5.Bericht 16.07.2015

 

 

 

Liebe LeserInnen unserer Fortsetzungsgeschichte,

 

 

 

die ja nun leider für dieses Jahr  bald zu  Ende ist! Wir sind seit Samstag in Monastir, wo wir  einen Jahresliegeplatz haben und bis Ende Juli noch eine Menge erledigen wollten. Aber es ist soooo heiß, ich schaffe es einfach nicht, bei 40 Grad die Nirosta-Reling etc zu polieren und Poldi wollte im  Motorraum Einiges umgruppieren – aussichtslos, ohne zum Schmorbraten zu werden. So haben wir beschlossen, schon 10 Tage früher, am 21.7., heimzufliegen. Poldi kann dann Urlaubstage für Weihnachten einsparen, da werden wir  alles Aufgeschobene bei kreislauffreudigem Frühlingswetter erledigen. Weihnachten dürfte zwar hier nicht sehr weihnachtlich   sein – der Sattler, der unser Bimini vergrößert, hat vorhin gemeint „Weihnachten – in welchem Monat ist das – ach ja, das ist bei Euch ja die Zeit vor dem Jahreswechsel“ – aber dafür sind dann sicher alle Handwerker und Geschäfte offen.

 

Wir sind im Endeffekt wirklich froh, trotz aller Bedenken die Reservierung hier in Anspruch genommen zu haben, ich hab mich schon gefreut, als wir in den Hafen reingefahren sind, alle Häuser in weiß-blau, der Ribat (die Burg)dahinter, die Strände und dann der Service… Der Mann von der Marina, der uns empfangen hat,  hat erst beim Anlegen am Zollsteg geholfen,  dann den Tankwart angerufen und gesagt, dass wir 300 Liter tanken wollen aber erst später zahlen können, weil wir noch keine Dinar haben, dann hat er beim Anlegen an der Tankstelle geholfen, anschließend beim Anlegen am  Liegeplatz, ständig mit dem Fahrrad dem Schiff nachstrampelnd.

 

Mit Bangen haben wir dann der Einreisebehörde und dem Zoll entgegengeblickt, da hört man ja über Tunesien allerhand, dass sie  forsche Machos seien und Geschenke verlangten etc.

 

Deshalb waren wir besonders überrascht, als wir die Tür zur Hafenpolizei öffneten, denn dort saßen  drei Mädels in Uniform, sehr nett und haben uns gleich beigebracht, was „Österreich“ auf Arabisch heißt. Nach dem Ausfüllen eines Formulars ging‘s daneben zum Zoll – eine Dame, ein Herr, ein Formular. Dann der gefürchtete Besuch an Bord, wo angeblich auch der letzte Winkel nach Alkohol durchsucht wird. Die Polizistin blieb gleich am Kai stehen, der Zöllner (Jeans und Hemd) hat einen kurzen Blick in den Kühlschrank gemacht und sich dann die Notsignale zeigen lassen , ich hatte den Eindruck, dass ihm offenbar nichts Anderes eingefallen ist. Das war’s. Keine Geschenke, kein Bakschisch. Nun können wir die extra gekaufte Schokolade und den Marsala selbst verzehren!

 

 

 

Wir sind hier in der Marina natürlich in einem sehr abgeschlossenen Bereich, nicht im tunesischen Alltag. Ich war heute in der Stadt, den Flug buchen und ein bissl schauen, von Panik ist zum Glück nichts zu merken, alles normal, aber irgendwelche Museen oder andere Besichtigungen werde ich mir wohl verkneifen. Der Basar ist total leer, mir tun die Andenkenverkäufer wirklich leid, aber ich kann ja nicht allen was abkaufen und außerdem mag ich solche Sachen eh überhaupt nicht.

 

 

 

Das ist Tunesien – wieder ganz anders als Italien.

 

Sardinien und vor allem die egidischen Inseln haben  einen sehr großen Sehnsuchts-Fußabdruck hinterlassen, irgendwie haben wir Österreicher halt einen Hang zu Italien, egal ob Südtirol  oder Sizilien.

 

Aber es kommt ja wieder ein Sommer!

 

Italien heißt natürlich auch Bürokratie und was wir da in  Marsala (übrigens eine großartige Altstadt!) beim Ausschecken erlebt haben, soll Euch nicht vorenthalten bleiben:

 

Wir als brave EU-Bürger, das Rechts-Skriptum vom Segelschein noch einmal durchgelesen habend,  wollen in Marsala aus der EU ausklarieren, da Tunesien ja nicht dazu gehört. Gesagt, getan, das Hafenamt gesucht und gefunden. Türe geschlossen, wir wollen bei „ Ufficio“ läuten, da springt ein stirnrunzelnder  weiß uniformierter Beamter mit vielen goldenen Schulterstreifen und einer Ray-Ban-Brille quer über den Platz auf uns zu. Leider konnten wir es nicht verbergen, dass wir des Italienischen nicht übers Eis-Bestellen hinaus mächtig sind, deshalb schubste er uns zu einem privaten Schiffsrundfahrtenkiosk, in dem sich eine wunderhübsche junge Italienische Dame befand, die gut englisch sprach und offenbar im (bezahlten oder unbezahlten) Nebenjob in ihrem Kiosk gegen über dem Amt die Auslandsgeschäfte in die Hand nimmt.

 

 

 

Wir schilderten ihr die Lage, sie übersetzt – der „Goldfasan“mit den Schulterstreifen war sichtlich überfordert und entsetzt ob der Arbeit, die durch holen eines  Formulars auf ihn zukomme. Ausklarieren aus der EU war ihm offenbar nichts Geläufiges, obwohl der Hafen dort nicht klein ist. Hin- und Her- wann wir denn einklariert hätten (wäre ja sinnlos, Österreich ist ja in der EU), ob wir Papiere von einem anderen italienischen Hafen hätten etc.

 

Schließlich marschiert er, schwer seufzend, vom Open-air-Büro beim Kiosk in sein offizielles Büro um alle anderen Kollegen zu konsultieren. Nach  einer halben Stunde kommt er mit einem Zettel zum Ausfüllen. Den durften wir aber nicht allein ausfüllen, dafür musste ein bezahlter privater Agent angerufen werden, der alsbald erschien und die Amtshandlung am Kiosk ( dazwischen hat die fesche Frau immer wieder Rundfahrten verkauft) einleitete. Schließlich wurden wir in sein Büro gebeten, ein paar  Häuser entfernt, wo er – was im Hausinneren auch wirklich ernsthafter aussieht – das Formular abstempelte und 80 Euro kassierte. Dafür haben wir aber jetzt auch eine Einreise(!)- und eine Ausreisegenehmigung in die EU und ein tolles Formular, das sich entgegen unseren Vermutungen in Tunesien niemand angeschaut hat.

 

Dazu muss ich noch sagen, dass sich die liebe Dame am Kiosk ständig entschuldigt hat, dass in Italien alles so kompliziert und umständlich ist. 80 Euro für nichts, wir mussten wirklich lachen, der „Goldfasan“, der uns immer so verächtlich und seufzend angeschaut hat, wäre wahrscheinlich auch froh gewesen, wenn wir uns die 80 Euro gespart und ihn in Ruhe gelassen hätten. Aber die Mitteleuropäer müssen ja immer alles so genau nehmen!

 

 

 

Das war’s also aus den letzten 10 Tagen. Die Überfahrt von Marsala hat 21 Stunden gedauert, Gott sei Dank ohne Begegnung mit einem Flüchtlingsboot, nur ein paar Frachter bei Sizilien haben wir gesehen.

 

Der Wind war ideal von der Stärke her, aber leider war die Welle ziemlich ruppig.  Da ich am Vorabend dem sizilianischen Rotwein zugesprochen, zu Mittag noch gekocht und üppig gegessen und  zu Beginn der Fahrt auch noch gelesen habe, bin ich dann ziemlich an der Seekrankheit vorbei geschlittert. Ich hatte mich wohl zu sicher gefühlt nach den Erfahrungen der letzten Wochen.

 

 

 

Tja., das war’s mit dem Törn 2015, Julia und Hajo sind auf den Kanaren und wollen im Herbst über den Antlantik (also keine Fortsetzungen des Dominique-Krimis mehr), Günter und Trude aus Wien, die wir auf den egidischen inseln kennen gelernt haben, wollen bis Herbst noch in Ruhe Sizilien umrunden, die Seglerrunde aus unserem Klub, die sich derzeit bei den äolischen Inseln aufhält, versucht jeden möglichen Windhauch einzufangen, Bill und Judy sind schon fast in Barcelona und strecken ihre Nasen schon nach der US-Heimat aus und wir begeben uns halt nächste Woche wieder in den Hubschrauber- Stammtisch- Rasenmäh- Fitnesscenter und  Interview-Alltag zurück.

 

 

 


Jedenfalls werden wir Euch bald wieder sehen, darauf freuen wir uns!

 

 

 

Alles liebe von

 

Grete und Poldi

 

 

 

 

4. Bericht  16.07.2015

 

 

Liebe österreichische Segler und Nicht-Segler!

 

 

 

Je mehr Ausrüstung man hat, desto mehr kann kaputt gehen – das hat sich wieder einmal bewiesen, denn mein I Pad, mein Ein und Alles, ist nicht mehr einsatzfähig. Der Bildschirm zittert und wackelt und trotz kompletten Zurücksetzens hat es diese Gewohnheit nicht abgelegt. Daher heute unsere Statusmeldung von Poldis Laptop aus mit seiner Absenderadresse. Meine emails bekomme ich zwar am Handy, aber das Tippseln auf dem kleinen Display macht keinen richtigen Spaß – meine Antworten an Euch sind daher in letzter Zeit recht spärlich ausgefallen.

 

 

 

Unser „Atemlos-Tempo“ aus den ersten Wochen hat sich spürbar verringert, passenderweise ist auch der Wind weniger geworden und wir sind froh, dass wir ihn für die längeren Passagen noch  so gut nutzen konnten.

 

Ich wäre ja gerne noch länger in Sardinien geblieben, aber wir mussten den letzten Hauch eines Nordwestwindes nutzen, um nicht nach Sizilien per Motor rumpeln zu müssen. Mein Captain hat mir zum  Trost versprochen, dass wir nächstes Jahr mehr von Sardinien genießen können. Die Insel ist  nicht nur optisch ein Genuss und trotzt den Auswirkungen des Massentourismus, sie bietet auch alles, was man so braucht: Geschäfte mit herrlichen Handtaschen, Obst- und Käsemärkte, Friseur und Nagelstudio. Letzteres in Villasimius, wo ich ins Fremdenverkehrsbüro marschiert  bin, wo ja normalerweise junge Damen arbeiten, von denen ich Tipps für ein Nagelstudio erhoffte. In Wirklichkeit saßen dort zwei mittelalterliche Herren, die ob meiner Frage erst einmal beide fest geschluckt, dann aber die Herausforderung angenommen  und  mit ihrem weiblichen Anhang telefoniert haben. Im  Nu hatte ich einen Tipp und auch gleich einen Termin. Der Preis war fast doppelt so hoch wie in Tulln, aber die Nachfüllung ist super gemacht.

 

Weniger langfristig war die Nachwirkung des Friseurs- das Styling war super, aber eine halbe Stunde später bin ich beim Einsteigen ins Dingi ins Wasser gefallen….. Na ja, wie man von der Börse weiß, sind nicht alle Investitionen wirklich zukunftsträchtig.

 

 

 

Inzwischen sind wir seit einer Woche ( oder so…..der Kalender wird inzwischen etwas vage) bei den egidischen Inseln, leider ohne Fisch auf der Überfahrt. Aufgrund der vielen Naturschutzgebiete in dieser Gegend musste die Angel meist  eingerollt bleiben. Unser erster Ankerplatz bei dieser aus drei Inseln bestehenden Gruppe war Romantik pur: Marettimo ist eine Insel ohne Autos und Straßen, nur mit Wanderwegen, ein kleiner weiß-blauer Ort, unser Platz zwischen Felsen und einer Burgruine, abends ganz alleine im Mondschein das (leider grausliche in Sardinien eingekaufte) Bier genießend. Damit es nicht zu schön wird, ist Poldi Opfer einer Qualle geworden; die Weiterfahrt nach Favignana wurde uns dadurch sehr erleichtert. Favignana ist die größte der drei Inseln, mit einem hübschen Städtchen, einem tollen Thunfischfangmuseum (klingt blöd, ist aber wirklich super, eine alte Thunfischfabrik liebevollst renoviert), ausreichend  Geschäften und Restaurants. Wir liegen im Süden der  Insel, mit dem Autobus ein paar Minuten in den Ort.

 

Eine große Überraschung gab es beim Reinfahren in die Ankerbucht: Ein einziges Boot war zu sehen, auch eine Amel, fast wie unsere , mit österreichischer Fahne!  Das Besitzerehepaar aus Wien hat ihre Amel bereits seit 12 Jahren und verbringt jedes Sommerhalbjahr darauf. Wir haben viel geratscht, waren gemeinsam in der Stadt, haben Informationen ausgetauscht und Einiges aus ihrer Erfahrung gelernt.

 

 

 

Die egidischen  Inseln sind wirklich ein Urlaubs-Geheimtipp. Nur italienische Urlauber - die Leute aus dem selben Land empfindet man ja komischerweise nicht als Touristen – süditalienisches  Temperament ( alte Männer im Unterleiberl  diskutierten lautstark gestikulierend vom Balkon herunter mit mopedfahrenden Jungmachos, die verspiegelten Brillen auf die Stirn geschoben) , kaum sichtbare Hotels, kleine Strände und viele Cafes zum Leute-Beobachten. Bunt gestrichene Fischerboote, köstliches Eis; alles nostalgisch wie in einem alten Fremdenverkehrsprospekt.

 

Nur das Wasser finde ich ziemlich kühl, wie sich auch überhaupt meine Hoffnungen, Schwimmen als Sport-Ersatz für meine häufigen Turnstunden einsetzen zu können, als unrealistisch entpuppt hat. Nichts von dem, was ich im Kraulkurs gelernt habe, lässt sich umsetzen. In den Wellen ist alles anders als im glatten Wasser des Tullner Hallenbads. Ich atme immer dann, wenn sich gerade eine Welle in mein Gesicht ergießt und kann aufgrund der Strömungen auch die Bewegungen nicht richtig ausführen. Also wieder Baden statt Schwimmen, was ich ja eigentlich nicht wollte.

 

Auf einem Nachbarschiff – einer Oyster 64(!) hat ein Paar gestern eine Art Aerobic-Stunde abgehalten, aber das wäre mir auch irgendwie zu blöd, am Deck alleine herum zu hüpfen.

 

Also werde ich untrainiert und dick zurück kommen, wenngleich wir KEINE Naschereien an Bord haben. Seit wir aber so viel an Land sind, nützt das aber nicht viel. Ich hätte nicht gedacht, dass sizilianische Mehlspeisen soooooo köstlich sind.

 

 

 

So, und jetzt kommt die große Frage nach unserem weiteren Vorgehen: Tunesien ja oder nein – höchstwahrscheinlich ja. Sehr viele Alternativen gibt es nicht, das Boot 12 Monate wo unterzubringen, erreichbar wäre nur Marina di Ragusa, kostet das Doppelte und ist für einen evtl. Weihnachtsurlaub zu kalt. Wir haben jetzt einmal einem Dauerlieger in Monastir gemailt, um zu fragen, wie die Lage ist und stöbern in allen Internetforen herum, um zu sehen, was die Leute so schreiben, die derzeit in Tunesien sind. Die Marina Monastir ist halt wirklich traumhaft, mit Fernsehanschluss und WLan und Swimmingpool und und und.

 

Wir haben sie uns im Urlaub vor zwei Jahren angeschaut und uns deshalb für sie entschieden. Und die Tunesier sind einfach sehr sehr nett, so tolle Sprachkenntnisse, so offen und  hilfreich. Eigentlich wollen wir sie nicht im Stich lassen, der Fremdenverkehr hat es jetzt dort eh sehr schwer. Die Marina ist jedenfalls schon seit dem Anschlag in Tunis im März intensivst bewacht.

 

Sollten wir von den Seglern in Tunesien nichts Negatives hören, haben wir vor, am  10.7. von Marsala aus rüber zu fahren, wir rechnen mit 36 Stunden.

 

 

 

Bis dahin möchte ich aber noch unbedingt den höchsten Berg von Favignana ersteigen ( 370 m, aber von Meereshöhe aus), dort ist eine alte Burg  und der Blick soll super sein. Wanderweg leider in der prallen Sonne.

 

 

 

Und auf der Nachbarinsel warten noch  steinzeitliche Felszeichnungen darauf, besichtigt zu werden.

 

Außerdem hat sich unser Tempo auf den ENTSPANNT- Modus umgestellt, sogar Poldi  verbringt nur mehr einen Teil der Zeit mit der Werkzeugkiste, um Optimierungsarbeiten durchzuführen. Sonst wird gechillt und gelesen.

 

 

 

Mein nächster Newsletter wird also schon der letzte sein . Ich will ja keine Gemeinplätze verbreiten, aber falls Ihr’s noch nicht wisst: Die Zeit vergeht wahnsinnig schnell!

 

 

 

Wir wünschen Euch herrliche Sommertage in Österreich, bei dieser Wettervorhersage wird sich euer Neid in Grenzen halten!

 

Liebe Grüße,

 

Grete und Poldi

 

 

 

 3. Bericht 24.06.2014

 

 Liebe Fangemeinde der Yin Yang,

 

 

vor zehn Tagen habe ich Euch noch aus dem Sündenpfuhl Magaluf geschrieben, im Gegensatz dazu liegen wir derzeit an einem Hochkultur – Ankerplatz, direkt vor den Ausgrabungen von Nora, der ältesten Stadt Sardiniens,  daneben die Kirche San Efisio aus dem 9. Jahrhundert. Geistig gestärkt nach der gestrigen archäologischen Führung und  einem großartigen sardischen Rotwein am Abend, fasse ich nun die letzten 10 Tage zusammen. Eines gleich vorweg: Gruselgeschichten gibt es diesmal (fast) keine.

 

Aufgrund des im Sommer  häufig auftretenden  Mistrals ist Menorca  der ideale „Absprungpunkt“ für Sardinien. Wir haben uns daher nicht mehr lange in Mallorca aufgehalten, sondern sind gleich von Magaluf aus einen Tag und eine Nacht nach Menorca durchgesegelt. 

 

Bei Tagesanbruch lag die in unserem  Segelführer als „ sehr geschützte Ankerbucht mit ganz spezieller Atmosphäre“  vor uns und wir haben uns dreimal die müden Augen gerieben, aber auch mit  scharfem Blick war nicht zu übersehen, dass dieser kleine Einschnitt nur handtuchbreit ist, für unsere 16Meter  war kaum Platz zum Umdrehen. Diese „spezielle Atmosphäre“ konnte nur für Modellboote gedacht sein.

 

Ein Blick auf den Maßstab der Karte hätte uns allerdings schon vorweg klar machen sollen, was schließlich unübersehbar war: In Menorca ist grundsätzlich alles klein: Die kleinen weißen Häuschen in den kleinen Dörfern ducken sich untere niedere Bäume in kleinen Wäldern –wie Minimundus, richtig süß. 

 

Die nächste als Ersatz angesteuerte Bucht war auch sehr beengt, aber wir hatten mit drei anderen Seglern gerade noch Platz. 

 

Nach einem Tag ausruhen und Wetterbericht studieren war klar: Am  18.6. mussten wir los. Überraschenderweise war die Vorhersage richtig.  Mit 30-35 Knoten (einmal sogar ganz kurz 47) Nordwind  ging‘s flott nach Südosten;  der Südwestzipfel von Sardinien war gerade noch zu erwischen. Teilweise waren wir nur mit der ausgebaumten Genua ( das Ausbaumen ist bei der Amel eine Wissenschaft, die Poldi absolut im Griff hat, für mich nach wie vor ein Rätsel) unterwegs, auch in der Nacht. 

 

Die Nacht sollte aber wieder einmal nicht zu idyllisch werden:  Beim Finsterwerden biss Thunfisch Nummer drei. Mehr als 6 kg!  Gruselgeschichte pur. Mir war nicht klar,  wieviel Blut bei so einem Brocken fließt.  Man muss sich das vorstellen – Poldi sitzt angeleint hinten auf der überstehenden Gangway und zerteilt das arme Vieh, das Schiff wackelt, ich eile mit Kübel, Messer, Fotoapparat, Fetzen und allem Möglichen hin- und her  (meistens  dabei meckernd) und vernichte dann überall die Blut- und Geruchsspuren. Alles Gewand in die Waschmaschine, am liebsten  den Mann als Ganzes, aber der passt nicht rein, da es sich um die ganz kleine  Eudora  handelt.

 

Ich war aber dann sehr dankbar, dass Poldi die Filets gleich in Folie eingeschweißt hat ( Hofer sein Dank für das günstige Gerät) , dann ist auch im Kühlschrank kein Fischeln mehr wahrzunehmen. Jedenfalls gab‘s drei Tage nur Fisch und Poldi hat eine Weile Fischverbot. Zumindest will ich das nächste Mal Forelle. Die Thunfische sind  leider  ein wenig trocken, ich mach sie immer als Fischgulasch oder rotes oder grünes Curry.

 

Die erste Bucht in Sardinien hat gleich alles gehalten was die Insel verspricht: Ein alter Wachturm, Einsamkeit, keine Hotels, urwüchsige Landschaft. Wassertemperatur 17 Grad, ein Schock nach den 24 Grad in Mallorca. Die ganze Südküste entlang dieses Bild, der Tourismus ist absolut versteckt, man würde meinen, es gäbe ihn nicht. Da aber  doch immer wieder viele Badende am Strand liegen, muss man annehmen, dass die auch irgendwo wohnen. Es gibt hier keine Promenaden mit Lokalen und Fetzengeschäften am Meer, dafür sind aber auch alle Geschäfte weit weg. Ich bin gestern mit dem Bus in die Stadt gefahren (Markt und Friseur) und heute mit dem Taxi in den Supermarkt, um unsere Vorräte an Bier, Küchenrolle, Erdäpfel usw.  aufzustocken. Aber fragt nicht, wie der Transport all dieser schweren Dinge per Beiboot abgelaufen ist! Zu zweit mit diesem schweren Dingi  bei Wellengang am Sand anzulanden und abzulegen, ist einfach anders als in Thailand zu sechst im Urlaub ein kleines Beiboot an Land zu ziehen. Aber alles ist heil an Bord, wir auch, wenn auch mit nassem Hosenboden.

 

Eigentlich würde es uns hier bei den Ruinen sehr gut gefallen, aber in dieser Bucht steht so viel Schwell, dass wir ständig wackeln, im Laufe der Zeit wird man dabei etwas wirr im Kopf. Daher wollen wir morgen weiter Richtung Osten, um dann irgendwann unser „Inselhüpfen“  nach Sizilien fortzusetzen. Hoffentlich mit klarem Kopf und einem verlässlichen Wetterbericht. Aber das ist ja in sich schon ein Widerspruch. Für heute war kein Wind angesagt, zum Mittag aber hatten wir  20 Knoten, einmal von West, einmal von Ost…….Na ja, man soll mit den Meteorologen nicht so streng sein, schließlich gibt es seit einem Monat immer Sonne und meistens auch Wärme, da können wir uns wirklich nicht beklagen.

 

Das nächste Mal wahrscheinlich aus Sizilien!

 

Alles Liebe von Grete und Poldi

 

 2. Bericht  12.06.2015

 

Liebe Schwitzenden daheim!

 

 

 

 

Wir schwitzen auch, aber die Meeresbrise kühlt und wir schwitzen fast mehr vom Putzen als vom Klima. Man würde nicht glauben, was man auf so einem Schiff alles putzen muss/kann/soll! Das Beiboot, alle Metallteile, Küche, Bad etc wie zuhause; Poldi hat auch schnorchelnd den Belag aussen unter Wasser mit der Spachtel  entfernt. Dort setzen sich gerne Algen, Muscheln und Schnecken fest, die einen dann auch langsam wie eine Schnecke werden lassen.

 

 

 

Seit meinem letzten Bericht waren wir in Ibiza und in Mallorca, wo wir immer noch liegen.

 

 

 

Ibiza war super, ich war zweimal in Ibiza Stadt und bin dem Auftrag, eine Oberfräse und ein Computerkabel zu kaufen, in der ganzen Stadt herum gekommen. Poldi hatte nämlich am Weg nach Ibiza den zwingenden Drang verspürt, eine Plexiglasscheibe zu fräsen und dabei hat sich ein Werkzeugteil ins Wasser  verabschiedet. So hatte ich die Ausrede, zwei Mal von unserem Liegeplatz in San Antonio aus mit dem Bus in die Stadt zu fahren und nicht nur die schöne alte Festung, sondern auch ca 100 Schuh- und Bikinigeschäfte sowie einige Eisdielen zu besuchen. 

 

Und alle Werkzeuggeschäfte, was schliesslich am zweiten Tag zum Erfolg führte, sodass es für ein dritten Tag Bummeln keine Ausrede mehr gab. 

 

Die Leute in Ibiza - das heisst hauptsächlich Touristen - sind, wie das Klischee es verlangt, alle sehr gestylt , und auch sehr schlank, sodass mir mancher Löffel Eis gleich im Hals stecken blieb. Hier in Mallorca ist der "Ballermann"-Typ immer noch sehr verbreitet, Bauch, Sonnenbrand, Bierdose. In Ibiza heisst das eher  lange Beine, tiefe Bräune und Cocktailglas.

 

 

 

Nach unserer leider sehr windarmen ( die Voraussagen sind bei diesen eher moderaten Windstärken zum Vergessen ) 11stündigen Überfahrt nach Mallorca hat erst einmal der Beiboot-Motor beschlossen, uns zu ärgern, indem er immer wieder abgestorben ist. Nachdem Poldi dem Joker mit der Werkzeugkiste zu Leibe gerückt ist, gibt er jetzt Ruhe, aber ich weiss schon, warum ich diese Motoren alle so fürchte und hasse, ich kann ja auch den Rasenmäher nie richtig starten. Ich wünsch mir ganz fest vom Christkind einen Elektromotor fürs Dingi!

 

 

 

Wie vereinbart haben uns Heinz und Lucy auf Ihre Finca zum Essen eingeladen, wo sie seit kurzem leben, nachdem sie beschlossen haben, ihr schönes Haus mit Meerblick in Santa Ponsa zu verkaufen. Für uns wär das nichts, 15 000qm Grund, zum Grossteil noch ungerodet, ein kleines Haus, ziemlich einsam, sieht nach unheimlich viel Arbeit und rusitkalem Leben aus, da ist die Ying Yang mit ihrem vielen Nirosta noch harmlos, da muss ich wenigstens nicht nächtens Schnecken vom Gemüse jagen, Palmen von bösartigen Viechern befreien und Gstetten umgraben.

 

Aber das Essen war ein Traum und wir hatten es sehr lustig, mit Familie Kragl ja garantiert.

 

 

 

Inzwischen ankern wir in Magaluf .

 

Als ich gleich nach der Ankunft vorgestern die Salzburger Nachrichten am IPad lese, staune ich nicht schlecht: ein Artikel über Magaluf. Seit zwei Tagen ist eine Verordnung in Kraft, die Trinken im Freien zwischen 22 und 8 Uhr verbietet und überhaupt den Alkoholkonsum stark einschränkt, da in diesem Ort, dem "Arenal der Engländer" , Nackte auf der Strasse liefen, die trinken und gröhlen würden und noch Schlimmeres trieben. In einen schönen Sündenpfuhl sind wir da geraten. Wir haben auch gleich das Fernglas genommen und überprüft, ob die Situation für unsere moralischen Ansprüche noch tragbar ist, aber leider nichts gesehen. Ich nehme an, das abgründige Leben spielt sich zu einer Tageszeit ab, wo man in unserem Alter bereits die Tiefschlafphase geniesst. 

 

Den Autobus nach Palma konnte ich (Poldi ist ja leider weder Sightseeing-noch Stadtbummel-noch Shopping-Fan) jedenfalls gefahrlos benützen. Die Stadt ist immer wieder ein Genuss, so schöne alte Bausubstanz und alles so gut in Schuss. 

 

 

 

Heute gabs' einen Infrastuktur-Tag - lang schlafen, ein wenig putzen, dieses Mail schreiben, den Rest vom zweiten (!!!!)Thunfisch zubereiten, die Weiterreise planen.

 

Diese führt uns die Ostküste von Mallorca hinauf nach Menorca, von wo aus man gerade noch den Südzipfel von Sardinien erreichen kann, wenn der Wind passt. Laut Voraussage passt er am Donnerstag/Freitag, aber man kann wirklich nichts Fixes planen, da die Meteorologen auch hier sehr flexibel sind.

 

 

 

Das nächste Mal melden wir uns also vermutlich aus Sardinien, wir freuen uns schon auf Italien, nicht nur wegen des Essens sondern auch wegen des unbegrenzten Internets mit dem 3like-home-Vertrag.

 

 

 

Alles Liebe,

 

Grete und Poldi

 

 

 

 

 

 

 1. Bericht 08.06.2015

 

 

Liebe Leute,

 

 

Eine Woche sind wir jetzt  an Bord, Zeit für ein Lebenszeichen.

 

Mehr als 10% des Urlaubs schon vorbei - der Optimist würde allerdings sagen, 90% noch vor uns. 

 

 

In der Marina in Almerimar  waren wir  noch ein paar Tage sehr fleissig, haben unsere 110kg-Kiste abgeholt, die wir zu Sandra, unserer "Sitzpolsterproduzentin" , schicken liessen; die darin befindlichen Windschutzscheiben eingebaut, das Boot vom Saharasand befreit, mit dem Auto dort ansässiger Deutscher Lidl und Carrefour um einen grossen Teil ihrer Bier- Wasser- und Colabestände erleichtert, die österreichische Fahne gehisst und vor allem ein paar schöne Abende mit unseren deutschen Liegeplatznachbarn Julia und Hajo (zufällig auch mit einer Amel Super Maramu unterwegs)verbracht, die wir schon im Herbst kennen gelernt haben. Am Sonntag sind wir dann gleichzeitig mit ihnen los, allerdings in entgegengesetzte Richtungen. Der erste Abschied also, auch die beiden Schwesterboote hatten sich im Laufe des Winters schon so aneinander gewohnt. Aber das erzählen ja alle Segler: Man lernt viele nette Leute kennen, von denen man sich dann aber bald wieder verabschieden muss.

 

 

 

Bei strahlendem Wetter und ruhiger See sind wir  Richtung Balearen aufgebrochen, teils segelnd, teils motorsegelnd, teils nur mit Motor. Alle Segel ausprobiert, sogar das Stagsegel gesetzt, alles bestens. Die Yin Yang hat sich bis jetzt überhaupt von ihrer besten Seite gezeigt, wir geniessen es sehr, dass alles so "seniorengerecht" und bequem ist. Segel setzen dauert Dank der Elektrik ein paar Minuten und das cockpit ist geschützt und gemütlich wie ein Wohnzimmer.

 

 

 

Die beiden Nächte waren ruhige Vollmondnächte, wirklich romantisch. Damit es nicht zu romantisch wird waren sie aber von überraschenden Besuchen begleitet: Besuch eins war eher zoologische Natur - kaum hatte sich Poldi niedergelegt und ich es mir für die Nachtwache mit Buch und Cola gemütlich gemacht höre ich ein verdächtiges Surren aus Richtung der Angel. Da ich kein Fischmörder sondern nur -Esser bin, muss mein armer Mann aus seinem Bett und bei Taschenlampenlicht den anhänglichen Thunfisch ums Leben bringen und ihm dann die Filets rausschneiden. Fischerglück schon in der ersten Nacht! Die beiden Mahlzeiten haben gemundet, das muss ich zugeben, auch wenn mir vor dem Mord immer graust.

 

 

 

Vom Thunfischgulasch und einem faulen Tag  gestärkt, geht es in die zweite Nacht. Ich übernehme wieder die Wache in der ersten Nachthälfte und schaue brav alle 5 Minuten aufs Radar, mache auch immer wieder "echte " Rundumblicke- der Mond glänzt, das Schiff schaukelt leicht, im Ohr eine Walzer-CD - Sentimentalitätsalarm.  Gegen 1h  ein routinemässiger Blick aufs Radar - der Blutdruck steigt - ein Riesending ganz in unserer Nähe. Ich denke erst an Ausserirdische, denn so schnell nähert sich normalerweise niemand, aber als ich in zwei gleissende Scheinwerfer blicke, die schon fast zum Greifen nah sind, entschliesse ich mich doch, besser meinen Captain und Beschützer aufzuwecken. Während der noch schnell die Badehose überzieht gehe ich ins Cockpit zurück und stehe vor zwei Uniformierten, zugegebenermassen sehr gut aussehenden Männern. Ich war so verblüfft, dass ich nicht einmal Zeit zum Fürchten hatte. Sie haben sich  höflich (in gutem Englisch) als Coastguard vorgestellt, was auch auf ihrem Gewand zu  lesen war. Erst einmal dachten wir kurz, sie seien vielleicht nicht echt, aber das Schlauchboot aus dem sie (eindrucksvoll schnell, da würde ich 10 Minuten brauchen) übergestiegen sind und das dazu gehörende grosse Boot machten irgendwie doch einen bereruhigenden behördlichen Eindruck. Ich weiss zwar nicht wie , ich einen "behördlichen" Eindruck beschreiben soll, aber so wars halt. Die beiden Feschen wollten jedenfalls nur in alle Betten und unter alle Betten, unters Schlauchboot und in den Ankerkasten schauen, ob wir dort vielleicht Leute versteckt hätten, die momentan in Europa nicht so gern gesehen sind. Ich war vor allem erleichtert, dass ich am Abend den Küchenboden gewischt und überhaupt halbwegs aufgeräumt hatte. Ich hab mir noch überlegt, ob es wohl angemessen wäre, Getränke und Knabbereien anzubieten aber schwupp waren sie mit einer Entschuldigung, gestört zu haben , schon wieder im Schlauchboot, uns beide baff und nicht ohne Komplimente über das schöne  Schiff zurück lassend.

 

 

 

Rückblickend haben wir uns eigentlich nicht besonders aufgeregt, Poldi nicht, weil man wegen der Schlepper ja eh kontrollieren soll, und ich nicht, weil man bei feschen Männern halt nachsichtig ist. Poldi hat sich eh ein wenig benachteiligt gefühlt, weil keine Dame dabei war.

 

 

 

Die nächsten beiden Mondnächte haben wir dann schon hier am Anker bei den Dünen von Formentera verbacht, ohne irgendwelche Ereignisse, direkt fad. Aber im Urlaub wünscht man sich ja eh vor allem Ruhe. Die Poldi allerdings nicht geben kann, er findet ständig was zum Um-und Einbauen. 

 

 

 

In den nächsten Tagen wollen wir nach Ibiza weiter, dann nach Mallorca, wo wir die dort lebenden Freunde Heinz und Lucy treffen wollen. Wer Heinz kennt, weiss, das die Koordination bereits jetzt chaotisch ist!

 

 

 

Die Erholung hat schon gut eingesetzt, trotz Internet und meines geliebten digitalen SN-Abos lesen wir kaum Zeitung und das Fernsehen ist uns auch noch nicht abgegangen.

 

 

 

Wir melden uns nächste Woche wieder, falls uns Heinz' Hyperaktivität dazu Zeit lässt!

 

 

 

Alles liebe von Grete und Poldi

 

 

PS: für alle, die auf eine Fortsetzung des Diminique-Krimis warten: seit ihrem Ausritt mit dem Fahrrad wurde sie nicht wieder gessehen. Wir haben in den Tagen in Almerimar nicht einmal Ihre Stimme aus dem Off des Salons von unten gehört. Jean-philippe sagte sie sei krank. Wahrscheinlich ein langsam wirkendes Gift.