Nacht sehr schlaffreundlich, zwischen unseren Kontrollterminen haben wir immer wieder fein geschlummert. War auch notwendig, denn heute ist Sonntag und Sonntag ist bekanntermaßen Großputztag.

 

Poldi hat sich vorgenommen, die in Ecuador durchgewetzte Festmacherleine an der kaputten Stelle abzuschneiden,  ein neues Auge einzuspleissen und wieder mit Leder zu überziehen. Das bringt  wieder den Ärger über diese Marina hoch, die man wirklich niemandem empfehlen kann.

 

Für den arbeitsreichen Tag wurden wir heute mit traumhaften wokenlosen Bikiniwetter belohnt. (Der Captain verzichtet manchmal sogar auf alles.)

 

 

 

11.3.2019

 

Puuhhh, war das eine Nacht – im Gegensatz zu gestern so viel  Bewegung im Schiff, wir haben beide kein Auge zugetan. Irgendwo habe ich einmal gelesen, das Gefühl müsse ungefähr so sein, als ob man in einer Waschmaschine stecke, und zwar im Hauptwaschgang.

 

Zu alldem macht der Wassergenerator in der Früh auf einmal keinen Mucks mehr. Das ist ein schwerer Verlust, denn bei Bewölkung und in der Nacht fehlt die Energie der Solarfelder, um die Batterien die laden. Heute früh mussten wir bereits den Dieselgenerator eine Stunde laufen lassen.

 

Die schlaflosen Stunden bringen aber auch viel Zeit für Kreativität. Beim dringend notwendigen Morgenkaffee erklärt mein Skipper, er würde das alte Großsegel aus dem hinteren Stauraum (unerklärlicherweise heißt der sowohl auf Englisch, Französisch als auch auf Deutsch „Lazarett“) kramen und wie einen Ballooner  fliegend setzen. Gesagt, getan, das klappt wirklich, wir sind jetzt mindestens 1,5 Knoten schneller und  die Bewegungen sind auch wieder etwas menschenfreundlicher geworden.

 

Unsere Besegelung sieht jetzt äußerst üppig aus, wie bei den alten Großseglern. Zwei weitere Segel hätten wir noch in Reserve, aber es fällt uns kein Platz mehr ein, wo man sie aufziehen könnte

 

Aber man darf nicht in Versuchung kommen, irgendetwas- sei es nur ein Buch – ungesichert  abzulegen. Zehn Minuten trügerische Ruhe und ein einmal – zack –mischt sich eine undisziplinierte Woge ein und alles Lose wechselt umgehend den Platz. Angeblich soll das ja jede hundertste Welle sein, wir haben es aber noch nie geschafft, diese These zu verifizieren.

 

 

 

12.3.2019

 

Wellenbewegungen wieder recht angenehm, strahlender Sonnenschein, zu Mittag  endlich die  San-Blas-Langusten mit Risotto, um den Beginn der letzten 1000 Meilen zu feiern. Wie bei einer Luxus-Kreuzfahrt!

 

Aber wann sollen wir auf die 1000 Meilen anstoßen? Ich habe eine meiner Armbanduhren auf  Marquesas-Zeit gestellt, also blicke ich derzeit auf drei verschiedene Uhren:  UTC (die internationale Zeit) zeigt 22 Uhr, unsere Ecuador-Bordzeit 17 Uhr, die Marquesas-Zeit  13.30 Uhr. Erinnert mich an den Sundowner-Spruch, der vor der Bar in der Shelter-Bay-Marina  riesengroß angebracht war: „It’s always  5 o’clock somewhere“.  Aber wir warten trotzdem noch noch eine Stunde mit dem Bier. Inzwischen zeigt der Plotter ohnehin nur mehr 950 zu bewältigende Meilen, es wird uns doch hoffentlich am Schluss nicht noch zu schnell gehen?

 

Aber wieder unter Menschen zu kommen, klingt verlockend, auch wenn die traute Zweisamkeit recht gemütlich ist.(Zumindest in einem 53-Fuß-Schiff)  Heidi und Gerald, die wir auf den Kapverden kennen gelernt haben, haben heute eine Nachricht geschickt, dass sie ihre Panamakanalpassage problemlos (warum bei den Anderen allen problemlos, nur bei uns nicht? Das nagt immer noch…) hinter sich gebracht haben und in ein paar Tagen Richtung  Marquesas los starten. Eva und Hans  mit der Tangaroa werden ungefähr zwei Tage nach  uns ankommen und Martin aus Tulln  ist auch schon seit einigen  Tagen unterwegs. Ein polynesisches Österreichertreffen wäre nett. Etwas Sehnsucht nach Tratsch hat man ja immer. Deshalb bin ich auch so besonders traurig, dass unser Kurzwellenfunkgerät nicht funktioniert. Extra für dieses Gerät habe ich mich durch die Amateurfunkprüfung gequält, damit wir auf überall auf der Welt an den Segler-Funkrunden teilnehmen können.
Aber wir hören auf den entsprechenden Frequenzen nur Rauschen. Die internationale Segler-Diagnosegemeinschaft, die wir natürlich auch schon zu Rate gezogen haben, meinte, dass eventuell der Motor der Gangway, der neben dem Antennenfuß  montiert ist, schuld sein könnte. Der Motor ist aber unterwegs ohnehin nie eingeschaltet. Und von dort weggenommen werden könnte er auch nicht. Also kann ich mein hart erworbenes OE3EMA-Kennzeichen niemandem zu Gehör bringen.

 

 

 

13.3.2019

 

Wieder so ein Kreuzfahrt-Tag! Schönes Wetter und angenehme Wellen. Poldi ist wieder in einem Buch versunken und ich überwinde mich dazu, endlich eine englische Zusammenfassung der letzten paar Homepageartikel zu schreiben, da fehlt nämlich noch alles seit unserer Rückkehr nach Panama im Dezember.

 

 Ich hatte ursprünglich den englisch sprechenden Bekannten versprochen, sie immer über kurze Zusammenfassungen auf dem Laufenden zu halten. Meist war ich aber zu bequem dazu und die Armen mussten sich mit dem Google-Übersetzer begnügen, was ja bekanntlich zu sehr absurden Ergebnissen führt.

 

Im Moment gilt die Ausrede nicht, keine Zeit zu haben. Wir genießen die stressfreien Tage. Wenngleich der Stress, einen Fisch zu zerlegen und einzufrieren, wieder einmal  recht willkommen wäre. Tagelang warten wir schon. Das Problem liegt meiner Meinung nach darin, dass beide Angeln kein akustisches Zeichen geben, wenn ein Fisch Leine zieht. Man ist mehr oder weniger darauf angewiesen, zufällig hin zu schauen und zu bemerken, dass sich die Route biegt. Neulich hat irgendein wahrscheinlich sehr schmackhafter Riese die gesamte Leine runtergezogen, wir sind einfach immer zu spät dran und entdecken dann irgendwann, dass wir einen Biss gehabt hätten.

 

Gestern hat Poldi versucht, mit einer leeren Bierdose ein Alarmsignal zu kreieren, in der Nacht ist ihm aber noch etwas Besseres eingefallen: Wir angeln jetzt mit Mausefalle. Von beiden Angeln führen Schnüre zu je einer Mausefalle, die bei Zug zuschnappt und deutlich „klick“ macht.

 

Bis jetzt allerdings noch nicht.

 

 

 

14.3.2019

 

 

 

Schwächeren Wind einige Tage vor der Ankunft hatten wir bereits in den Unterlagen vor der Abreise gesehen. Christiane, eine Hubschrauberpilotin aus Poldis ehemaliger  Staffel, hat uns vor zwei Tagen aktuelle  Vorhersagen geschickt und von 13-17 Knoten gesprochen. Leider hält sich Aeolos an die Untergrenze, manchmal  kann er sich nicht einmal dazu aufraffen, uns mehr als 10 Knoten zu überlassen. Im Prinzip ist es ja egal, ob wir einen Tag früher oder später ankommen, aber nervig ist es trotzdem, denn die Segel knattern und schlagen und wenn man bei den Logbucheinträgen eine Ziffer unter 6 Knoten eintragen muss, schämt man sich irgendwie.

 

Am Nachmittag leuchtet die 3000ste Meile auf dem Bildschirm auf. 3000 Meilen – ganz schön weit, aber im Nachhinein fragt man sich, wann wir das alles erledigt haben und wo die Zeit hingekommen ist.

 

Am Abend gönnen wir uns – der Dieselgenerator muss nun wegen des aufgefallenen  Wassergenerators zweimal am Tag laufen –  ein Fernsehstündchen (dank zwei voller Festplatten, aufgenommen in sieben Monaten Heimaturlaub) und gehen ermuntert von den Rosenheim Cops und von einer kurzfristig auftauchenden „7“ auf dem Speedmesser um Mitternacht (oder war es 20.30 h nach Marquesas Zeit oder 5 uhr früh nach UTC?) ins Bett.

 

15.3.2019

 

 

 

In der Nacht noch einmal ein Versuch, das Tempo zu erhöhen  - fliegendes Groß runter, Stagsegel rauf, Groß weg, denn der Wind dreht auch ein wenig zur Seite, aber in der Früh alles wieder zurück, der Wind kommt wieder von achtern und das fliegende alte Großsegel ist nach wie vor die bessere Lösung. Ach, wie schön wäre es, wenn wir unter all den Reservesegeln auch  einen Ballooner hätten! Was wir so von Bekannten hören und lesen, ist es aber typisch fürs Seglerleben, dass man immer das doppelt hat, was man nicht so dringend braucht!

 

Typisch ist auch, dass man trotz aller Gemütlichkeit und immer noch bester kulinarischer Versorgung zu fiebern beginnt, sobald die Zahlen am Plotter Land in Aussicht stellen. Heute früh tauchte erstmals die Zahl für die verbleibenden Stunden auf, die schaltet sich erst unter 100 ein.

Die Segelführer für Polynesien studieren wir bereits seit dem Auslaufen in Ecuador, die Beschreibungen und Skizzen des Ankerplatzes in Hiva Oa  werden verglichen und besprochen, zwei von drei Bücher sagen, man müsste dort auch einen Heckanker verwenden. Hans und Eva sind offenbar  auch aufgeregt,  lesen die gleichen Bücher und fragen via Satphone „werdet ihr mit Heckanker ankern?“ – wir nehmen uns vor, die Sache dort langsam anzugehen und erst einmal ein paar Runden zu drehen, bevor wir Entscheidungen treffen.

 

16.3.2019

 

…….und es hat „klick“gemacht.

 

Die Mausefalle  ist zugeschnappt und ein Wahoo war dran, 18 kg schwer und 157 cm lang. Genauso lang wie ich, aber ich bin dreimal so schwer.  Ist er untergewichtig? Oder bin ich übergewichtig? Kraft hatte er jedenfalls genug, er hat nicht nur sehr böse drein geschaut, sondern sich vehement gewehrt und dabei sogar die Angel abgebrochen. Und aus Rache der Natur ist im Zuge des Gefechtes auch die Gaff irgendwie verschwunden, die fest am Heck angebunden war.

 

 Jetzt ist erst einmal Schluss mit Fischen, oder vielleicht doch mit der kleinen Zweitangel ein kleine Goldmakrele….?... Nein, dem Skipper graust derzeit.

 

 Wahoos haben nämlich statt der Schuppen eine zähe, klebrige  Haut, deren Restbestände  er nur mit großer Mühe, viel Spülmittel und einer Stunde Arbeit von Reling, Solarträger, Schlachtbank (das ist ein multifunktionales Brett am Heck, das auch zur Fischzerteilung dient), und Body wieder runterrubbeln konnte.

 

Auf meine Frage, ob ich vielleicht gleich ein frisches Filet zum Mittagessen braten solle, höre ich nur ein abwehrendes „nein, nein“. Und für morgen eines im Kühlschrank lassen und nicht einfrieren? Wieder „nein“ – o je, was wird jetzt mit den vielen Kilo tiefgekühlten Filets  passieren, wo  auch noch fast 4,5 kg vom Thunfisch in der Kälte schlummern?

 

Bei unserem derzeitigen Tempo werden wir aber eh noch einige Menüs brauchen, bis wir in Hiva Oa sind. (Und dort ist das nächte Gasthaus auch 4 km vom Ankerplatz entfernt). Die 100-Stunden-Anzeige kommt und verschwindet abwechselnd, je nachdem, was das kleine Männchen im Computer entsprechend unserem derzeitigem 5-Knoten-Tempo aktuell hochrechnet.

 

 

 

17.3.2019

 

Die Zweitangel ist schon wieder draußen…. Mit einem entzückenden kleinen pastellfarbenen Köder, der optimal für kleine Goldmakrelen sein soll.  Zu Mittag bevorzugt der Skipper trotzdem Chili con Carne statt dem immer noch im Kühlschrank auf  kurzfristigen Verzehr harrenden Wahoo-Filet.

 

Wir haben uns so auf ungefähr 6 Knoten eingependelt,  das kleine grüne Männchen sagt „ 42Stunden bis zur Ankunft“ und ich werde schön langsam nervös. (Der Captain ist natürlich nicht nervös. Sagt er.) Soll ich heute noch Haare waschen oder doch besser morgen? Was ziehe ich beim Ankern an? Da schaut einem ja immer das ganze Ankerfeld interessiert zu und gibt Kommentare ab.

 

Aber Sonntag bleibt Sonntag. Ich erfülle meine Putzpflicht, Poldi poliert Edelstahl-Kleinteile und am Nachmittag liegen wir  im Cockpit und schauen den kleinen weißen Wölkchen zu, die ein wenig schneller als wir mitten in dieser blauen Welt Richtung Westen wandern. Tja, übermorgen ist es also aus mit dem faulen Kreuzfahrt-Herumliegen. Der Ankerplatz-  Einklarierungs-Internet- Besichtigungs-und Reparatur-Alltag wird wieder in unserem Leben Einzug halten.

 

Wir sind gespannt, wann wir das erste Schiff sehen. Seit Yolanta damals in der Nacht ist uns keines mehr untergekommen. Dabei sind wir nur mehr 200 Meilen vor den Marquesas!

 

 

 

18.3.2019

 

Vermutlich unser letzter Tag! Die Zeit ist wirklich schnell vergangen – jedenfalls sieht man das ja meistens rückblickend so.  Jetzt fallen mir noch so viele Dinge ein, die man in dieser langen Zeit hätte erledigen können – zum Beispiel einige Fächer  ausmisten und neu einräumen, die“gefallene“ Schraubenkiste neu sortieren, noch-immer-nicht-Sattelfestes aus den Segelkursskripten studieren und natürlich endlich die ein Leben lang bereits aufgeschobenen Bücher lesen, den Zauberberg zum Beispiel und den Mann ohne Eigenschaften. Alles nicht passiert – zu viele Mittagsschläfchen? Zu lange in den Himmel geschaut und die Gedanken treiben lassen? Aber wann kann man das schon so ausgiebig?

 

Gegen Abend zeigt uns der Wind noch einmal, dass er auch drehen kann; das fliegende Groß kommt herunter, die Genua auf die andere Seite. Schneller werden wir dadurch nicht, aber  die Bewegung wird ruhiger. So beginnt noch einmal eine Nacht, in der wir permanent Wache gehen – schließlich muss doch irgendwo einmal ein Schiff auftauchen, auf das man aufpassen muss! In meiner Schicht bis 2 Uhr (Ortszeit) ist jedenfalls keines zu sehen, nur gleißendes Mondlicht, es wird gar nicht richtig dunkel, da würde man sogar den kleinsten Kahn ohne Radar erkennen. Also kann ich mich  meinem so lange aufgesparten zweiten Dutzler-Buch widmen. Poldi übernimmt und sieht ebenfalls keine Boote, aber sieht etwas Anderes, denn um 6 Uhr Früh dröhnt es laut durchs ganze Schiff „Land in Sicht“! Ich taumle auf und hüpfe ins Cockpit – tatsächlich, ganz weit links vorne Fatu Hiva und rechts  Hiva Oa.  Sie sind noch weit draußen am Horizont, aber wir brauchen schließlich auch noch fünf Stunden.

 

Angeblich soll entlang der Küste von Hiva Oa noch einmal gefischt werden – hmm, in der ganzen Aufregung möchte ich eigentlich keinen Fischkampf mehr erleben!

 

 

 

 

 

Resumée

 

So ist das also  mit dem Pazifik – er hat sich auf seiner längsten Etappe wirklich seinem Namen entsprechend  friedlich gezeigt. Die paar Regentage zu Beginn waren zwar etwas ärgerlich, aber dafür sind wir den Rest der Zeit mit herrlichem Sommerwetter belohnt worden. Und es war sehr heiß. Wenn ich an die Fotos von unserer ersten Pazifiktour 2006 denke –da waren wir häufig  in Trainingsanzügen zu sehen. Das war allerdings im Mai, im südlichen Herbst.

 

Der Wind bekommt für seine Leistung fast eine Eins, der Passat hat früh eingesetzt (auch dank unserer südlicheren Route) und war  bis auf den einen Tag, an dem wir uns so verunsichern ließen,  recht beständig. In den letzten zehn Tagen wurde er etwas müde – bei 10-12 Knoten Wind war auch unser Tempo recht gemächlich.

 

Die Wellen  waren wesentlich niederer als im Atlantik, manchmal sogar Ententeich, aber immer wieder unterbrochen von chaotischen Spielereien, die uns – vor allem beim „Schmetterling“ ganz schön wackeln ließen. Der Halbwindkurs der ersten Hälfte war um Vieles ruhiger. Hätten wir den Ballooner bis  zum Ende verwenden können, wären wir vermutlich zwei Tage schneller gewesen und  hätten die links-rechts-Tanzereien der Yin Yang  sehr wesentlich eingeschränkt. Aber gut, ich hab mich trotzdem beim Kochen nicht in den Finger geschnitten und es ist kein edles Glas (haben wir eh nicht) zu Bruch gegangen.

 

Die Technik hat gut durchgehalten – nur die Sache mit dem Wassergenerator ist sehr blöd, denn die Solarfelder allein reichen in den Tropen (nur 12 Stunden hell, da waren die langen Sommertage im Mittelmeer  schon viel effizienter)  zum Batterieladen nicht ganz aus, da muss hin und wieder der Generator herhalten. Von außen ist  am Duogen nichts zu erkennen,  Poldi  wird versuchen, ihn in nächster Zeit zu öffnen, wenn er ihn  nicht selbst reparieren kann, wird es wohl bis Neuseeland dauern, um dieses englische Spezialgerät wieder in Gang zu bringen.

 

Mit den Lebensmitteln sind wir mehr als gut ausgekommen, die Tiefkühltruhe ist – unter anderem auch durch die Mitwirkung von Thun und Wahoo – immer noch voll,  von den frischen Sachen haben wir gestern die letzte Zucchini, Zwiebel und Zitrone verbraucht. Bier, Erdäpfel, Nudeln  Reis und Mehl gäbe es noch so viel, dass wir bis Neuseeland weiterfahren könnten. Nur mit den Keksen sieht es schlecht aus. Aber ich wollte ja immer schon wissen, wie die Kekse in Polynesien schmecken, also machen wir doch lieber hier Station.

 

Lagerkoller haben wir auch keinen bekommen – das ist neben unseren bekannt vorbildlichen Charakteren auch der Super Maramu zu verdanken. Sie hat wieder einmal gezeigt, dass sie ein optimales Fahrtenschiff ist. Viel Platz (für zwei Leute jedenfalls), viel Stauraum  für zahllose Paletten Bier, Mineralwasser und  Cola, 600 Liter Diesel, 900 Liter Wasser plus Wassermacher,  die wichtigsten Segel elektrisch zu bedienen  und und und …………danke, liebe Yin Yang!

 

 

Salinas, Ecuador, 18. 2. 2019

 

 

 

Ausgeräuchert und durchgeschüttelt

 

 

 

 

 

Nein, wir haben es nicht getan, wir haben in Ecuador kein Meerschweinchen gegessen! Und auch keinen Strohhut gekauft. Und von Lamas wurden wir auch nicht bespuckt. Überhaupt ist unser Aufenthalt hier in der Marina Puerto Lucia nicht ganz so touristisch verlaufen wie gedacht. Was wieder einmal zeigt, dass Segeln und Reisen nicht immer unter einen Hut zu bringen sind.

 

In einer Woche ist unser Aufenthalt in diesem sehr abwechslungsreichen Land auch schon wieder vorbei und wir machen uns auf den Weg Richtung Südsee.

 

 

 

Per Mail haben wir uns ja bei Euch  nach unserer Ankunft in Ecuador  kurz gemeldet und berichtet, wie schön das Segeln von Panama hierher war – kaum Wellen, guter Wind – rasch und ruhig, so ist man gerne unterwegs! Der Empfang in der Marina war äußerst freundlich, kein Wunder, denn Segler auf der Durchreise gibt es hier kaum. An den wenigen Liegeplätzen sind hauptsächlich Motorboote zum Hochseefischen verheftet, die hin und wieder mit Gästen zum Fischen und Feiern ausfahren. Sonst ist hier nichts los. Auch für die Einklarierungsbehörden ist eine  Yacht mit Besuchern aus dem fernen Österreich deshalb  eine nette Abwechslung – vor allem, wenn zu vermuten ist, dass man Bier aus Panama an Bord hat. Bier aus Panama ist hier Kult, das haben wir noch rechtzeitig erfahren. Zum vereinbarten  Termin  saßen also rasch vier männliche Beamte plus ein  fesches Mädel von der Immigration vor den grünen Dosen rund um unseren Tisch und raschelten mit kiloweise Papier. Zum Glück gehört es zum Service der Marina, das die englischsprechende Bürokraft Diana die  Einklarierungs-Organisation und das Ausfüllen der Formulare in die Hand nimmt, sodass wir uns nur ums Bier kümmern mussten. Alle waren freundlich, nur die Gesundheitsbehörde ist hier recht heikel (paradox, denn ein einziges Essensstandl am Straßenrand hat hier wahrscheinlich fünf Milliarden mehr Keime als die Yin Yang), ließ sich aber fast zufriedenstellen, nachdem Poldi den von Mann zu Mann ins Ohr geflüsterten Wink nach je einem Bier als Wegzehrung positiv erledigen konnte. Nur Eines war unverzeihlich: wir hatten keine Beleg, dass unser Schiff irgendwo in den letzten drei Monaten von einem Kammerjäger ausgeräuchert worden war.  Aber dieser europäischen Nachlässigkeit konnte für 150 Dollar nachgeholfen werden. Gleich am nächsten Morgen stand ein Profi mit voller Ausrüstung vor der Tür und besprühte und vergaste alles, was da eventuell hätte kreuchen und fleuchen können. (Meine beiden Stofftiere wurden in eine ganz dichte Tasche verpackt, besser Luft anhalten als vergiften). Wir mussten uns zwei Stunden vom Schiff fern halten und kennen nun das befreiende Gefühl völliger Fungizidierung. Lieber wäre es uns allerdings gewesen, man hätte das vor unserer Weiterfahrt gemacht und damit auch gleich die ecuadorianischen Keime und Gelsen vernichtet.

 

Sauber und behördlich akzeptiert konnten wir nach zwei „Quarantäne“-Nächten an der Boje  schließlich unseren reservierten und teuer bezahlten Liegeplatz in Anspruch nehmen. Der leider all das bietet, was wir nicht wollen: 110 Volt und unglaublichen Schwell. Die 110 Volt in 220 zu ändern, schafften die Werftarbeiter rasch durch unbürokratisches Entfernen einer Sicherung, aber das Schiff  ruhig und in  Balance zu halten, ist nicht zu schaffen. Dafür ist der ganze Hafen einfach zu sehr verbaut. Da hatte irgendein Investor die  Idee, einer Hotelanlage einen Beachklub und einen Yachthafen hinzuzufügen, ohne irgendetwas von den Anforderungen einer Marina zu wissen.  Ebbe und Flut tragen das ihre dazu bei; die Schwimmstege ächzen und stöhnen und die Schiffe bewegen sich vor und zurück, links und rechts, auf und ab. Zwei unserer Festmacherleinen sind bereits gerissen, man muss ständig auf der Hut sein um die Leinen umzuorganisieren und neu zu belegen, sonst würde man   immer wieder am Anleger oder bei den Nachbarn anstoßen. Nicht einmal am Steg kann man in Ruhe gehen. Da die Leinen  wegen der Tide hoch über den Schiffen an der Mauer befestigt sind, muss man sich seinen Weg durch die kreuz und quer gespannten Leinen bahnen, die sich ganz unregelmäßig auf und nieder bewegen. Erinnert mich an das „Tempelhüpfen“ unserer Kindheit. Beschwipst nach Hause kommen geht also nicht.

 

 

Unter diesen  Bedingungen war an eine gemeinsame Ecuador-Rundreise nicht zu denken. Die Yin Yang kann hier nicht alleine bleiben. Und da meine technisch-maritimen  Fähigkeiten nicht allzu krisensicher sind und sich  Poldis Blutdruck bei den Worten „Wandern“ und „Inkaruinen“ ohnehin gleich  auf 200 erhöht, fiel das glückliche Los auf mich, eine (allerdings verkürzte) Reise antreten zu dürfen.

 

Nach langem und intensivem Studium des Wetterberichts entschied ich mich schweren Herzens, den Norden, also Quito und die berühmten Vulkane, fallen zu lassen und in den milden, derzeit etwas trockeneren Süden zu fahren. Ecuador ist ungefähr so groß wie Deutschland, also hatte ich mich - im Vergleich - zwischen der Nordsee und Oberbayern zu entscheiden, denn um beides sinnvoll zu bereisen hätte ich mindestens drei Wochen gebraucht. Und die Chance, den Cotopaxi und den Chimborazo meiner Träume wegen Wolken und Nebels überhaupt nicht zu Gesicht zu bekommen, war groß.

 

Also auf nach Cuenca, der drittgrößten Stadt Ecuadors, die schließlich auch viel hübscher sein soll als Quito. Und der Cajas Nationalpark hatte mich ohnehin nach der Lektüre mehrerer Reiseblogs schon in seinen Bann gezogen. Als Reisender bewegt man sich in Ecuador billig und bequem mit dem Bus. Die Busbahnhöfe sind riesig, sauber, modern und übersichtlich, die Überlandbusse bequem, pünktlich und vertrauenswürdig. Für eine fünfstündige Fahrt ist man mit 8 Dollar dabei. Sehr weit kommt man in fünf Stunden allerdings nicht. Da hat die Geologie Einiges mit zu reden. Die Straßen sind zwar prinzipiell in einem guten Zustand, aber sehr, sehr steil. Von null Meter am Meer auf 3000-4000 Meter in den Anden zieht es sich schon ein wenig. Autobahnbrücken gibt es keine, also werden die Täler per Serpentinen überquert, 70 Kurven hinunter, 70 Kurven hinauf, 30 Kurven hinunter etc etc. Ein Glück, dass mein Magen vom Segeln abgehärtet ist!

 

Ja, wie schaut das Hochland nun wirklich aus?  Ich getraue mich gar nicht allzu sehr zu schwärmen, damit mein armer Mann nicht traurig ist. Es ist wirklich sehr schön und sauber, gute Luft, nette Leute – und, das fand ich besonders angenehm – die Menschen, indiostämmig, sind alle sehr klein. Wenn ich so durch Cuenca bummle, fühle ich mich richtig groß! Das erste Mal in meinem Leben, dass ich nicht zu fast allen anderen aufschauen muss. So einfach kann man mir eine Freude machen!

 

Die Altstadt von Cuenca ist noch zu fast 100% original spanisch; kein Erdbeben und kein Investor hat da dazwischen gefunkt.  Allerdings würden sehr viele Häuser mehr Zuwendung brauchen, um noch weitere Jahrhunderte zu überstehen. Viele der alten Bürgerhäuser mit ihren schönen Innenhöfen wurden zu Hotels und Cafés umgebaut , so auch das „Café Mozart“ und das „Café Austria“.  Die Wohnungen  der Einwohner liegen allerdings zum Großteil in den neueren Teilen der Stadt, in den grünen, luftigen Vororten oder auch in „Gringotown“mit seinen modischen Appartmenthäusern, wo sich viele amerikanische und kanadische Rentner niedergelassen haben, um Winterstürme gegen ewigen Frühling zu tauschen. Ein wunderschönes Museum über die verschiedenen Indiostämme und deren Geschichte war ebenso ein Muss wie ein Ausflug zu einem unvermeidlichen Markt (wo man die Leute nur von hinten fotografieren durfte, um ihre Privatsphäre zu wahren) und zur Ruinenstadt Ingapirca, die eine Kultstätte der Canaren war (das ist der heute noch existierende Indiostamm dieser Gegend) . Im 15. Jahrhundert konnten die Inkas bei Ihren Feldzügen gegen Norden aber auch von dieser Stadt nicht die Finger lassen und machten sich dort breit. Kein Wunder bei dieser herrlichen Lage, 20 Grad auf fast 4000 Meter und ein Bergpanorama, das selbst dem Alpenbewohner das Herz aufgehen lässt.

 

Im Unterschied zu den Alpen sind die Anden bis über 4000 Meter hinauf grün, bewohnt, landwirtschaftlich genutzt und voller schöner Blumen. Die Silhouetten der Berge sind – zumindest dort, wo ich war – rund und sanft, in  klares, helles, scharfes Licht getaucht, so ähnlich wie bei uns bei Fönwetter. Meistens. Außer es regnet einmal zufällig und ist nebelig. Ich habe für solches Wetter ja wirklich ein Händchen. Wie letztes Jahr in Martinique am Pélé so war auch  im von mir so heiß ersehnten Cajas Nationalpark nichts von den berühmten Ausblicken zu sehen, sogar die Lamas hielten sich irgendwo im Trockenen versteckt. Aber ich konnte immerhin meinen neuen Anorak testen. Ja, er hielt auch im strömenden Regen trocken! 

 

Um nicht total frustriert an die Küste zurück zu fahren, folgte ich  einem Tipp des Wanderführers und fuhr  noch weiter in den Süden, nach Vilcabamba, ins Tal der Hundertjährigen. Dieses liegt nur auf 1500 Meter und das Klima soll dort so gesund sein, dass ein Großteil der Einwohner in bester Verfassung über 100 Jahre alt wird. Allerdings zeigte kürzlich eine wissenschaftliche Langzeitstudie, dass  die Einwohner vor allem beim Schummeln sehr robust sind. Personen, die bei der Ersterhebung 70 Jahre alt waren, gaben fünf Jahre später an, sie seien  85 und  wiederum fünf Jahre später waren sie bereits über 100. Als Werbegag eignet sich die Geschichte allemal, von den Amerikanern und Kanadiern dürfte sie auch geglaubt werden, denn jeder fünfte Einwohner kommt auch hier aus diesen Ländern und es gibt eine große Auswahl an Hotels und Pensionen. Ich verbrachte drei herrliche Tage in einem Hotel von Deutschen (es geht nichts über das deutsche Organisationstalent; wie sehr man sich doch im Ausland freut, wenn alles so pünktlich und ordentlich abläuft!) und bin in der Sonne gewandert, ohne Anorak, habe die Blumen betrachtet, die Kühe zu überreden versucht, wenigstens ganz kurz einmal den Wanderweg für mich freizugeben und habe mir die Berge gut eingeprägt, denn schon sehr bald dominieren wieder Wasser und Wellen.

 

 

Die Windvorhersagen Richtung französisch Polynesien sind seit Wochen etwas flau, aber noch lange in dieser Marina (andere gibt es nicht) liegen zu bleiben, bringt auch nichts – bei diesem Gehüpfe hier wird man ja leichter seekrank als am offenen Meer. Wir haben jetzt einmal den kommenden Samstag als Abreisetag ins Auge gefasst und werden bis dahin alles vorbereiten, sprich putzen und einkaufen. Poldi hat ja in dankenswerter Weise während meiner Reise einiges repariert und optimiert und die Technik auf Hochglanz gebracht, ich werde das jetzt mit der Küche tun.

 

  Als wir vor 13 Jahren auf der „Oase“zum ersten Mal über den Pazifik gesegelt sind, haben wir in Galapagos Station gemacht, das werden wir diesmal auslassen. Die Schikanen und Gebühren für Privatboote haben inzwischen so ein Ausmaß erreicht, dass wir richtig froh sind, schon dort gewesen zu sein und an den Inseln jetzt vorbei segeln zu können. Dafür müssen wir allerdings mit einer Überfahrt von ca 4 Wochen rechnen, von Galapagos aus haben wir damals nur 3 Wochen gebraucht.

 

Französisch Polynesien ist groß und  wo wir im Endeffekt genau landen, überlassen wir dem Wind. Einige unserer Bekannten sind dabei, sich demnächst von Panama aus auf den Weg zu machen und man könnte sich vorstellen, dass wir allesamt auf den Marquesas-Inseln landen. Man wird sehen. Die 6400 km werden also in jeder Hinsicht eine Fahrt ins Blaue – das genaue Ziel ist unbekannt und wer  sich die Strecke von Ecuador nach französisch Polynesien anschaut, sieht, dass es sich um den absolut blauesten Teil des Globus handelt – überall Wasser!

 

 

 

Bevor wir endgültig losfahren, melden wir uns noch einmal kurz per email. Leider haben wir keinen Trackingdienst mit dem wir per Internet zu verfolgen  wären.  Ihr könnt uns also sozusagen nur mit Euren Gedanken im Auge behalten!

 


 

Ein Knall im Kanal                                25.01.2019

 

Der Papst ist auf Besuch in Panama. Unter Aufsicht des Pontifex hätte unsere Kanaldurchfahrt eigentlich tip-top funktionieren sollen. Aber aus irgendeinem Grund hat uns sein Segen nicht erreicht. Dass uns die Webcam in ihrem Bildausschnitt nicht gezeigt hat,  wäre ja  noch zu verkraften gewesen, dass uns aber ein wahnsinniger Engländer das Heck beschädigt hat, trifft uns schon sehr. Aber der Reihe nach…

 

Ausgerüstet mit den Spezialfendern und –leinen für den Kanal, mit winkendem Abschiedskomitee am Steg und erwartungsfroher Mannschaft verließen wir am Sonntagnachmittag die Shelter Bay Marina. Als Mannschaft  benötigt man für den Kanal vier „linehandler“, die in den Schleusen die Leinen bedienen. Da man fast immer mit anderen Booten, meist Seglern, zusammen gebunden wird, braucht man eigentlich nur zwei ‚operative‘, die wirklich anpacken können. Bei uns waren das Martin aus Tulln, der im Februar durch den Kanal geht und Omar, den wir bei unserem Agenten „geliehen“ haben, ein erfahrener und umsichtiger junger Mann.  Als „proforma“-Linehandler agierten ich (auch als Köchin) und ein Mädchen aus Kenya, deren  Freund in der Shelter Bay an seinem Boot bastelt.

 

Frohen Mutes machten wir uns auf den kurzen Weg zum Treffpunkt mit dem „adviser“ der Kanalbehörde, der an Bord kommt und erklärt (oder befiehlt; je nach Typ), was man  darf, muss, tun oder lassen soll. Gleichzeitig trifft man die Schiffe, mit denen man gemeinsam schleust. Da kam schon  zum ersten Mal ein gewisses Herzklopfen auf. Von Weitem war am vorgesehenen Platz  ein Oldtimer zu sehen, ein Gaffelschoner mit beidseitig weit über die Schiffsbreite hinaus ragendem  Rigg. O nein, bitte nicht…..ja, leider doch, es war unser Nachbar und Poldi musste mühsam die Yin Yang so rangieren, dass der Oldie nicht bei uns einfädelte. An die andere Seite des schweren Holztrums wurde ein ziemlich leichter, nicht allzu großer Katamaran gebunden, was unserem linehandler Omar schon die ersten Sorgenfalten auf die Stirn trieb.

 

 

In der ersten Schleusenkammer blies der Wind ganz ordentlich und wir mussten die Heckeine sogar über unsere Elektrowinsch laufen lassen – Martin und der Winschmotor ächzten um die Wette. In den nächsten beiden Schleusenkammern wurde der Wind schwächer und die Winsch hatte Pause. An der Übernachtungsboje am Gatunsee wurde der Adviser  abgeholt und wir machten es uns bei Hühnercurry, Kuchen und diversen Getränken gemütlich. Schließlich mussten wir fast  bis Mitternacht durchhalten, denn die Mondfinsternis war  wirklich schön zu beobachten.

 

Der zweite Tag begann bereits ohne Papstsegen. Die Adviser kamen mehr als eine Stunde zu spät. Das musste mit Vollgas aufgeholt werden, denn bis zu den „bergab“-Schleusen fährt  man erst einmal ein paar Stunden über den Gatun-See . Strömender Regen, alle unsere Anoraks wurden verteilt, ich verzog mich erst einmal in die trockene und warme Küche, um das Mittagessen vorzubereiten. Nach einer Stunde war der Regen vorbei und unser Adviser merkte endlich, dass die beiden Kollegen hinter uns mangels Motorkraft gar nicht mehr zu sehen waren – also einbremsen, und zwar bis zum Leerlauf. Warum so ein Durcheinander? Weiß niemand!

 

 

Schließlich erreichten wir nach längeren Wartephasen die Miraflores-Schleusen. Wieder warten. Wir nützten die Zeit, um die Homepage mit der Webcam zu checken – o je, ein ganz anderer Bildausschnitt! Wir lagen ganz vorne bei den Schleusentoren und waren nicht zu sehen. Zu sehen gab’s aber trotzdem Einiges:  Aufgrund der Weltjungendtage (Grund für den Papstbesuch) waren die Terrassen des Besucherzentrums überfüllt mit singenden, jubelnden, winkenden Jugendgruppen. Zu hören gab’s dann auch gleich etwas- einen plötzlichen Knall, denn beim Katamaran war die Klampe, durch die die Heckleine lief, gebrochen. Die Leine am Kat wurde auf der Klampe in der Mitte belegt. Das brachte das ganze Päckchen aus dem Gleichgewicht. ‚Unser‘ Omar versuchte, die drei Adviser auf die Folgen hinzuweisen, aber vergeblich. In der letzten Schleuse passierte es dann – ein lautes Schnalzen und auch die mittlere Klampe des Kats verbog sich. Wer von den Briten da drüben anschließend auf die Idee kam, die Leine ganz runter zu nehmen, ist unbekannt. In Sekundenschnelle standen wir alle drei quer  und sausten in Richtung der Schleusenwand auf unserer Seite. Der Knall ging durch Mark und Bein und riss sogar die Adviser aus dem Dämmerschlaf. Poldi checkte kurz den Schaden (ein Knick im Bügel, der die Solarpaneele trägt und zwei 15 cm lange Risse im Kunststoff oberhalb der Wasserlinie) und war mit drei Sprüngen drüben beim Übeltäter um ihn nicht gerade freundlich zur Rechenschaft zu ziehen. Das machte zwar nichts ungeschehen, ließ aber etwas Dampf ab.

 

Jedenfalls wurde der Unfall von der Behörde aufgenommen, der Hafenmeister kam an Bord, ließ sich alles schildern und klärte uns über die rechtliche Situation auf: Wenn wir den Fall versicherungsmäßig verfolgen wollten, müssten wir uns einen Termin für eine Anhörung geben lassen und dürften dann die Gewässer von Panama City bis zum Abschluss des Falls nicht verlassen.  Wir versuchten daher, auch auf Anraten unseren Agenten, uns erst einmal friedlich mit dem Briten zu einigen und fuhren am nächsten Morgen mit dem Beiboot in kooperativer Absicht  zu ihm, schließlich würde es sich ja nur um einen einfachen Haftpflichtversicherungsfall handeln. Meinten wir. Denn er wollte weder seinen Namen noch seine Versicherung nennen. Aber im Balboa Yacht Club hätte  er doch seine Papiere vorweisen müssen. Meinten wir.  Doch hat er auch dort nichts hinterlassen sondern wollten seine Daten mailen. Tat er aber nicht. Warum er sich so geheimnisvoll gibt, ist uns inzwischen klar geworden. Das Schiff gehört Sunsail, dem größten Bootsvercharterer weltweit, mit Sitz in England. Er selbst ist ein Überstellungsskipper, der den Kat zur Sunsail-Basis in Tahiti segelt. Und – claro – er möchte nicht, dass sein Auftraggeber erfährt, dass er im Panamakanal einen Unfall verursacht hat. Unser Agent wäre nun bereit, über die Kanalbehörde die Versicherungsdaten ausfindig zu machen, aber für uns macht das eigentlich wenig Sinn. Es müsste ein Sachverständiger kommen, der den Schaden schätzt und wer weiß, wie lange das dauert. Und im Grunde könnte eine Werft den Schaden nicht anders reparieren als wir selbst- mit Epoxy und Matten. Beim Schiff kann man ja leider nicht einfach den Kotflügel austauschen wie beim Auto.

 

 

Aber es gibt nicht nur Ärgerliches  aus den Annalen unserer Kanaldurchquerung:  Sofort, nachdem wir in Balboa an Land gingen, stießen wir auf unseren neuseeländischen Rigger! Der war natürlich überhaupt nicht erfreut über diese Begegnung. Vor allem, da Poldi ihm klar machte,  er würde diesen Platz nicht verlassen ohne die 200 Dollar, die er uns für die Anpassungsarbeiten seiner falschen Want-Bestellung noch schuldete. Da er in Balboa gerade auf einem Schiff arbeitete, brachte Poldi ihn dazu, von dessen Besitzer einen Vorschuss von 200 Dollar zu kassieren! Puh, war der Kiwi froh, uns los zu sein!   Wir liegen jetzt in Panama City vor Anker, bis auf die papstbedingten Staus und die deshalb auch überfüllten Restaurants und Einkaufszentren ist es recht schön hier. Man schaut auf die eindrucksvolle Skyline, die vielen Segler, das bunte Museum von Frank Gehry und genießt Steaks – übrigens  im selben Lokal wie vor 13 Jahren, als wir mit der „Oase“ nach Tahiti unterwegs waren.

 

 

 

 


16.01.2019 

Shelter Bay Marina Panama 

 

Sieben Monate Urlaub – klingt wunderbar – war es auch. Sieben Monate in Österreich, wo bekanntlich der Strom aus der Steckdose kommt, die knusprige Stelze lockt und Poldis Schulter operiert werden konnte. Aber allzu viel Bequemlichkeit ist ungesund und das Abenteuer ruft!

Seit 8. Dezember heißt es also in Panama wieder Deck Putzen und Edelstahl polieren statt Rasenmähen und/oder Schnee Schaufeln. Statt der heimischen TV-Unterhaltung bieten uns nun die diversen Elektro-Benzin- und Dieselmotoren tägliche Rätselshows. Zur Belohnung für die Mühe haben wir aber rasch einen Termin zum Passieren des  Panamakanals bekommen. Am 20. Jänner ist es so weit!

 

Mit drei Reisetaschen voller Geschenke (Ersatzeile) für die Yin Yang zogen wir erst einmal ins Hotel der Marina. Am nächsten Tag waren wir bereits im ersten Morgengrauen am Schiff um zu sehen, wie es die lange Zeit am Drockendock im feuchten Klima Panamas überstanden hatte. 

Freudige Überraschung: Innen alles trocken und sauber! Die Investition in das von der Marina angebotene Service inklusive riesigem Luftentfeuchter und regelmäßiger Kontrolle hat sich also gelohnt. Denn das Risiko, sich in so einem Klima Schimmel einzufangen, ist groß.

 

 

Nach der Freude folgten die Mühen. Die Liste der Arbeiten, die einem nach so einer langen Abwesenheit blühen, wird die nicht-segelnden Homepageleser vermutlich nicht dazu motivieren, zum Sparbuch zu greifen und ein Schiff zu kaufen:

 

Unterwasserschiff schleifen, zweimal Antifouling

aufbringen.

Kiel entrosten und vor dem Antifouling mit einer

Spezialbeschichtung streichen.

Ein Loch für den neuen Tiefenmesser in den Rumpf

bohren.

Diese drei Dinge wurden bei der Werft in Auftrag gegeben, für die ganze Streicherei sind wir orthopädisch nicht gut genug gerüstet, aber es geht weiter:

 

Bugstrahlruder, Propeller- und Wellenservice (bei Amel besonders kompliziert)

Motor überprüfen, in der Folge neue Starterbatterie kaufen.

Turbolader ausbauen, steckte wieder einmal fest

Neuen Tiefenmesser einbauen (schaut nicht nur nach unten sondern auch nach vorne)

Den dazugehörenden neuen Plotter einbauen und damit die Cockpitinstrumentierung umbauen.

Den Motor zum Ausrollen des Großsegels auseinandernehmen und wieder gängig machen.

Schließlich alle Leinen und Segel wieder einziehen, denn die muss man bei diesem Klima  innen

verstauen, bevor man weg fährt.

Zu diesen „männlichen“ Arbeiten ein kurzer Sidestep zum Gender-Thema, das Sabine von der Segelyacht „Atanga“ auf ihrer Homepage sehr treffend aufgegriffen hat (verzeiht mir das Plagiat): Es gibt, trotz aller Bemühungen immer noch „blaue“ und „rosa“ Arbeiten auf einem Schiff und alle Frauen ohne Begabung/Willen/Ehrgeiz auf technischem/elektrischen/mechanischen Gebiet ( so wie ich) müssen sich mit der „rosa“ Abteilung begnügen, auch wenn sie wesentlich weniger Applaus einbringt als die für das Überleben von Schiff und Mannschaft nötigen Skills.

Mein Beitrag zur Liste oben besteht aus Zureichen, Suchen und Verlieren von Werkzeug und aus aufmunternden Worten. Weiters folgt das Sichern des Skippers auf die Masten, wenn oben etwas eingebaut oder repariert wird

sowie das Halten von Lötkolben, das Ziehen an Kabeln und das Suchen von Schrauben, die auf den Boden gefallen sind. Größer wird der „rosa“ Anteil dann bei der Putzkompetenz, und da kann ich mich austoben: Backskisten (Stauräume im Boot außen) auswischen, Reling, Beschläge und Solarbügel polieren, Deck, Cockpit und Fenster waschen, wischen und wienern. Was ich eigentlich nicht ungern tue, denn der (leider nur kurz andauernde) Blick auf das strahlende Schiff macht Freude.

Zum Thema Arbeit und Service hätte ich Eines fast vergessen: Der jährliche Ärger mit einem Lieferanten (man erinnere sich an die italienische Ankerkette) wurde heuer von einem  Neuseeländischen Rigger beigesteuert. Aufgrund einer gebrochenen Litze bestellten wir bei ihm im Mai eine neue Besanwant (Stahlseil, das den hinteren Mast stabilisiert), die natürlich, entgegen allen  Versprechungen, erst nach unserer Heimreise eintraf.

Nicht nur, dass er sie nicht wie versprochen am Boot deponiert hatte und die Marina zwei Tage danach suchen musste, sprang beim Auspacken sofort das erste Problem ins Auge: Ein falscher Beschlag. Whats app hin und her, nein, das könne nicht sein, er hätte einen „perfect match“ zu unserem Original bestellt und überhaupt sei er für längere Zeit in Neuseeland und stünde nicht zur Verfügung. Zum Glück hatte die Werft eine 20t Hydraulikpresse, mit der man die Beschläge wechseln konnte, drei Stunden Arbeitszeit, ok, aber als sich dann herausstellte, dass das Ding auch noch 42 Fuß statt 40,2 Fuß lang war, erlangte der böse Mailverkehr zwischen den – damals unserer Meinung nach noch zwei Erdteilen – seinen Höhepunkt. Die einzige Möglichkeit das Ding passend zu machen war abschneiden und einen Schraubterminal zu montieren. Dieses StaLok –

Terminal wurde am 24.12. in Florida bestellt und am 27.12. klopfte ein Fedex Zusteller am Boot und übergab uns das Teil. Wenigstens dieses hat der Kiwi bezahlt. Nach 2 Stunden Arbeit hatte Poldi das Want montiert. Wir hatten ja nicht ernsthaft damit gerechnet, dass er uns alle Kosten ersetzen würde, aber als wir feststellen mussten, dass er sich ohnehin in Panama aufhält, fühlten wir uns doch ziemlich „auf den Arm genommen“. Der gute Mann ist nämlich zufällig der Nachbar eines Freundes des Marinachefs und siehe da, ein Anruf und der Kiwi war am Telefon, in seinem Garten in Panama City weilend. Das Gespräch war kurz, auf beiden Seiten nicht gerade von

Freundlichkeit geprägt und führte zu keinem Ergebnis, denn schließlich habe er ja alles richtig gemacht. Übrigens: Unseren Originalteil hatte er damals im Mai eine Woche lang in seiner Firma, um nur ja sicher zu gehen, dass er das Richtige bestellen würde. Dies zum Thema „perfect match“.

Verlaß ist hingegen auf die Werft in der Shelter Bay.

Pünktlich nach einer Woche erstrahlte die Yin Yang zum Krantermin und durfte endlich zurück ins Wasser. Etwas Traurigkeit schwingt bei mir als Putzfee zu

diesem Anlass immer mit. Erst in zwei Jahren werden wir das Unterwasserschiff wieder in einem so

perfekten Zustand sehen, denn schon bald wird es sich die gesamte Meeresfauna und Flora am blitzblanken Propeller und am neuen Anstrich gemütlich machen.

 

 

Die Übersiedlung vom Hotel ins Schiff und ein

bequemer Liegeplatz nahe bei Bar und Shop gaben uns das Gefühl, endlich wieder dazu zu gehören. In der Shelter Bay beginnt um Neujahr die Saison; die

Regenzeit geht zu Ende und aus allen Ecken der Welt strömen die Segler herbei und machen dasselbe wie wir – pflegen, installieren, reparieren und die Kanaldurchfahrt vorbereiten. Ein kleiner Teil der österreichischen „Panamaflotte“ war schon vor uns da. Eva und Hans waren mit ihren Arbeiten schneller als wir und verabschiedeten sich mit ihrer „Tangaroa“ zum „Badeurlaub“ auf die San Blas; Herbert und Tadeja reisten am Silvesterabend an (zwei Flaschen Sekt, Einiges an Wein und Bier und dann ein Neujahrskater) und planen ihre Kanaldurchfahrt gleichzeitig mit uns. Fad ist es nicht in der Marina: Sundowners, happy hours, Grillparties, Potlucks (eine Art Gemeinschaftsbuffet) standen auf unserer Agenda. Es finden sich ständig umtriebige Amerikanerinnen, die das Gemeinschaftsleben der Marina in die Hand nehmen. Es gab eine Weihnachtsfeier mit Christbaum und Geschenken, Gesangsabende für begabte Segler (wir hielten uns aus

Sicherheitsgründen fern) sowie Dschungelausflüge, bei denen man nebst Zecken auch Erfahrungen mit frechen, stöckchenwerfenden Affen und aggressiven Termiten (fragt den Skipper) machen kann. Die Ruinen des US-Militärs aus amerikanischen Zeiten ergänzen das Bild zu einem Tomb-Raider-Szenario. Ebenfalls anstrengend,

aber weniger schweißtreibend ist die tägliche Gymnastikstunde im Pool, sie ist auch Kommunikationsbörse Nr 1, beim Anspannen von Bauch und Po wurde schon so manche Mechanikeradresse ausgetauscht und Tipps zum Kauf von Vergaserreinigern gegeben. Beides benötigten wir leider dringend, denn der Beibootmotor

schwächelte bereits seit Monaten, wollte jetzt aber überhaupt nicht mehr anspringen. Den Tipps aus dem Swimmingpool folgten viele gut gemeinte Ratschläge, eine erfolglose Fahrt zum Mechaniker und schließlich lag der Vergaser wieder am Operationstisch im Cockpit. Wie an einer medizinischen Fakultät versuchten sich die rundum stehenden Wissenschaftler unter den Seglern zu profilieren. Ergebnis: Operation gelungen, Patient tot. Nadel gebrochen. Schließlich gelang es uns, mit Hilfe des Marinabüros einen neuen Vergaser zu bestellen, den wir – hoffentlich – nach der Kanaldurchfahrt in Panama City abholen können.

 

Nach diesem letzten Streich wurde es endlich Zeit, mit all dem neu-Ein- und Umgebauten den Praxistest zu machen und Meeresluft zu schnuppern. Während die restlichen Österreicher bereits seit 10 Tagen die schöne unbewohnte Insel Esnadup zu „Austriadup“ umfunktioniert hatten, reihten wir uns schließlich auch in diese Flotte ein. Am Weg dorthin wurde allerdings noch das Städtchen Portobelo besucht. Nicht nur, weil unser Tullner Segelfreund Martin dort auf seine Pazifikcrew wartet, sondern auch, weil Protobelo eine glanzvolle Vergangenheit hat und eine “Weltkulturerbe“-Stadt ist. Von glanzvoll kann jetzt aber keine Rede mehr sein, eigentlich ist es ein Kaff, dessen touristische Anziehungskraft hauptsächlich auf den guten Autobusverbindungen beruht... Und auf der Kirche mit der schwarzen Christusfigur…. Und auf dem alten Fort und dem (unrenovierten). Zollhaus aus dem 16.Jhdt… Und einer guten Konditorei…also ganz so schlimm ist es doch nicht. Man kann sich aber trotzdem nicht recht vorstellen, dass die Spanier hier die riesigen Goldschätze Südamerikas verschifft haben, nachdem sie von der Pazifikseite über den Isthmus von Panama getragen wurden. All die Träger, Händler und Seeleute konnten jedenfalls bestimmt nicht so viel Müll hinterlassen wie die wenigen Einwohner heutzutage!

 

Kultur abgehakt, eine Tagesreise weiter wartet das Badeparadies San Blas mit „Austriadup“ auf uns.

Wasser glasklar und 28 Grad, Wellenhöhe 5 cm, Palmen wiegen sich in der Brise (die angeschwemmten Plastikflaschen darunter sieht man vom Ankerplatz aus nicht) und die Kuna bieten täglich frische Langusten an. Auch der Greissler kommt mit dem Boot und hat frisches Gemüse und Obst, das von den Kuna am Festland angebaut wird. Die Krokodile halten sich heuer eher zurück, nur ein mal schwimmt eines durch das Ankerfeld. Auch die gefürchtete portugiesische Galeere, eine bösartige Qualle wurde erst dreimal gesehen. Tage voller Urlaubsstimmung und gegenseitigen Einladungen zu Kaffee, Sundownern und Canapés. Auf der Tangaroa gibt es für uns Langusten und heute sogar – Scheiterhaufen! Wir lassen es uns für 10 Tage gut gehen. Dabei sollte aber nicht verschwiegen werden, dass ein engagierter Skipper auch in dieser Umgebung etwas zu tun findet: Ankerlicht mit Dämmerungsschalter und eine Alarmanlage montieren, die alten verblichenen Amel-Logos gegen neue von daheim mitgebrachte Kleber austauschen etc etc. Stillsitzen ist bei ihm nicht drin. Zu den „rosa“ Pflichten gehört aktuell das Schreiben dieses Homepageartikels, der Mailverkehr mit dem Kanalagenten und auch Spanischlernen steht ganz oben auf der Liste. Aber damit hapert es leider. Fest versprochen, sobald wir auf der Pazifikseite sind, werde ich mich dahinter klemmen, damit wir Ecuador nicht völlig sprachlos besichtigen müssen.

 

Von der Westseite Panamas aus melden wir uns dann auch wieder auf der Homepage, denn dann können wir hoffentlich Interessantes und Erfolgreiches über den Kanal berichten. Es gibt übrigens eine Webcam, über die man den durchfahrenden Booten im Internet zuschauen kann. Sollten wir in Erfahrung bringen können, zu welcher Zeit wir dort sein werden, schicken wir euch den Link per E-mail.